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Mordfall in Hanau Streit um Erbe mögliches Motiv

Im Hanauer Mordfall, bei dem ein Mann durch die Haustür erschossen wurde, soll es um 40.000 Euro gegangen sein. Der Streit um ein Erbe gilt als mögliches Motiv.

Blaulicht: Polizei im Einsatz. Foto: dpa

In dem Mordfall, bei dem vor knapp drei Jahren ein Familienvater in Hanau nachts durch die geschlossene Haustür mit mehreren Schüssen getötet worden war, scheint sich ein Motiv abzuzeichnen. Anfang Mai hatte die Polizei in Österreich den 52 Jahre alten Lutz H. als Tatverdächtigen festgenommen. Er war mit dem Opfer verschwägert. Laut Angaben der österreichischen „Kleinen Zeitung“ von gestern hat H. möglicherweise im Streit um ein Erbe den 53-Jährigen getötet. Die Polizei schloss zunächst wegen der brutalen und professionellen Vorgehensweise einen Auftragsmord nicht aus, was sich aber schon bald nicht erhärten ließ. Schnell galt als gesichert, dass das Opfer Jürgen V., Inhaber einer Spedition, keine Feinde hatte. Auch das Motiv blieb ungeklärt. Der Getötete hinterlässt Frau und vier Kinder.

Stattdessen war schon bald Lutz H. ins Visier der Ermittler geraten, allerdings soll die Beweislage gegen ihn für eine Festnahme und Anklage vor Gericht nicht ausgereicht haben. H. soll damals entsprechend einem Zeit-Wegdiagramm rund 25 Auto-Minuten vom Tatort entfernt gewohnt haben. Dem Vernehmen nach soll H. am Tatabend zu Hause auf die beiden Kinder seiner Freundin aufgepasst haben.

Die Staatsanwaltschaft Hanau schloss die Akte nicht. 2014 wurden über den Rechtshilfeweg bei der österreichischen Bundespolizei um eine verdeckte Sonderermittlung ersucht. Lutz H. war schon bald nach der Tat mit seiner 30 Jahre alten Lebensgefährtin aus dem Hanauer Raum nach Gmünd in Kärnten gezogen, wo die Familie des mutmaßlichen Täters ein Haus besitzt, das er geerbt haben soll. Der Umzug im Herbst 2013 ergab sich wohl auch daraus, dass das Haus in Hanau nach einem Brand unbewohnbar geworden war.

Staatsanwaltschaft schweigt

Wie die „Kleine Zeitung“ berichtet, soll ein Erbschaftsstreit Auslöser für die Tat gewesen sein. H. sei von seiner Schwester, der Frau des Opfers, angeklagt worden, weil er ihr 40 000 Euro aus dem Erbe der Mutter schulde. Mutmaßlich hatte H. in diesem Rechtsstreit seinen Schwager als Antreiber gesehen Die Verhandlung sei für den 12. September 2013 in Hanau angesetzt gewesen, fünf Tage zuvor kam es kurz vor Mitternacht zu dem Mord in der Gallienstraße. Der Gerichtstermin sei zuvor schon abgesagt worden. Unbekannt ist, ob H. davon wusste. Ein Redakteur der „Kleinen Zeitung“ sagte auf Anfrage der Frankfurter Rundschau, dass die Informationen über das Motiv aus Polizeikreisen stammten und als gesichert gelten.

Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hanau, wollte sich zu dem mutmaßlichen Motiv nicht äußern. „Bevor H. nicht nach Deutschland überstellt worden ist, können wir hierzu keine Erklärung abgeben“, sagt er. Zurzeit sitzt Lutz H. in Auslieferungshaft, wann er nach Hanau gebracht wird, ist offen. Er soll seiner Auslieferung nicht zugestimmt haben.

Über die Arbeit der Spezialeinheit des Landeskriminalamtes Kärnten ist nur wenig zu erfahren. Die Ermittler waren offenbar unter anderem auf der Suche nach der Tatwaffe. Die verdeckt agierenden Polizisten fädelten einen Scheinwaffenkauf ein. Der Tatverdächtigte bot hierbei dem vermeintlichen Käufer die Schusswaffe aus dem Mord in Hanau an.

Bei seiner Verhaftung seien im Haus von H. „zahlreiche Waffen sichergestellt worden“, heißt es in der „Kleinen Zeitung“, die als größte regionale Tageszeitung in Österreich gilt. Dass H. dem Ermittler just die Mordwaffe verkaufen wollte, lasse sich vielleicht damit erklären, dass die als Dunkelmänner getarnten Polizisten nach einer Waffe mit Geschichte fragten, um so für Verwirrung bei einer angeblichen Tat zu sorgen.

H. soll nicht nur genehmigte Schusswaffen in seinem Besitz gehabt haben. Für eine Jagd- und Faustfeuerwaffe soll er keine Genehmigung besessen haben. Beide Waffen soll er bei seinem Nachbarn versteckt haben. Laut „Kleine Zeitung“ besitzt Lutz H. in Hanau eine Jagdpacht, zudem wird er in der Zeitung als „leidenschaftlicher Großwildjäger“ beschrieben.

Der 52-Jährige soll aus einer wohlhabenden deutschen Unternehmerfamilie stammen. Er soll in früheren Jahren in Innsbruck Medizin studiert haben. Allerdings sei ihm der Doktortitel schon bald wieder entzogen worden, weil er ihn unter falschen Vorgaben gemacht hatte. Lutz H. hatte sich mit dem Zeugnis seines Bruders an der Universität eingeschrieben. Über den letzten Beruf von H. gibt es nur vage Informationen, mutmaßlich soll er in der Pharmabranche tätig sein. Als gesichert soll hingegen gelten, dass er nach wie vor Mitglied einer schlagenden Verbindung in Innsbruck ist, welcher, ist wiederum nicht bekannt.

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