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Architekt Reichow Romantiker im Nazi-Dienst

Architekt Reichow gilt wegen seiner opportunistischen Haltung während des Dritten Reichs als umstritten.

16.04.2009 00:04

Für seine städtebaulichen Leistungen wurde Hans Bernhard Reichow mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Jedoch ist der 1899 in Pommern Geborene wegen seiner opportunistischen Haltung während des Dritten Reichs nicht unumstritten.

Da er nach der Machtübernahme der Nazis zunehmenden Anfeindungen wegen seiner modernen Architektur ausgesetzt war, trat er 1937 in die NSDAP ein, um seine Karriere im öffentlichen Hochbau fortsetzen zu können. Von 1936 bis 1945 war er Baudirektor in Stettin. In dieser Zeit schuf er das Konzept der organischen Stadtlandschaft, das er bis an sein Lebensende 1974 konsequent weiterentwickelte.

"Biologische Grundhaltung"

Seinem Konzept lagen "Großstadtfeindlichkeit, eine biologische Grundhaltung über das Wesen der Stadt und ihre Entwicklung sowie ein philosophisch-romantisches Denken zu Grunde", schreibt Dieter M. Kunze in einem Aufsatz über seinen ehemaligen Chef. "Er strebte ein städtebauliches Gesamtkunstwerk an, das basierend auf einer romantisierenden Philosophie, den Anspruch auf Welt-Verbesserung erhebt" , skizziert Reichow-Forscherin Sabine Brinitzer.

Kritiker wie Nils Gutschow und Werner Durth verurteilten diese sozialromantischen Vorstellungen und wiesen auf deren verborgenen politischen Gehalt hin. Zitat: "In einprägsamen Skizzen sind die alten Konzepte (Kunze: aus der NS-Zeit) ins neue Gewand der Nachbarschaft gekleidet (...), angeblich zeitlosen Naturgesetzen folgend: folgerichtig im Trend einer restaurativen Politik". (cho)

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