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Amokläufe in Schulen Farben weisen Rettern an Schulen den Weg

Der Main-Taunus-Kreis stattet alle Schulen mit einem Leitsystem aus, damit Polizei- und Rettungskräfte sich im Falle eines Amoklaufes schneller orientieren können.

Schulen im Main-Taunus-Kreis
Farbige Symbole an den Wänden in Schulen helfen Rettungskräften bei der Orientierung. Foto: Rolf Oeser

Als im März 2009 ein 17-jähriger Amokläufer in einer Realschule in Winnenden 15 Menschen und sich selbst erschoss, schrillten auch im Main-Taunus-Kreis die Alarmglocken. Die Frage, wie Polizei und Rettungskräfte sich im Ernstfall in den teils großen und verwinkelten Schulgebäuden zurechtfinden würden, beschäftigte damals Landrat Berthold Gall (CDU) ebenso wie Polizeichef Jürgen Moog. Womöglich waren Schulträger und Polizei im Main-Taunus-Kreis auch besonders sensibilisiert, weil bei einem Amoklauf an der Eppsteiner Freiherr-vom-Stein-Schule bereits 1983 ebenfalls sechs Menschen gestorben waren.

Der Arbeitskreis Sicherheit an Schulen des Main-Taunus-Präventionsrates hat deshalb vor neun Jahren rasch gehandelt und mit Unterstützung von Designer Dejan Pavlovic ein mittlerweile patentiertes Farbleitsystem entwickelt. Es ist in seinen Grundzügen einfach zu verstehen, und es lässt sich auf jede Schule anwenden, egal wie groß sie ist.

Alle 57 Schulen im Main-Taunus-Kreis sind mittlerweile mit dem Farbleitsystem ausgestattet. Als letzte Schule im Landkreis hat seit kurzem auch die Grundschule im Hofheimer Stadtteil Lorsbach eine Orientierungstafel am Eingang, auf der die beiden Schulgebäude farblich gekennzeichnet sind – eines in Rot, das andere in Gelb.

An allen Türen kleben innen und außen entsprechende Farbstreifen mit Raumnummern und Piktogramme, die auf die Funktion hinweisen. An Gebäudewänden sind ebenfalls farbige Hinweise angebracht. Lehrer und Kinder brauchten das Farbleitsystem vermutlich nicht, um sich in dem relativ kleinen Schulgebäude zurechtzufinden, erläutert der Geschäftsführer des Präventionsrates, Jürgen Moog. „Aber für Eltern erleichtert es die Orientierung, und für Rettungskräfte ist es unverzichtbar.“

Wenn Polizei, Feuerwehr oder Rettung zu einem Einsatz in eine Schule gerufen werden, müssen sie jetzt nicht mehr das Sekretariat oder den Hausmeister suchen, um zu fragen, wo sie überhaupt hinsollen. „Wir gucken einfach auf den Übersichtsplan und orientieren uns dann anhand der Farben“, sagt der Leiter der Rettungsdienste, Lars Mackel. So sei es vor kurzem relativ einfach gewesen, einen Klassenraum zu finden, in dem eine Lehrerin ohnmächtig geworden war. „Die Schüler haben selbst die Rettung gerufen“, berichtet Mackel. Der Hinweis „Gebäude A rot, Raum 102“ habe ausgereicht, um schnell vor Ort zu sein. „Selbst ortsunkundige Rettungskräfte finden sich dann in einer Schule sofort zurecht.“

Das simple und sehr effiziente Farbleitsystem verwenden mittlerweile nicht nur alle Schulen im Main-Taunus-Kreis, auch im Kreis Groß-Gerau, in Frankfurt und Wiesbaden hat Designer Dejan Pavlovic schon Schulgebäude damit ausgestattet. Deutschlandweit arbeite er mit 200 Schulen zusammen, sagt er. Auch eine Schweizer Schule verwende das im Main-Taunus-Kreis entwickelte System.

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