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Wilhelmsbad Mord in der Fernsehprovinz

Das Kurhaus Wilhelmsbad wird wieder zum Schauplatz eines Krimidinners. Klischees gibt es reihenweise, aber auch eine ganz besondere, hintergründige Art, wie das Publikum in Tat und Aufklärung integriert wird.

Illuminiertes Kurhaus Wilhelmsbad. Foto: Rolf Oeser

Fein essen und einen wohligen Thrill genießen. Ganz nah dran sein – aber ohne den Stress, richtig mitmachen zu müssen: Diese Kombination hat das Wilhelmsbader Krimidinner zum Publikumserfolg gemacht. Im kommenden Jahr steht eine neue Inszenierung der populären, 2008 begonnenen Reihe auf dem Programm. Produziert wird sie wieder von dem Hanauer Regisseur Marc Ermisch in Zusammenarbeit mit der Comoedienhaus GmbH, die 10000 Euro beisteuert. Das Catering für das Vier-Gänge-Menü übernimmt „Campus Culinarius“ aus Dreieich.

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Nach der Märchenpersiflage „Sieben Zwerge und ein Todesfall“ und dem im höfischen Milieu des späten 18. Jahrhunderts spielenden „Wilhelmsbader Leichenschmaus“ geht es dieses Mal um ein Gewaltverbrechen in der Showbranche: „Mord zur besten Sendezeit“ heißt das neue Stück, das den noblen Arkadensaal der Kuranlage Wilhelmsbad zum Schauplatz einer Fernsehaufzeichnung werden lässt.

Fieser Schmierlappen

Vorgesehen sind zum Auftakt vier Termine: am 18. und 19. sowie am 25. und 26. Januar. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr, die Aufführung inklusive Essen dauert rund dreieinhalb Stunden.

Auch die Zuschauer im Saal haben dabei ihre Rolle: als Publikum einer volkstümlichen Schlagersendung. Wilhelmsbad diene in diesem Szenario als Kulisse einer Live-Schalte in die Provinz, so Ermisch: „Ein Ort, wo man meist drittklassige Sänger um Säulen wandeln sieht.“ Doch dieses Mal geht gleich am Anfang alles schief: Das gecastete Publikum erscheint nicht, deshalb muss mit Hanauern aufgefüllt werden. Die Technik-Ausrüstung ist nur zur Hälfte angekommen, die großen Namen treten in der Hauptsendung auf, für Wilhelmsbad bleibt nur die zweite Garde.

Zu dieser gehört auch Moderator Hardy Varell, ein fieser Schmierlappen, der schon bessere Zeiten gesehen hat, bevor ein Skandal seine Karriere ausbremste und er nun durch die Provinz tingeln muss. Detlev Nyga, bekannt von früheren Inszenierungen Ermischs und den Märchenfestspielen, wird dem abgehalfterten Star Gestalt verleihen. Neben ihm agieren Rüdiger Schade als Schlagerbarde – „Ich spiele mich selbst“, sagt der Hanauer Sänger ironisch –, Sabine Koch als Chansonnière und Michel Senzig als Tenor. Natalie Raggi spielt die Aufnahmeleiterin, Ulrich Strempel den Kameramann.

Mord und Rotkohl

„Das Stück lebt davon, dass die Zuschauer erleben, was hinter den Kulissen passiert. Sobald das rote Licht aus ist, sehen sie die Realität hinter der Kamera“, sagt Ermisch, der das Textbuch selbst geschrieben hat. Besonders zynisch: Der Mord wird nicht vertuscht, sondern ins Programm gehievt, um den Fernsehknaller des Jahres zu landen. Als „bösartig, ironisch, komisch und nicht flach“ charakterisiert er seine Geschichte – die gleichwohl von vielen Klischees lebt.

Zwischen Intrigen, Mord und Sangeskunst wird das Essen serviert: Es gibt Feldsalat, Vanille-Steckrüben-Suppen, Entenkeule mit Rotkohl und Klößen und zum Nachtisch Birne Helene.

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