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Porträt Herr der Strichmännchen

Michael Heinz Rautenberg alias Rautie macht selbst so Sprödes wie die Abgeltungssteuer zum Comic. FR-Mitarbeiterin Mareike Geringswald hat er von den Hürden auf dem Weg zum Traumberuf erzählt.

20.07.2010 15:48
Mareike Geringswald
Der Hanauer Comiczeichner Michael Rautenberg ist schon vielfach ausgezeichnet worden, unter anderem für den besten Independent Comic. Foto: Monika Müller

"Vielleicht bleibt man als Comic-Zeichner immer ein bisschen kindisch", sagt "Rautie" lachend. Michael Heinz Rautenberg (42) heißt der gebürtige Hanauer und Comic-Zeichner im richtigen Leben. Seinen Spitz- und Künstlernamen erhielt er auf ungewöhnliche Weise: "Ich habe immer zu wild Pogo getanzt, da haben mich meine Freunde Raudie genannt. Ich habe dann Rautie daraus gemacht."

Viele selbstgemalte Bilder zieren die Wände seiner Wohnung - wohl auch, um ein bisschen vom "künstlerischen Chaos" am Arbeitsplatz abzulenken. Unzählige Skizzenblätter liegen auf dem Durchleucht-Tisch und im gesamten Zimmer. Reifen türmen sich in seinem Außenatelier.

Comics zeichnen wollte er schon mit zehn Jahren. "Ich bin eines Tages aufgewacht und wollte das machen. Meine Eltern waren nicht sehr begeistert. Aber da ich keine E-Gitarre spielen konnte, musste ich etwas anderes finden, um zu posen." Mönch wollte er auch mal werden, eine Ausbildung zum Automechaniker brach er ab. Stattdessen lernte er Werbekaufmann in einer Hanauer Agentur: "Hauptsächlich, weil ich grafisch arbeiten und die Techniken lernen wollte".

Der Weg zum Wunschberuf war steinig

Viele Hürden lagen auf dem Weg zu seinem Wunschberuf. "Schulen gab es für diese Berufsgruppe früher nicht. Ich musste meinen eigenen Weg finden." Neben einzelnen Seminaren war vor allem Selbststudium angesagt. Mit Jobs in Werbeagenturen verdiente er etwas Geld. "Mit Freunden habe ich dann einen Comic-Verlag gegründet, aber wir gingen pleite. Auch wenn ich mal auf die Nase gefallen bin, habe ich immer wieder weitergemacht."

Heute ist "Rautie" nicht nur in Hanau, sondern auch in der Region bekannt. Nicht allein Comics, sondern auch Illustrationen und Trickfilme fließen aus seiner Feder. Für Kunden entwirft er Logos und Leitfiguren. Charakteristisch für seine Zeichnungen sind markante Strichmenschen. "Im Gegensatz zu anderen male ich keine Knollnasen oder Kulleraugen."

Der kleine Verlag Edition Panel bringt "Rauties" Werke heraus. Für sein Debütwerk "Heinz und Pfifie: Nanu-Ragout aus Dosen!" erhielt der Zeichner auf dem Internationalen Comic-Salon in Erlangen des Preis für den "Besten Independent Comic 2000".

Drei neue Bücher mit Comic-Strips sind jetzt erschienen. Zusammen mit dem Texter Raul Kauke schrieb und zeichnete er "Willy the Kid" mit Themen rund um Teenager-Probleme. "Coco Fisch" hingegen ist eher etwas für den makabren Humor: Ein lebensbejahender Goldfisch lebt zusammen mit einem selbstmordgefährdeten Jugendlichen. Für Kinder ab sechs Jahren ist das Büchlein "Rappelrübe", eine Kinder- und Familiengeschichte.

Falsche Erwartungen

Eine feste Zielgruppe hat "Rautie" nicht. Das gilt auch für seine Kreativ-Workshops. "Natürlich fühlen sich Kinder und Jugendliche eher von Comics angesprochen. Aber erstmal mache ich das für mich. Oft kommen die Leute mit falschen Erwartungen", sagt er. "Ein Comic beginnt erst mit dem zweiten Bild, eigentlich geht es ums Erzählen."

Oft arbeitet er, wie etwa bei dem "Wall Art"-Projekt des Hanauer Jugendbildungswerks, mit Jugendlichen: "Sie sind unkompliziert, wir liegen oft auf einer Wellenlänge." Erwachsene und Senioren kämen gar nicht in seine Kurse. "Sie haben wohl andere Interessen. Ich habe zwar noch nie mit dieser Personengruppe gearbeitet, aber ich denke schon, dass ich gewisse Berührungsängste hätte".

Außer dem Independent-Preis gewann er den zweiten Platz bei einem europäischen Comic-Wettbewerb. Zum Thema "Staatsbürgerschaft in der EU" malte er einen "Comic ohne Worte". Aber auch vor scheinbar trockenen Themen schreckt er nicht zurück: Zusammen mit Raul Kauke gewann er den ersten Platz bei einem Wettbewerb zum Thema "Abgeltungssteuer".

Mit seiner Frau, den zwei Söhnen und seiner Katze ist er bis heute dem Wohnort in der Hanauer Innenstadt treugeblieben. Zwei große Wünsche für die Zukunft gibt es noch: "Ich möchte möglichst viele Alben herausbringen. Vor allem wünsche ich mir aber, von meinen Zeichnungen besser leben zu können und nicht so stark auf Arbeiten in der Werbe-Agentur angewiesen zu sein."

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