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Bad Soden Kaum noch Platz für den Stieglitz

Der Naturschutzbund Nabu stellt im Wasserturm seit 1998 den Vogel des Jahres vor. In diesem Jahr wurde der Stieglitz ausgewählt, dessen Bestand in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen ist.

03.01.2016 19:14
Jöran Haders
Noch sieben Mal ist die Ausstellung in diesem Jahr geöffnet. Foto: Michael Schick

Wer die 65 Stufen der engen Stahltreppe hinaufgestiegen ist, der wird in der Turmstube des Wasserturms mit Vogelgezwitscher empfangen. Das Gezwitscher kommt allerdings nicht von echten Tieren, sondern von einer DVD, auf der heimische Vogelarten vorgestellt werden. Seit 1998 lädt die Sodener Ortsgruppe des Naturschutzbundes Nabu naturinteressierte Kinder und Erwachsene in die Turmstube ein.

Jahr für Jahr gibt es dort seitdem eine Ausstellung, die sich dem Vogel des Jahres widmet, der vom Nabu 1971 zum ersten Mal gekürt wurde. In diesem Jahr wurde der Stieglitz ausgewählt, dessen Bestand in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen ist.

Population um zwei Drittel geschrumpft

Jeweils im Oktober wird der aktuelle Vogel des Jahres bekanntgegeben. Dann beginnt Dieter Neumann mit den Recherchen zu der Ausstellung, für die er diesmal sechs große Plakate hat drucken lassen, auf denen die Besucher Wissenswertes über den Stieglitz erfahren, der auch unter dem Namen Distelfink bekannt ist. Der pensionierte Lehrer widmet sich seiner Arbeit im Nabu mit Leidenschaft. „Das macht mir großen Spaß“, sagt Neumann.

Für die Ausstellung hat er auch zwei präparierte Vögel organisiert. Einen stellte das Senckenberg-Museum zur Verfügung, den anderen hatte ein Präparator auf Ebay angeboten. Weil der Stieglitz ein geschützter Vogel ist, musste der Händler nachweisen, dass es sich nicht um ein illegal gefangenes Tier handelte. „Das Präparat stammt von einem im Käfig aufgewachsenen Vogel“, erklärt Neumann. „Der Stieglitz findet hierzulande immer weniger Plätze, wo er leben kann“, stellt Dieter Neumann fest. Das liege vor allem daran, dass es in Deutschland kaum noch Brachflächen gebe: „Fast überall wird das Land bewirtschaftet oder bebaut.“

So komme es, dass die Population der Distelfinken in Hessen im Zeitraum von 1995 bis 2009 um rund zwei Drittel geschrumpft sei. „2009 gab es weniger als 38 000 Brutpaare. Aktuellere Zahlen liegen mir nicht vor“, erläutert Neumann.

Zusätzlich zu der Ausstellung hat das Nabu-Mitglied Spiel- und Bastelangebote für Kinder vorbereitet, die beim Besuch des Wasserturms zum Beispiel eine Vogelmaske aus Pappe ausschneiden und bemalen können.

Noch sieben Mal wird die Ausstellung in der Turmstube in diesem Jahr geöffnet sein. Werben will der Naturschutzbund damit vor allem für den Naturschutz und für seine Arbeit. Zwar hat die Sodener Ortsgruppe gut 100 Mitglieder. „Das sind aber fast alles Fördermitglieder“, merkt Neumann an. „Nur eine Handvoll Aktiver kümmert sich um die Vereinsarbeit: Und die sind alle im Rentenalter.“ Nachwuchs sei aber schwer zu finden.

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