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Skin-Fish Pediküre in der Grauzone

Im zwangsgeschlossenen Laden „Skin-Fish“ knabbern weiter Fische an Füßen. Der Pächter nutzt eine Grauzone: Er hat den Laden in einen Verein umgewandelt.

22.06.2012 22:34
Christoph Süß
Vereinsmitglieder lassen ihre Füße noch behandeln. Foto: Sascha Rheker

Was einst als Geschäftsidee begann, entwickelt sich immer mehr zum Versteckspiel. Den Laden „Skin-Fish“ in der Langstraße 34 gibt es seit fünf Monaten nicht mehr; dennoch tummeln sich in den Becken weiter Fische und sorgen für „knabberzarte Füße“. Der Pächter nutze dabei laut dem Kreis eine Grauzone: Er hat den Laden in einen Verein umgewandelt. Mit seiner Namensgebung ruft er nun auch die Aquaristiker auf den Plan ruft.

„Das widerspricht allem, was wir unter Tierschutz verstehen“, sagt der Vorsitzende der Hanauer Aquarien- und Terrarienfreunde, Hans-Georg Schulten. Über 100 Jahre ist der Verein alt und er weist jeglichen Bezug zu den „Aquarienfreunden Hanau“ zurück. Auf einer Versammlung wollte der Verein gar über rechtliche Schritte nachdenken.

Das Veterinäramt des Kreises stimmt sich bereits mit dem Rechtsamt ab. Seit Ende April wartet die Behörde laut Pressesprecher Lennart Meyer auf eine Antwort aus Hanau. Damals habe sie den Verein angeschrieben, als dieser nach der Zwangsschließung weitermachte. Der Kreis habe den Verein aufgefordert, ihm seine Satzung zu schicken.

In Hanau ist weder beim Amtsgericht noch bei der Stadt etwas über einen neu gegründeten Verein mit dem Namen „Aquarienfreunde Hanau“ bekannt. Der Mann, der das Ladenlokal noch bis Ende des Jahres gemietet hat, will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen und über den Vorstand des Vereins keine Angaben machen.

Auf dem Vordach des Ladenlokals prangt noch das Logo von „Skin-Fish“. Im Innenraum weist ein Schild die Räume als Vereinsheim aus. Dieses hat laut Türaushang derzeit jeden Nachmittag geöffnet. Bei einem Vor-Ort-Besuch des Kreises im April war der Laden geschlossen gewesen, seitdem korrespondiert das Amt per Post mit dem Pächter.

„Das ist nicht einfach für uns“, sagt Pressesprecher Meyer. Er geht davon aus, dass für die Haltung von Vereinsfischen die gleichen Maßstäbe in Sachen Tierschutz gelten wie für ein kommerzielles Angebot. Auch die Übertragung von Krankheiten müsse ausgeschlossen sein. Die Fische in den Aquarien sind noch die selben wie im Januar.

Der Kreis hatte dem Pächter und seiner Lebensgefährtin drei Tage nach der Eröffnung des Ladens die Hautbehandlung mit lebenden Fischen verboten. Kurz zuvor hatte das hessische Umweltministerium einen entsprechenden Erlass herausgegeben. Die Kreisbehörde hatte dem Betreiber im Vorfeld gesagt, dass eine solche Regelung geplant ist.

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