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Prozess in Hanau Prozess wegen Gesichtsverstümmelung startet

Unfassbarer Gewaltexzess: Der mutmaßliche Täter entstellt das Gesicht seines Opfers mit Messern und einem Kugelschreiber.

15.05.2017 09:10
Prozess um Gesichtsverstümmelung in Hanau
Der Angeklagte soll dem Opfer lebensgefährliche Verletzungen sowie Verstümmelungen zugefügt haben. Foto: dpa

Die grausame Gesichtsverstümmelung, die heute ab 9.30 Uhr am Landgericht Hanau verhandelt wird, erstaunt selbst langjährige Experten. „Von solch einem Fall habe ich noch nicht gehört. Das sind schon archaische Methoden“, beurteilt der Wiesbadener Kriminalpsychologe Rudolf Egg. „Dass dem Opfer die Ohren abgebissen werden, wie von einem wilden Tier, wirkt fast animalisch - ein ungewöhnlicher Fall“.

Die Aufsehen erregende Tat aus dem Oktober 2016 in Schlüchtern im Main-Kinzig-Kreis sei „keinesfalls eine normale Schlägerei“ gewesen. „Wenn man sein Opfer verletzten möchte, muss man nicht solche Dinge tun.“

Verantworten muss sich der damals 19-Jährige nun wegen versuchten Mordes. Als Mordmerkmale wurden Grausamkeit und Heimtücke genannt. Weitere Anklagepunkte sind schwere und gefährliche Körperverletzung. Im Prozess hat der Angeklagte zum Auftakt vor dem Landgericht Hanau geschwiegen. Der heute 20-Jährige wolle keine Angaben zu den Vorwürfen machen, sagte sein Anwalt.  

Ging es um 50 Euro Schulden?

Laut Gericht soll der Angeklagte das Opfer in seiner Wohnung in Schlüchtern besucht haben, um eine Geldschuld von 50 Euro einzufordern. Dabei stach er dem 18-Jährigen mit zwei Messern in den Hals. Dann biss er ihm laut Anklage beide Ohrmuscheln ab, schnitt ihm mit einem Messer beide Augenlider ab und stach mit einem Kugelschreiber in beide Augäpfel. Mediziner konnten zwar das Leben des Geschädigte retten, er verlor aber sein Augenlicht.

Die Ermittler konnten bislang nicht ergründen, wieso die Situation in der Wohnung zu einem Gewaltexzess ausartete. Kriminalpsychologe Egg vermutet, dass es um mehr als Geld gegangen sein muss. „Womöglich hat Eifersucht eine Rolle gespielt. Denn der Täter wollte sein Opfer nicht nur verletzten, sondern entstellen. Er wollte, dass es danach hässlich und geschändet aussieht.“ Solch eine Motivation gebe es auch, wenn Täter ihren Opfern ätzende Säure ins Gesicht kippen.

„Projektionsfläche für Gewaltfantasien des Täters“

Der Direktor der Kriminologischen Zentralstelle, Martin Rettenberger, sagte in Wiesbaden: „Ein rationales Nachvollziehen dieses Gewaltexzess ist nicht möglich.“ Auch er ist der Meinung, dass die Geldforderung dieses „extreme Ausmaß“ an Brutalität nicht erklären könne. Dieser Gewaltausbruch habe jedes erwartbare Maß überstiegen. „Das Opfer wurde zu einer Projektionsfläche für die Gewaltfantasien des Täters.“ Möglicherweise verberge sich eine intensive Kränkungsgeschichte hinter dem Fall. Alkohol und/oder Drogen könnten auch eine Rolle gespielt haben und den mutmaßlichen Täter enthemmt haben. „Aber das war nicht der entscheidende Faktor.“

Rettenberger vermutet, dass das Gericht die Schuldfähigkeit des Angeklagten prüfen werde. „Möglicherweise steht eine schwere psychische Erkrankung im Zusammenhang mit der Tat.“ Der Angeklagte könne sich in einem „wahnhaften Zustand“ befunden haben.

Erlöst wurde das Opfer von seiner Qual dank einer Nachbarin. Eine Anwohnerin hörte die Schreie bei dem Kampf in der Wohnung und alarmierte die Polizei. Die Beamten brachen die Tür auf und fanden die beiden Kontrahenten in einer Blutlache auf dem Boden liegend vor.

Der Angeklagte soll 2013 als unbegleiteter minderjähiger Flüchtling nach Deutschland gekommen sein und den Geschädigten, ebenfalls ein minderjähriger Flüchtling, in einer Jugendhilfeeinrichtung kennengelernt haben, wie das Gericht erklärte. (dpa)

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