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Wirtschaft Waechtersbacher-Keramik restlos am Ende

Die letzten 45 Mitarbeiter werden entlassen. Der ehemalige Werksverkauf ist nun ein eigenständiger Outlet-Shop. Die Fertigungsstätte bleiben bis auf Weiteres ohne Auftrag.

12.10.2011 22:39
Jörg Andersson
Die Akte Keramik ist zugeklappt. Die Hallen in Schlierbach bleiben verwaist. Foto: Renate Hoyer

In der ehemaligen Waechtersbacher Keramik bleiben die Brennöfen auf Dauer kalt. Sieben Wochen nachdem der Betrieb in Schlierbach beim Amtsgericht Hanau Zahlungsunfähigkeit angemeldet hat, sind die letzten Hoffnungen auf Anschlussaufträge erloschen. Der vorläufige Insolvenzverwalter Franz-Ludwig Danko, der bereits Ende September 30 Entlassungen ausgesprochen hatte, wird nach Informationen der Frankfurter Rundschau bei einer Betriebsversammlung am heutigen Mittwoch auch den noch verbliebenen 45 Beschäftigten die Kündigung und damit den Weg zum Arbeitsamt eröffnen.

Zweimal hatte Danko versucht, neue Aufträge vom früheren Geschäftsführer Turpin Rosenthal zu erhalten. Zuletzt ruhten die Hoffnungen auf 460.000 Tellern, Tassen und Kannen, die noch als Rohware auf dem Gelände lagern. Deren Veredelung mit Farbglasuren hätte im laufenden Insolvenzbetrieb noch einige Wochen Arbeit gesichert. Doch an der Ausproduktion hat Rosenthal offensichtlich kein Interesse. Ein Notverkauf der Waren schade dem laufenden Geschäftsbetrieb, ließ der 49-Jährige Unternehmer wissen, der große Teile der Waechtersbacher Keramik seiner in Thüringen ansässigen Firma Könitz-Porzellan angegliedert hat, darunter Marken- und Designrechte.

Auch die Immobilien und Produktionsmaschinen sind in eigene Gesellschaften outgesourct worden. Zur nun insolventen Keramischen Fertigungsstätte Brachttal (KFB) zählte am Ende alleine die Belegschaft. Weil diese zuletzt Mieten für die Keramikproduktion nicht mehr bezahlen konnte, ist Rosenthal, der aktuell auch in Thüringen ein Dutzend Mitarbeiter gekündigt hat, Hauptgläubiger und besitzt laut Danko ein Vermieterpfandrecht auf die Rohware und 25000 fertig produzierte Tassen und Becher.

Hallen teils einsturzgefährdet

Die 1834 in Schlierbach eröffnete Keramikmanufaktur, die in besten Zeiten mehrere hundert Beschäftigte zählte, war seit Jahren in der Schieflage. Veraltete Produktionsbedingungen, Absatzrückgänge und Vertriebsprobleme auf dem US-Markt führten den Betrieb 2005, damals noch im Besitz des Ysenburger Fürstenhauses, erstmals in die Insolvenz, ehe sich ein Jahr später in Turpin Rosenthal der vermeintliche Retter fand. Doch auch unter dem Enkel des bekannten Porzellanfabrikgründers lief die Produktion nicht mehr rund. Zuletzt kam es vermehrt zu Spannungen zwischen der auf Lohnverzichte eingeschworenen Belegschaft und der Geschäftsführung, die auf eine flexible Nischenproduktion setzte. Während Rosenthal auch die hohe Ausschussquote bemängelte, beklagten Beschäftigte und Gewerkschaft auch die veralteten Strukturen. Unabhängig von Problemen im Brandschutz sind die überwiegend rund 100 Jahre alten Hallen teilweise einsturzgefährdet und unbeheizt.

Die Gemeinde will nun für das 65.000 Quadratmeter große, als Gewerbepark ausgewiesene Industriegelände eine Veränderungssperre erlassen. Ein Handvoll Arbeitsplätze auf dem Gelände bleiben wohl erhalten. Der ehemalige Werksverkauf ist nun ein eigenständiger Outlet-Shop. Rosenthal hatte zuletzt auch erklärt, „die Marke Waechtersbacher weiter zu vertreiben“.

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