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Wohnen im Alter Hanau Leben im Alter selbst bestimmen

Wolfgang Osenbrügge engagiert sich im Verein Zusammen(h)alt seit Jahren für gemeinschaftliches Wohnen. Der Verein hat in Kesselstadt ein Haus gebaut.

02.01.2014 13:07
Anne Lorenc
Eigene Wohnung und Gemeinschaftsräume: Wolfgang Osenbrügge schätz die Mischung aus Nähe und Distanz. Foto: Renate Hoyer

Der Blick nach Süden schweift ins Grüne jenseits des Mains, gen Osten fällt er über das Nachbarhaus hinweg in eine freundliche Wohnstraße. Wolfgang Osenbrügge freut sich an der Aussicht in seiner neuen, barrierefreien Wohnung. Daran, dass er im Juni mit seiner Frau hier einziehen konnte, hat er kräftig mitgearbeitet. Seit 2007 ist der jetzt 72-Jährige eine der treibenden Kräfte im Verein Zusammen(h)alt. Die gemeinnützige Vereinigung hat in Hanau-Kesselstadt ein Projekt für gemeinschaftliches Wohnen im Alter verwirklicht.

Selbstbestimmt handeln

Zufrieden lässt sich Osenbrügge am Esstisch mit der netten Aussicht nieder. Er ist ein Mann, der Herausforderungen nüchtern und zielstrebig angeht. Als sich im Jahr 2005, kurz nach seiner Pensionierung, erste Hüftbeschwerden einstellten, gingen er und seine Frau rational die Frage an, wie lange sie wohl noch in ihrem Reihenhaus an der Burgallee bleiben könnten. Sie wollten selbstbestimmt handeln und nicht das Erstbeste nehmen müssen, wenn es keinen anderen Ausweg mehr gab.

Osenbrügge sah sich frei in seinen Entscheidungen. Es gab nichts für die Kinder zu bewahren: „Sohn und Tochter wohnen in Maintal und Frankfurt, haben eigene Immobilien“, begründet Osenbrügge, warum er für sich und seine Frau das Optimale wählte. Sie suchten eine Lösung, wie sie mit anderen Senioren zusammenwohnen könnten, „ohne sich auf die Nerven zu gehen“. Die Antwort lieferte im Jahr 2007 eine Informationsveranstaltung des städtischen Seniorenbüros über Wohnformen im Alter. Daraus entwickelte sich der gemeinnützige Verein, der das Haus mit zwölf Privatwohnungen und Gemeinschaftsräumen in der Keplerstraße aus dem Boden stampfte.

„Ich war von der ersten Stunde an dabei“, erinnert sich der gebürtige Würzburger, der in Darmstadt Elektrotechnik studiert und bei der ehemaligen Bundesanstalt für Flugsicherung eine Stelle gefunden hatte. Mit 40 Interessenten, deren Zahl sich dann auf zehn reduzierte, gründete er den Verein Zusammen(h)alt und ist bis heute der Schriftführer.

Fit in allen Baufragen

Für Konzeptentwicklung, Vernetzung mit anderen Initiativen, die Suche nach Geldgebern – „Wer gibt schon einem Club alter Leute Geld?“, sagt er – und schließlich die Planung nach den Wünschen der Interessenten und die Bau-Begleitung brachte er beste Voraussetzungen mit. Zuletzt war er Sachgebietsleiter im Höheren Bautechnischen Verwaltungsdienst der Flugsicherung und fit in allen Baufragen.

„Ich habe immer gefragt, wo kann ich etwas tun?“, beschreibt Osenbrügge seine Lebenseinstellung. Das war so, als er mit seiner Familie 1980 von Frankfurt in das Reihenhaus in Kesselstadt zog. Bald engagierte er sich in der Weststadt-Kirchengemeinde, war im Kirchenvorstand, noch heute arbeitet er am „Gemeindeblättchen“ mit. Er sei ein „begeisterter Knipser“, sagt er. Der Fotografie frönt er mit ebenso viel Leidenschaft wie dem Computer.

Mit dem Einzug in die Keplerstraße 1 ist die Vereinsarbeit nicht beendet. Der Vorstand wirbt für das Projekt, in dem noch immer fünf Wohnungen zu vermieten sind. Zudem gilt es, das Zusammenleben zu organisieren. Die Feste, das Blumengießen, die Nutzung des Gäste-Appartements. Und nicht zuletzt ist Nachbarschaft zu pflegen. Mit dem Mehrgenerationenhaus der Martin-Luther-Stiftung nebenan, zum Beispiel. „Wenn da die Cafeteria eröffnet wird, ist das noch einmal ein Pluspunkt.“

Osenbrügge ist rundum zufrieden. Weil er sich für eine Gemeinschaft einsetzt, aber damit zugleich das eigene Leben bestimmt.

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