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Turngemeinde TGH nimmt Kredit auf

Die Turngemeinde Hanau (TGH) muss den Gürtel enger schnallen. Der Vorstand rechnet mit Verlusten von 265.000 Euro. Kritik gibt es während der Versammlung am Umgang mit Ex-Vorständen.

Volles Haus bei der Delegiertenversammlung der TGH in der Karl-Rehbein-Schule. Foto: Rolf Oeser

Ein Kredit von 250000 Euro, die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge von bis zu 20 Prozent und der Abschied vom Profisport. Das sind drei der Ergebnisse, mit denen am Mittwochabend die dreistündige außerordentliche Delegiertenversammlung der Turngemeinde Hanau (TGH) in der Mensa der Karl-Rehbein-Schule endete. Zudem wählten die Delegierten bei nur zwei Enthaltungen Rüdiger Arlt zum neuen Präsidenten der TGH sowie Achim Kipper und Achim Toscani zu Vizepräsidenten. Der Andrang war groß, laut Verein kamen 109 der 115 Delegierten sowie 18 der 24 Abteilungsleiter. Zudem drängten sich viele Mitglieder auf der Empore.

Mittelpunkt des ruhig verlaufenden Abends waren die Ausführungen von Knut Witt zur schwierigen finanziellen Situation und das Sanierungskonzept des Vorstands. Viel war darüber spekuliert worden, wie hoch die Verluste des mit rund 3700 Mitgliedern größten Sportvereins des Main-Kinzig-Kreises sind. Die Antwort am Mittwoch: Silvester 2012 betrugen sie 81000 Euro. Mit schon bekannten und erwarteten Nachzahlungen kommt Witt auf rund 265000 Euro (siehe Infobox).

Gründe für dieses tiefe Loch eines Vereins mit einem Haushaltsvolumen von etwa 800000 Euro sind nach Vereinsangaben „unzureichende Buchhaltung in den letzten Jahren und unkontrollierte Ausgaben“. Noch 2009 hatte der Verein nach Angaben von Arlt Rücklagen von 100000 Euro.

Die Verluste der 1. Herrenmannschaft der TGH-Basketballer (White Wings) betrugen laut Witt zusammen rund 270000 Euro. Dass diese Summe fast identisch mit den Verbindlichkeiten des Vereins sei, sei aber „reiner Zufall“, sagte Arlt, die Verluste der Basketballer seien über drei Jahre zusammengekommen. Dennoch müsse der Verein kein Darlehen von 250000 Euro zur Tilgung der Schulden aufnehmen, sagte Arlt, wenn die White Wings alle ihre Verluste übernehmen würden.

Tatsächlich gibt es eine Gruppe um den ehemaligen TGH-Finanzvorstand und ehrenamtlichen White-Wings-Manager Jens Gottwald, die die Lizenz der TGH für die Profiliga ProB kaufen will. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau beträgt ihr Angebot 100000 Euro, die Verhandlungen darüber laufen.

Gottwald selbst konnte, ebenso wie der im November zurückgetretene Ex-Präsident Robert Oestreich, nicht an der internen Versammlung teilnehmen – sie hatten den Verein verlassen. Karsten Baumann, ebenfalls aus dem Vorstand zurückgetreten, aber noch im Verein, kritisierte das. Der aktuelle Vorstand habe „die andere Seite“ nicht gehört: „Die Leute, die hier an den Pranger gestellt werden, dürfen nicht hier sein.“

Arlt wies darauf hin, dass er und Witt „bewusst keine Namen genannt haben“: „Es geht nicht um persönliche Angriffe, sondern um Fakten.“ Folgerichtig beantwortete der Präsident die Frage eines Delegierten, was mit denjenigen, „die mit Vorsatz Bilanzen gefälscht haben“, passieren werde, so: Es sei „nicht okay, was passiert ist, aber wir müssen daraus lernen“. Es sei nicht sinnvoll, Ehrenamtliche juristisch zu verfolgen, die sich „nicht persönlich bereichert haben“. Gegenüber der FR sagte Arlt zudem, bei den White Wings hätten „Leute aus Überzeugung gehandelt, aber handwerklich nicht alles richtig gemacht“.

Bei sieben Gegenstimmen wurde nach kurzer Diskussion der Antrag des Vorstands angenommen, die Mitgliedsbeiträge zu erhöhen. Erwachsene zahlen zwei Euro pro Monat mehr, Kinder einen Euro und Familien vier Euro. Den Vorschlag einer Delegierten, die Erhöhung zu verschieben, bis der Vorstand einen Wirtschaftsplan für 2013 vorlegen könne, wies Arlt zurück.

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