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Maintal Prozess zieht sich hin

Beweis- und Befangenheitsanträge verzögern das Verfahren um ein getötetes Ehepaar auf dem ehemaligen Pferdehof zwischen Dörnigheim und dem Main.

Der Prozess am Hanauer Landgericht um die Tötung des damals 57-jährigen Ehepaars auf dem ehemaligen Pferdehof zwischen Dörnigheim und dem Main zieht sich zäh dahin. Zu immer neuen Beweisanträgen von Verteidigung und Nebenklage kam nun auch ein Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter Peter Graßmück. Nach der jüngsten Verhandlung am Montag folgten gestern Morgen weitere Beweisanträge. Eigentlich waren für Montag die Plädoyers vorgesehen gewesen.

Graßmück sieht dem Befangenheitsantrag gelassen entgegen. Er werde seine dienstliche Stellungnahme abgeben, seine beiden der Kammer beisitzenden Richterkollen würden dann unter Ausschluss seiner Person entscheiden. Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze rechnet fest damit, dass der Antrag abgelehnt wird: „Keine Chance.“

Ein stattgegebener Befangenheitsantrag würde das Verfahren auf Null stellen, der Prozess müsste komplett neu aufgerollt sein. Das Gesetz lege derart hohe Maßstäbe an Befangenheitsanträge, dass sie in den seltensten Fällen durchgehen. Wie entschieden wird, wird erst zum Beginn des nächsten Verhandlungstages am 4. August verkündet.

Beweisanträge abgewiesen

Graßmück habe wichtige Zeugen nicht zugelassen und Beweisanträge abgewiesen, so der Vorwurf der Nebenklage. „Die Kammer hat von Anfang an auffällig ihre Sympathien zugunsten der Angeklagten verteilt“, sagt Anwalt Michael Bauer, der die Tochter der Getöteten als Nebenklägerin vertritt. „Wir wissen, dass ein Befangenheitsantrag ein stumpfes Schwert ist. Aber seine fehlerhafte Zurückweisung wäre ein weiterer Grund für eine Revision“, so Bauer gegenüber der FR.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass da noch etwas Stichhaltiges kommt“, sagt Richter Graßmück auf Anfrage. Die Beweisanträge seien „sachfremd“ und für eine Aufhellung des Tathergangs letztlich unerheblich gewesen. Er rechne deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit damit, dass am Dienstag, 4. August, tatsächlich die Schlussvorträge gehalten und am Mittwoch, 5. August, ein Urteil verkündet werden kann.

Seit Mitte März läuft nun das Verfahren, Heinze hat inzwischen den Überblick über die Zahl der Verhandlungstage verloren. „Wir müssten beim 15. sein.“ Mietstreitigkeiten sollen am Mittag jenes verhängnisvollen 6. Juni vergangenen Jahres auf der ehemaligen „Main-River-Ranch“ so eskaliert sein, dass die Angeklagten, der heute 60-jährige Vater und sein 30-jähriger Sohn, die 57-jährigen Eheleute töteten: der Sohn den Ehemann mit 17 Messerstichen, der Vater die Ehefrau anschließend mit zwei Pistolenschüssen. Sie waren Untermieter des Ehepaares und hausten auf dem heruntergekommenen Grundstück.

Angeklagten schweigen

Die zentrale Frage: Wurden sie hinterrücks ermordet, wie es die Nebenklage sieht, oder war es Notwehr? Die Angeklagten räumen die Tat ein, schweigen aber nach wie vor im Verfahren. Lediglich der Sohn hatte zu Beginn eine 400-seitige schriftliche Einlassung verlesen lassen, in der er eine Notwehrlage darstellte. Der Prozess verliert sich mangels Augenzeugen seitdem zusehends im Klein-Klein. Immer wieder neue Zeugen, die gar nichts oder nur flüchtig mit Tätern oder Opfern, geschweige mit dem Tatgeschehen zu tun hatten.

Eine Zeugin, die von zwei Knallgeräuschen berichtete, wurde bereits mehrfach von der Kammer gehört. Was hat sie an dem Mittag gehört, als sie auf einer Liege auf dem Nachbar-Pferdehof lag? Geschrei? Hundegebell? Was kann wer wo wann überhaupt gehört haben? Alles ungeklärt. Ankläger Heinze: „Der Prozess ist inzwischen ein Hin-und-Her wie im Tennis: Wir stehen alle am Netz und würden das Spiel gerne abpfeifen. Die Sachverhalte sind geklärt. Ich hoffe inständig, dass wir am 4. August endlich plädieren können.“

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