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Neue Museumsdirektorin Bechler Hausherrin im Märchenschloss

Die neue Museumsdirektorin Katharina Bechler will sich von den finanziellen Zwängen der Stadt nicht beirren lassen und arbeitet an einem überfälligen Gesamtkonzept für Schloss Philippsruhe. Sie hofft auf mehr Geld von privaten Förderern.

Katharina Bechler schätzt den Maler Reinhold Ewald. Foto: Rolf Oeser

Die Hanauer Kunstgeschichte hat viel zu bieten, findet die neue Museumsdirektorin Katharina Bechler: die großen niederländischen Stilllebenmaler, die Hanauer Fayencen, die Zeichenakademie als Sprungbrett für manche große Karriere, als herausragende Einzelkünstler August Gaul, Wilhelm Wagenfeld, Friedrich Bury, Reinhold Ewald oder auch Ludwig Emil Grimm, den Malerbruder von Jacob und Wilhelm. Und natürlich das barocke Schmuckstück Philippsruhe, „die größte erhaltene Schlossanlage im Rhein-Main-Gebiet“.

Allein: Insbesondere jenseits der Stadtgrenzen, aber auch vielen Hanauer Bürgern, ist das weder in seinem Umfang noch in seiner Bedeutung bekannt, sagt Katharina Bechler. Deshalb gelte es, „diese Identität herzustellen“ und „nach außen zu tragen“.

Am 15. Oktober 2012 hat die promovierte Kunsthistorikerin, die in der Nähe von Ulm geboren ist und zuletzt in Ravensburg gearbeitet hat, ihr Amt als Museumsdirektorin in Hanau angetreten. Sie übernimmt die anspruchsvolle Aufgabe in schwieriger Zeit: Die Stadt wird den kommunalen Schutzschirm des Landes in Anspruch nehmen und muss auf Jahre kräftig sparen – auch bei der Kultur. Bereits gestrichen wurde deshalb im November das geplante Brüder-Grimm-Kulturzentrum.

Ein Museumskonzept für Schloss Philippsruhe ist gleichwohl überfällig und der Nordflügel als Lagerfläche in einem erschreckenden Nachkriegszustand. Das Haus und die museale Präsentation neu zu strukturieren, sollte eigentlich die große Aufgabe von Katharina Bechler werden. Doch mit den neuen Sparzwängen ist ungewiss, wann und in welchem Ausmaß eine Neukonzeption verwirklicht werden kann. Katharina Bechler mag sich davon „nicht beeindrucken lassen“, und will bis Herbst zunächst ein grobes Konzept vorlegen, das im Laufe des nächsten Jahres detailliert ausgearbeitet – und dann schrittweise umgesetzt werden soll. Dabei hofft sie nicht nur auf städtische Mittel, sondern auch auf Geld privater Förderer.

Inhaltlich schwebt ihr vor, die Dauerausstellungen zur Stadt- historie und zur Hanauer Kunstgeschichte „stärker nach Themen zu ordnen“. Jenseits der musealen Präsentation sollen Schloss und Park zudem stärker und ganzjährig unter dem Aspekt „Märchen“ bespielt werden. „Ich könnte mir Stegreiftheater im Park vorstellen oder pädagogische Angebote, bei denen Kinder zum Beispiel Kronen basteln“, malt sich die 47-Jährige aus und gerät dabei über ihren neuen Arbeitsplatz regelrecht ins Schwärmen.

Im barocken Prachtbau führt die Brüder-Grimm-Abteilung indes in einem seitlichen Trakt bislang eher ein Schattendasein – dabei drängt ihre Aufwertung nach dem Aus für das Kulturzentrum besonders. Langfristig soll das Thema Grimms als Teil eines neuen Gesamtkonzepts prominenter platziert werden. Für den Übergang lässt Bechler die bestehende Abteilung jetzt erst einmal schöner gestalten, dabei will sie insbesondere den ebenfalls in Hanau geborenen Maler Ludwig Emil Grimm stärker den Fokus rücken.

Auch die Wechselausstellungen in der Schlossgalerie sollen dazu beitragen, ein eigenes Profil der „Hanauer Kunst im nationalen und internationalen Kontext“ zu bilden. Die erste große Schau nach den Sommerferien widmet sich Friedrich Bury, dem in Hanau geborenen Porträtmaler und Goethefreund: „Er passt ideal ins Konzept“, sagt Katharina Bechler.

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