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Maintal Zuflucht nach Trauma

Mustafa Abdi Ali aus Somalia fühlt sich endlich sicher.

Mustafa Abdi Ali kann in der Obhut der Kirchengemeinde wieder lächeln. Foto: Monika Müller

Ein Bett, ein Tisch, zwei, drei Stühle, ein Sessel, ein Fernseher, ein paar Habseligkeiten. Alles in einem großen aufgeräumten Raum im Untergeschoss des evangelischen Gemeindezentrums in der Bischofsheimer Rhönstraße. Seit dem 5. Juni hat Mustafa Abdi Ali aus Somalia hier Kirchenasyl. Ihm drohte die Abschiebung nach der Dublin-III-Regelung, nach der Flüchtlinge in das Land zurückgeschickt werden, wo sie erstmals europäischen Boden betreten haben. Das wäre in seinem wie in vielen anderen Fällen Italien.

Alle Petitionen waren gescheitert, die an den Bundestag sei an den Landtag zurückverwiesen worden, doch der verweigere die Annahme, berichtet Pfarrer Jens Heller kopfschüttelnd. Im April 2012 begann die Odyssee des 30-jährigen Mustafa, 2012 gelangte er in einem acht Meter langen und anderthalb Meter breiten Boot mit 122 Leidensgenossen von der nordafrikanischen Küste nach Lampedusa. „Ein weiteres Boot brach auseinander, Menschen starben. Zum Glück hat uns die italienische Küstenwache gerettet“, berichtet er von dem Schreckenserlebnis.

Krank an Körper und Seele

Doch im überforderten Italien warteten Hunger, Obdachlosigkeit, fehlende Gesundheitsversorgung. Mustafa magerte ab, wurde krank an Körper und Seele. Mehrfach wurde er überfallen. Im November 2013 kam er in der zentralen Aufnahmestelle Gießen an. Dann in Maintal. Der Afrikaner war akut suizidgefährdet, berichtet Pfarrer Jens Heller, sein Trauma wurde psychologisch behandelt.

Doch kein Gedanke mehr an Selbsttötung. Inzwischen wirkt er entspannt, zur Ruhe gekommen, ausgeglichen. Gemeindemitglieder kümmern sich um ihn, ebenso Helfer des Arbeitskreises Asyl, er isst gemeinsam mit den Kindergartenkindern von nebenan, „die ihn enorm spannend“ finden, wie Heller berichtet. Er redet mit den Kindern, spielt manchmal am Klavier des Gemeindezentrums und Tischtennis. Er hat viel Zeit. Zu viel Zeit. „Ich möchte mehr Deutsch lernen und gerne arbeiten, wenn man mir eine Chance geben würde“, sagt Mustafa, der in seiner Heimat Mechaniker war.

Er ist aufgenommen, erklärt Heller. Auch wenn seine Reise noch nicht beendet ist. „Am besten lerne ich Deutsch von den Kindern“, erzählt Mustafa, der im Kreise der Gemeinde auch sein Lachen, seinen Humor wiedergefunden hat. „Das ist meine Ersatzfamilie. Ich weiß nicht wie ich das zurückgeben kann.“ Denn er ist mutterseelenallein. Kein Kontakt mehr zu Eltern, Geschwistern. Er weiß nicht mal, wo sie stecken. Doch fühle er sich glücklich, sicher und geborgen. Den Umständen entsprechend halt.

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