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Bad Soden Waldgasthof ?Hubertus? droht der Abriss

Idyllisch liegt die Waldgaststätte „Hubertus“ unter hohen, alten Eichen. Eine Ligusterhecke schirmt das mehr als 100 Jahre alte Gebäude mit gelber Fassade, roten Fensterläden und dunklen Holzbalkonen von der Königsteiner Straße ab. Jeder, der mit dem Auto von Bad Soden in Richtung Königstein unterwegs ist, fährt hier vorbei. An Wochenenden ist das „Hubertus“ kurz hinter dem Neuenhainer Ortsausgang beliebtes Ziel für Ausflügler aus der ganzen Region.
Doch die Tage der Waldgaststätte sind gezählt. Denn eine Erbengemeinschaft hat Haus und Grundstück an einen Investor verkauft. Und der will das Gebäude abreißen und an der Stelle zehn Reihenhäuser errichten. Der Bauantrag wurde beim Main-Taunus-Kreis bereits eingereicht und entspricht auch genau dem, was auf dem 2500 Quadratmeter großen Areal zulässig ist. „Der rechtskräftige Bebauungsplan stammt aus dem Jahr 1972“, bestätigte Bad Sodens Bürgermeister Norbert Altenkamp (CDU) auf FR-Anfrage. Er sei bislang nur nicht zum Tragen gekommen, weil die frühere Besitzerin nicht bauen wollte. Einem neuen Eigentümer könne die Stadt dies jedoch nicht verwehren. „Da haben wir keine juristische Handhabe.“

Wirt Pasquale Acampora, der im „Hubertus“ seit elf Jahren gehobene deutsch-italienische Küche kredenzt und dessen Pachtvertrag Ende März 2018 ausläuft, will sich zu dem Thema nicht äußern. Umso gesprächiger ist Andreas Honneth vom Taunus Art Club, der zusammen mit Oscar Jager eine Gruppe von Bürgern um sich geschart hat, die verhindern wollen, dass die Gaststätte dem Erdboden gleichgemacht wird. Seit den 1960er Jahren habe Bad Soden schon viel seiner alten Bausubstanz an Projektentwickler verloren, sei aufgrund seiner Nähe zu Frankfurt zur „Boomtown“ geworden, sagte Honneth der FR. Schöner sei die ehemalige Kurstadt dadurch nicht geworden, sondern austauschbarer. „Die Wiedererkennbarkeit geht verloren.“ Das Maß vollgemacht hat für Honneth der Abriss der 160 Jahre alten Apfelweingaststätte Batz an der Unteren Hauptstraße im vergangenen Jahr. „Damals sind wir überrumpelt worden, weil über unsere Köpfe hinweg entschieden wurde.“

Beim „Hubertus“ soll das anders werden. 300 Unterschriften haben Andreas Honneth und seine Mitstreiter schon gegen den Abriss der Waldgaststätte gesammelt, zahlreiche E-Mails von besorgten Bürgern bekommen. Auch die schwarz-rote Koalition im Bad Sodener Stadtparlament hat sich mittlerweile gegen den Abriss der Gaststätte ausgesprochen. Wegen seiner historischen Bedeutung solle das Gebäude dauerhaft erhalten werden, fordern CDU und SPD. Unter www.bad-soden.com hat die Initiative rund um Andreas Honneth eine Internetseite zu dem Thema eingerichtet. Dort wird auch darüber informiert, dass die Denkmalschutzbehörde in Wiesbaden eingeschaltet wurde. Sie soll prüfen, ob das „Hubertus“ erhaltenswert ist und unter Schutz gestellt wird. „Wir arbeiten an einer entsprechenden Stellungnahme“, bestätigte Oberkonservator Dieter Griesbach-Maisant vom Hessischen Landesamt für Denkmalpflege. Man habe die Gaststätte besucht, Fotos gemacht und werte die gesammelten Daten gerade aus. In zwei bis drei Wochen werde das Ergebnis vorliegen, sagte Griesbach-Maisant der FR. Sollte die Gaststätte tatsächlich unter Denkmalschutz gestellt werden, wären die Abrisspläne vom Tisch. Der Investor hätte das Nachsehen.

Es wäre nicht der erste Fall im Main-Taunus-Kreis, bei dem der Denkmalschutz Pläne für Abriss und Neubau binnen kurzer Zeit Makulatur werden lässt. Erst vor wenigen Jahren stand die Hattersheimer Stadthalle zum Verkauf. Investoren sollten das marode Gebäude, das sich die Schutzschirmkommune nicht mehr leisten konnte, abreißen und an der Stelle einen Neubau errichten. Auch damals informierten erboste Bürger die Wiesbadener Behörde und erreichten, dass der Bau aus den späten 1960er Jahren mit einem eindrucksvollen Mosaik im Foyer wegen seines „hohen architekturgeschichtlichen und baukünstlerischen Wertes“ unter Schutz gestellt wurde. Die Stadt muss die Halle erhalten. Dank einer Privatspende von einer halben Million Euro wird sie bald wieder für Vereine geöffnet.

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