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Maintal Erst Flüchtlinge, dann Judoka

Der erste symbolische Spatenstich für die neue Flüchtlingsunterkunft an der Braubachstraße in Dörnigheim ist gesetzt. Sie soll später einmal zu einem Sportinternat des Hessischen Judoverbandes werden.

Baustart in der Braubachstraße: Einige Anwohner sind davon wenig begeistert, doch die Stadtpolitik steht dahinter. Foto: Monika Müller

Die Bagger rollen bereits seit Tagen, bereiten das Areal auf, entfernten bereits eine alte Bodenplatte und schicken sich an, das Gelände um gut 70 Zentimeter aufzuschütten. Wegen dem Hochwasserschutz am Braubach. Am Dienstag war der symbolische erste Spatenstich für die neue Flüchtlingsunterkunft an der Braubachstraße in Dörnigheim, die später einmal zum Sportinternat des Hessischen Judoverbands werden soll.

In einem landesweit einzigartigen Deal wurde vereinbart, dass die Stadt Maintal das Gebäude mit 57 Plätzen für Asylbewerber vom Bauherrn SC Budokan mietet und diesem damit den Bau mitfinanziert. Budokan Vorsitzender Ervin Susnik beziffert die Baukosten mit rund 800 000 Euro. Vermietet wird für fünf Jahre. Danach hat die Stadt die Option, um jeweils ein Jahr zu verlängern. Händeringend sucht Maintal Wohnraum für die ihm zugewiesenen Flüchtlinge. Aktuell sind es 180 Menschen, Tendenz steigend.

Judoverband dankbar

Richard Keil, Jugendwart des Hessischen Judo-Verbands, ist dankbar für das Modell. „Wir haben einen Leistungs- und Strukturplan, an dem uns auch der Landessportbund misst und an dem sich Zuschüsse orientieren. Und da müssen wir diese Chance für ein Judo-Internat nutzen.“ Hintergrund: Mangels zentralen Leistungsstützpunkts in Südhessen müssten Judoka, die höhere sportliche Weihen anstreben, etwa nach Kaiserslautern zum Trainieren ausweichen.

Zwar betont Maintals Erster Stadtrat Ralf Sachtleber (parteilos), dass die Politik voll hinter dem Projekt stehe, doch unumstritten ist es nicht. Eine ganze Reihe von Nachbarn und Anwohnern hält das Areal neben der DLRG-Ortsgruppe für ungeeignet und zu klein. Zudem fürchten sie Belästigungen durch Lärm, Müll oder gar Gewalt. Sie haben teils schlechte Erinnerungen an die Unterbringung von Flüchtlingen aus Ex-Jugoslawien in den 1990er-Jahren. Einige legten Widerspruch gegen die Baugenehmigung ein, der aber gerichtlich abgewiesen wurde. Zum Spatenstich erschien freilich auch niemand aus der Nachbarschaft.

Sachtleber versichert, dass die Stadt die Anwohner stets über den Baufortschritt und den Stand der Entwicklung informiere und den Dialog suche. Dennoch sei eins klar und es führe auch kein Weg daran vorbei: Auch Maintal habe mit weiteren Menschen zu rechnen, die vor Krieg und Gewalt hier Zuflucht suchen. „Es ist unsere gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sie hier offen willkommen zu heißen und würdig unterzubringen.“

Vorwürfe haltlos

Die Vorwürfe, das Modell sei „Geldmacherei“, ein „Geschäftsmodell“ an dem sich Budokan „eine goldene Nase“ verdiene, können Ervin Susnik und Budokan-Geschäftsführer Daniel Packheiser nicht mehr hören und weisen sie als haltlos zurück. Sie verweisen auf die soziale Verantwortung, der sich der Verein traditionell verpflichtet fühle. „Wir haben bestimmt auch viele Neider, die sich ärgern, dass sie nicht auf die Idee gekommen sind“, mutmaßt Susnik. „Die Hälfte unserer Vereinsmitglieder und zwei Drittel unseres Vorstands haben Migrationshintergrund.

Ich übrigens auch. Wir wollen einfach etwas zurückgeben, weltoffen und gastfreundlich sein.“ Budokan will sich erklärtermaßen gemeinsam mit dem Arbeitskreis Asyl aktiv in der Betreuung und der Hilfe für die zu erwartenden Flüchtlinge engagieren.
Zur Fertigstellung und Eröffnung des Gebäudes im kommenden Sommer soll es ein großes Willkommensfest geben. Dazu sollen auch die skeptischen Nachbarn eingeladen werden.

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