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Maintal Stadt baut Haus für Flüchtlinge

Keine Zelte, keine Container - die Stadt baut ein Haus für Flüchtlinge auf einem städtischen Grundstück in Bischofsheim. Einige Anwohner sind jedoch skeptisch.

27.08.2015 19:59

Damit Container und Zelte für Flüchtlinge in Maintal das „letzte Mittel im Notfall“ bleiben, so Stadtrat Ralf Sachtleber (parteilos), soll auf einem städtischen Grundstück in Bischofsheim ein Wohnhaus für bis zu 70 Personen gebaut werden. In einer Versammlung hat die Stadt die Bürger über das Vorhaben informiert. Einige Anwohner sollen die Befürchtung geäußert haben, dass es zu einer Doppelbelastung komme, weil das nahe, ehemalige Hotel Hübsch zu einer Unterkunft auf Zeit für ausländische Bauleute umfunktioniert worden sei. Polizei und Stadt seien von dort bislang jedoch keine Probleme gemeldet worden, teilt Sachtleber auf Anfrage mit.

Das Gebäude soll auf der Eckfläche entstehen, wo Rhönstraße und Zimmerseestraße aufeinanderstoßen. Im Juli beschlossen die Stadtverordneten dies einstimmig auf Grundlage des von der Verwaltung vorgelegten „Masterplans zur Unterbringung von Aslybewerbern“. Damit die Unterkunft bald bezogen werden kann, soll sie in bis zu dreigeschossiger Modulbauweise entstehen. Hierbei soll es sich keineswegs um eine Billiglösung von mittelfristiger Nutzbarkeit handeln, heißt es. Sobald das Haus nicht mehr für Asylbewerber benötigt wird, sollen die Wohnungen anderweitig vermietet werden. Eine städtische Gesellschaft soll als Bauherrin fungieren, so Stadtrat Sachtleber.

Koordinierter Start

Er wie Kathleen Wendler, Vizeleiterin des Fachbereichs Soziales, erklären, dass für die Bewohner des Neubaus das bisherige Betreuungskonzept angewendet werde. Helfer des Arbeitskreises (AK) Asyl und Mitarbeiter des Fachbereichs werden sich um die Flüchtlinge intensiv kümmern, so Wendler. „Allen Neuankömmlingen wird ein organisierter und koordinierter Start in Maintal ermöglicht.“ Die aktuell 212 Flüchtlinge in Maintal werden von zwei sozialpädagogischen Kräften, die bald von zwei weiteren unterstützt werden sollen, und von vier Verwaltungsangestellten betreut. Flüchtlingskinder werden in Kitas aufgenommen. Da es wenige Kinder gebe, sei die Unterbringung unproblematisch, heißt es auf Anfrage.

Die Zuweisungsquote für Maintal in der zweiten Jahreshälfte soll bei 99 Personen liegen. Neben der Neckarstraße 11, dort war bis Juni das Gründerzentrum angesiedelt, wird ab Dezember das Gebäude des SC Budokan bezugsfertig sein. Knapp 60 Menschen werden in der Braubachstraße unterkommen.

Große Hilfsbereitschaft

„In der Maintaler Bevölkerung herrscht eine große Hilfsbereitschaft“, berichtet Christine Mayer-Simon, eine Sprecherin des AK Asyl. Mit den Plänen für das städtische Grundstück an der Rhönstraße hätten sich beim Unterstützerkreis in kurzer Zeit 40 Personen als Helfer gemeldet. „Zudem führen Berichte und Diskussionen im Fernsehen über das Schicksal von Flüchtlingen dazu, dass bei uns jeden Tag Anfragen von potenziellen Unterstützern eingehen“, sagt Mayer-Simon. Zurzeit engagieren sich im AK knapp 70 Personen – viele Studenten und Leute, die quer aus der Gesellschaft kommen.

Der AK hat sich nicht nur zur Aufgabe gemacht, den Neubürgern in spe durch den hiesigen Alltag zu helfen. Sie sollen die Monate bis zur Entscheidung über ihren Asylantrag auch nicht in Untätigkeit verbringen. PC-Kurse oder die Fahrradwerkstatt, beides betreiben die Flüchtlinge in Eigenregie, trügen hierzu bei. Aber auch Deutschkurse bei der VHS, die der AK aus Spenden finanziert, oder etwa die Vermittlung von drei jungen Eritreern in das Bau-Camp der Bauwirtschaft zur Berufsqualifizierung. Jetzt seien auch die Betriebe gefordert, ihren Ruf nach Fachkräften in die Tat umzusetzen. „Die Asylbewerber sind hoch motiviert. Jetzt gilt es, diese Motivation zu erhalten“, sagt Mayer-Simon.

Fragen und Antworten zu Asyl in Maintal unter www.maintal.de. Am 14. September tagt der AK Asyl öffentlich, 19 Uhr, Bürgerhaus Hochstadt.

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