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Maintal Kabarett Kabarett mit Florett

Die Hochstädter Gruppe Mikrokosmos spießt die große und die kleine Politik auf. Die Gruppe traut sich auch an schwierige Themen, bei denen das Lachen mitunter schwer fällt.

Auch mit dem Smartphone-Wahn hat sich Mikrokosmos auf der Bühne auseinandergesetzt. Foto: Veranstalter

Zwei Einbrecher schleichen durchs Maintaler Rathaus. „Das is doch wieder de gleiche Tresor vom letzte Mal! Die Kombination liegt unner’m Blummedippe“, sagt einer der Diebe. Es ist die Nummer von Bürgermeister Erhard Rohrbach (CDU). „Ich wird‘ en Teufel tun un jetzt den Rohrbach anrufen! Der hat doch deheim net den Zettel mit de Kombination und im Kopf wird er se auch net haben“, sagt der andere Dieb. Doch es gibt noch eine andere Möglichkeit: ein Rätsel, das sich um das Stadtparlament dreht. Nachdem die Einbrecher es gelöst und den Tresor geknackt haben, finden sie darin nichts als Zahlen: „Toll! – Das sin wahrscheinlich die Zahle, die de Erhard partout net herausrückt!“ Die Diebe stehen mit leeren Händen da: „Typisch Maintal! E riesich Verwaltung, zwei Hauptamtliche, üwwer 50 Millione Einnahme und noch höhere Ausgabe. Zahle, die keiner wisse derf.“

Die Szene hat die Maintaler Kabarettgruppe Mikrokosmos auf die Bühne gebracht. Ende Oktober, Anfang November treten die neun Frauen und fünf Männer, die alle dem Humor-Musik-Verein Edelweiß angehören, wieder auf, unter dem Titel „Mir saacht ja kaaner was“. Es ist ihr neuntes abendfüllendes Programm. Bei der Gründung der Gruppe war der Maintaler Klaus Klee die treibende Kraft. Die Nachfrage nach Karten ist nach wie vor groß: Die ersten vier aktuellen Vorstellungen im Hochstädter Gemeindehaus waren in wenigen Stunden ausverkauft. Deshalb gibt Mikrokosmos am 25. Oktober um 20 Uhr eine Zusatzvorstellung.

Das Rezept von Mikrokosmos: „Wir greifen lokale Themen auf, die die Maintaler bewegen. Setzen uns aber auch mit der großen Politik und dem alltäglichen Wahnsinn auseinander“, sagt Brigitte Rosanowitsch-Galinski. Auf eine gute Mischung setzt die Gruppe auch bei der Besetzung: Der Jüngste ist im Teenager-, der Älteste im Rentenalter. „Wir sind unterschiedliche Typen mit unterschiedlichen Facetten“, sagt Gisela Jeske. Die Darsteller und Autoren werden von einem etwa zehnköpfigen Team hinter der Bühne unterstützt. Alles ist selbstgemacht. Rosanowitsch-Galinski gehört zu den Autoren. „Das Schreiben ist harte Arbeit. Aber es ist wundervoll, die Stücke dann auf der Bühne zu sehen“, sagt sie. „Die Stücke entwickeln ein Eigenleben, wir feilen daran, indem wir gemeinsam rumblödeln“, sagt Angela Cercas.

Neues Programm mit heiklen Themen

„Statt zum Holzhammer greifen wir lieber zum Florett“, umschreibt Frank Walzer den Stil. Das heißt aber nicht, dass die Gruppe sich vor schwierigen Sujets und bissigen Kommentaren drückt: „Wir widmen uns – auch auf lokaler Ebene – nicht nur Wohlfühlthemen, bei denen sich fast alle einig sind“, fügt Walzer hinzu.

Mikrokosmos hat zum Beispiel den Konflikt um einen Maintaler Pfarrer aufgegriffen. Das Bestreben eines Bürgers, Überwachungskameras einzusetzen. Das Bäumchen-wechsel-dich-Spiel einiger Parteimitglieder in Maintal. Nachdem die Missbrauchsskandale in der Kirche bekannt geworden waren, kniete in einem Mikrokosmos-Stück jemand unter einem Bischofsrock. Am Ende stellte sich heraus, dass die Schuhe des Klerikers geputzt wurden. Doch die Empörung bei einigen Zuschauern war groß.

Und auch das neue Programm enthält heikle Themen, bei denen einigen das Lachen mitunter schwer fallen dürfte. Es geht um Waffenlieferungen, Feministinnen und die NSA. Und nicht zuletzt um Ärzte, den Maintaler Bürgerhaushalt und ein sogenanntes Freiwilligen-Event – Programmpunkte, die witzig präsentiert werden, aber einen ernsten Hintergrund haben: Die schlechter werdende ärztliche Versorgung. Das überschaubare Interesse an städtischen Finanzen. Und den Trend, dass Ehrenamtliche inzwischen viele Aufgaben übernehmen, um die sich einst die öffentliche Hand kümmerte.

Weitere Infos zu Mikrokosmos und zu den Auftritten gibt es unter www.hmv-edelweiss.de

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