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Burgschauspieler Stück im Stück mit Pferd

Die Burgschauspieler bringen ein Historiendrama von 1913 wieder auf die Bühne – mit viel Musik und Ironie.

Bernhard Thurn bringt seine Schauspieler zum Singen. Foto: Michael SChick

Die einen halten noch ein Schwätzchen, andere gucken gelangweilt in die Luft oder beginnen gar eine kleine Rempelei, während sie durch den Zuschauerraum auf die Bühne zuholpern und -stolpern. „Sacht emal, spinnt ihr?!“, schimpft es plötzlich vom Bühnenrand.

Der Regisseur (gespielt von Volker Steuernagel) hat einen Hals bis Oberjosbach. Schließlich steht die Premiere für das Volksstück „Ein Lehnstag auf Burg Eppstein“ vor der Tür, doch außer ihm scheint das niemand ernst zu nehmen. Auch die Burgschauspieler selbst haben sich entschieden, den 100. Geburtstag der Burgfestspiele von der heiteren Seite anzugehen.

Deshalb haben sie zwar das Originalstück von 1913, das von einem Bruderzwist um die Vorherrschaft auf der Burg handelt, als Grundlage für ihr eigene Jubiläumsinszenierung genommen. „Das ursprüngliche Stück ist aber weder besonders reizvoll noch spannend“, urteilt der – echte – Regisseur Bernhard Thun. Und so hat er es als Stück im Stück umgeschrieben. Darin verkörpern nun die heutigen Burgschauspieler ihre Vorgänger von vor 100 Jahren, die sich bei der Generalprobe zu besagtem Mittelalter-Drama um Kopf und Kragen spielen.

Klingt kompliziert, bereitet beim Zuschauen aber keine großen Verständnisprobleme. Zumal für reichlich komische Einlagen gesorgt ist. Als „Running Gag“ dient etwa die Suche eines der Akteure nach einem passenden Kettenhemd. Zur Auflockerung gibt es außerdem eine Reihe von Musiknummern: Der evangelische Posaunenchor wird mehrmals auftreten und Bernhard Thurn hat eigens ein Lied über Eppstein, die „Perle im Taunuswald“ getextet, das die Darsteller im Chor anstimmen werden.

Geplant ist zudem der Auftritt eines „Gaststars“ in jeder der vier Vorstellungen. Landeskonservator Falko Lehmann hat schon zugesagt. Der ehemalige Landrat Jochen Riebel und Krimi-Queen Nele Neuhaus seien weitere Kandidaten, teilt die Vorsitzende der Burgschauspieler, Juliane Rödl, mit.

Seit Dezember treffen sich die Burgschauspieler einmal pro Woche im Bürgersaal, um für ihr neues Stück zu proben. Wenn es auf die Premiere zugeht, werde sich der Rhythmus auf zwei Treffen pro Woche erhöhen, kündigt Bernhard Thun an.

„Wir brauchen zum ersten Mal eine Anwesenheitsliste“, sagt Juliane Rödl und lacht. „Sonst würden wir den Überblick verlieren.“ Schließlich sollen mehr als 60 Darsteller auf der Bühne stehen, wenn das Jubiläumsstück „Ein Lehnstag auf Burg Eppstein oder Das Kettenhemd“ am Samstag, 22. Juni, Premiere hat. „Und ein Pferd“, fügt Rödl hinzu.

Das ist allerdings gar nichts gegen die Aufführung im Jahr 1913: Damals bevölkerten mehr als 300 Laienschauspieler und 30 Pferde die Bühne im Burghof. Wie das möglich war, kann man sich heute nur noch schwer vorstellen.

So viel spielendes Volk würden die Burgschauspieler wohl auch nicht mehr mobilisieren können. Wobei sie sich im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen über mangelnden Nachwuchs nicht beschweren könnten, beteuert Pressesprecher Volker Steuernagel. Bewährt hätten sich dafür vor allem die Theater-Workshops für Jugendliche, die das Ensemble seit fünf Jahren anbietet. „Im vergangenen Jahr hatten wir 20 Teilnehmer.“ Einige von ihnen werden nun schon im Jubiläumsstück auf der großen Bühne stehen.

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