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Nager-Population Friedensvertrag für Feldhamster

Main-Kinzig Schutzprogramm verspricht Hilfe für gefährdete Nager.

22.02.2012 07:02
Christian Engel

Schon seit 2007 bemüht sich die Landesregierung, Feldhamster vor dem Aussterben zu bewahren. Fünf Jahre später zeigt sich, dass sich die Anstrengungen im Main-Kinzig-Kreis lohnen. „Die Zahl der Hamster ist seit 2007 weit weniger stark zurück gegangen“, sagt Diplom-Geograph Matthias Gall, dessen Büro für Freiraumplanung das Schutzprogramm betreut. In keinem anderen Kreis gebe es in so vielen Gebieten Feldhamster wie im Main-Kinzig-Kreis.

Schlüssel zum Erfolg sind sogenannte Naturschutzverträge. Sie sollen die Ernährung der Hamster sichern. Mit der Unterzeichnung verpflichten sich Landwirte dazu, Teile ihres Getreides stehen zu lassen, sogenannte Hamsterstreifen. Im Gegenzug erhalten sie vom Land Hessen eine Ausgleichszahlung. Für einen zwei Meter breiten Hamsterstreifen auf einem ein Hektar großen Grundstück sind es 220 Euro.

Prämien für erlegte Hamster

Noch in den 1960er Jahren wäre das undenkbar gewesen. Damals schrieben hessische Landwirte Prämien für erlegte Feldhamster aus. Die kleinen Nagetiere waren so stark verbreitet, dass sie die Ernte der Bauern aufzufressen drohten. Heute kaum mehr vorstellbar, denn seit 30 Jahren sind Hamster in fast ganz Europa vom Aussterben bedroht.

Das Dilemma der Feldhamster ist auf technischen Fortschritt zurückzuführen. Nicht nur, dass heutige Mähdrescher so gründlich ernten, dass kaum noch Getreide übrig bleibt. Die abgeernteten Felder werden auch noch von sogenannten Grubbern umgewendet. Mit dem Verfahren soll verhindert werden, dass Getreidereste aus dem vorigen Jahr in das neue Saatgut wachsen. Gut für die Landwirte, aber schlecht für die Nagetiere, die weniger Vorräte finden.

Noch schwerer ist es jedoch für die Nager auf den Äckern Deckung vor ihren natürlichen Feinden zu finden. Da die Bauern immer größere Felder bearbeiten, sind auch die Fluchtwege zu den rettenden Feldrändern länger geworden. Deshalb sind die possierlichen Tierchen oft Mäuse-Bussarden und Füchsen schutzlos ausgeliefert.

Die Naturschutzverträge stoßen nach Angaben des Gelnhäuser Umweltamts auf große Resonanz bei den Landwirten. Seit 2007 ist die Zahl der Vertragsabschlüsse im Main-Kinzig-Kreis kontinuierlich gestiegen. 2011 waren es 15 Bauern, die 120 Hektar Ackerflächen mit Hamsterstreifen versahen. Das waren die bisher meisten Vertragsabschlüsse, für die die Landwirte insgesamt 22000 Euro erhielten. Die meisten Landwirte stünden dem Schutzprogramm positiv gegenüber, sagt Rechtsanwalt Rainer Seimetz vom Hessischen Bauernverband. „Die Landwirte haben ihren Frieden mit den Feldhamstern geschlossen.“

Langgöns ist Hamsterhochburg

Dennoch ist es für eine Entwarnung zu früh. Ein Hauptproblem ist, dass niemand genau weiß, wo und wie viele Hamster unter den Äckern leben. Tausende Hektar Acker im Main-Kinzig-Kreis können nur stichprobenartig auf Hamsterbauten geprüft werden. Deshalb ist nicht immer klar, ob die Hilfe die Nager auch erreicht.

Martin Wenisch zeigt, wie es im Idealfall gehen könnte. Der Diplom-Biologe ist für die Feldhamster in Langgöns im Landkreis Gießen zuständig – die Gemeinde mit der höchsten Hamsterpopulation in ganz Hessen. Pro Hektar gibt es hier sechs bis sieben Hamsterbauten, während in Hessen in den meisten Kommunen der Durchschnitt bei einem Bau pro Hektar liegt. Wenischs Erfolg ist kein Zufall. Er hat die Äcker in Langgöns umfassend erforscht. Nun weiß er, wo die Hamster ihre Höhlen haben und verhandelt zur Not mit mehreren Bauern über Freistreifen.

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