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Maintal Gemüse überall und für alle

In Straßen und auf Plätzen von Maintal könnten Gemüse und Obst wachsen, an dem sich alle Bürger bedienen und das kostenlos. Diese Idee hat der Stadtverordnete Klaus Seibert (WAM).

Nicht nur essbare Wildkräuter können Teil einer „essbaren Stadt“ werden. Foto: Michael Schick

Bei „essbares Maintal“ mag manch einem spontan ein Schoko-Täfelchen mit Stadtsilhouette einfallen. Doch es geht um (fast) paradiesische Verhältnisse: Überall wachsen Obst und Gemüse im öffentlichen Raum und jeder kann sich für seinen Bedarf frei, ohne zu bezahlen, davon bedienen. Was nach Utopia klingt, ist laut Stadtverordneten Klaus Seibert von der Wahlalternative Maintal (WAM) mittlerweile in 40 Kommunen vorzufinden. Seibert schlägt eine „essbare Stadt“ oder zu neudeutsch „Urban Gardening“ auch für Maintal vor. Die Anregung hierzu habe er bei einer Kulturfahrt nach Andernach erhalten.

Idee soll eine Diskussion anstoßen

„Wenn man dort durch die Altstadt geht, reißt man nur die Augen weit auf und interessiert sich nicht mehr für die Sehenswürdigkeiten“, sagt Seibert der FR. Kräuterbeete, üppig bewachsene Stangen mit Bohnen oder Blumenflächen, von denen die Bürger frei ernten können, erzählt er. Bei seiner Rückkehr habe er sofort recherchiert und dabei festgestellt, Andernach ist mittlerweile bei weitem nicht die einzige „essbare Stadt“. Selbst in Großstädten wie Kassel oder Mainz wächst öffentliches Obst und Gemüse.

In der Mittelrheinstadt Andernach wird das Projekt „essbare Stadt“ seit 2010 betrieben. An der Mauer zum Schlossgarten fing es mit vielen Tomaten-, Bohnen- und Zwiebelsorten an, heißt es auf der Internetpräsenz der Stadt. Damit keine vegetarische Monotonie aufkommt, steht jedes Jahr eine andere Gemüse- oder Obstsorte im Mittelpunkt, heißt es. Nach dem Jahr der Erdbeere und des Kürbisses ist 2016 das Jahr des Getreides. Bei der „essbaren Stadt“ okkupieren jedoch nicht interessierte Bürger öffentliche Fläche, indem sie nächtens dort Saatgut für Möhren oder Gurken ausbringen. Dahinter steckt ein Konzept, bei dem auch die Stadt involviert ist. So werden die Anbauflächen etwa auch von Landzeitarbeitslosen einer kommunalen Jobgesellschaft gepflegt.

Für Seibert sieht in dem Projekt nicht nur den ökologischen Nutzen, sondern auch um den sozialen. „Der soziale Aspekt, miteinander Gärtnern, ist für mich sogar der Hauptgrund“, sagt er. „In den Großsiedlungen wie in der Goethestraße oder Berliner Straße leben viele Menschen nebeneinander her.“

Aus diesem Winkel das Vorhaben betrachtet, findet auch Erster Stadtrat Ralf Sachtleber (parteilos) die Idee sehr gut. Er äußert sich jedoch skeptisch dazu, ob sich in einer Kleinstadt wie Maintal, wo viele Menschen einen eigenen Garten haben, eine ausreichende Zahl an Interessenten zusammen bringen lässt. Die Stadt selbst werde nicht aktiv werden, sagt Sachtleber. Gleichwohl könne die Stadt Maintal die Idee mit der Bereitstellung von Flächen unterstützen. Laut Seibert eignet sich etwa ebenso Schulgelände, denen somit ein Schulgarten entstehe.

Klaus Seibert ist es wichtig, dass die Idee nun von interessierten Bürger diskutiert wird. Es könnte auch zu einem Thema in der Stadtbildgruppe oder in einem Obst- und Gartenvereins gemacht werden, meint er. Nur die Politik solle sich erst dann einmischen, wenn ein Konzept vorliegt oder die Akteure es wünschen, so Seibert.

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