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Maintal Ein Jahr mit Flüchtlingen

Die junge Maintalerin Laura Yilmaz arbeitete ein Jahr lang freiwillig mit Flüchtlingen in Norditalien. Die gemachten Erfahrungen will sie auf keinen Fall missen. Man habe viel gelacht und viel voneinander gelernt.

Laura Yilmaz aus Maintal mit ihren Schützlingen in Italien. Foto: Privat

Es ist eine Erfahrung die ich nicht missen will und zu der ich nur jedem raten kann, wenn sich die Chance dazu bietet.“ Laura Yilmaz aus Maintal steht noch ganz unter vielen neuen Eindrücken. Sie machte ein freiwilliges diakonisches Jahr in Italien im Rahmen eines Projekts der Diaconia Valdese und arbeitete gemeinsam mit einem jungen Franzosen mit Flüchtlingen in einer Gemeinschaftsunterkunft in dem Dörfchen Torrepellice, etwa 50 Kilometer von Turin entfernt. Erst vor kurzem kehrte sie nach Dörnigheim zurück.

Andere Freiwillige entschieden sich für die Arbeit mit Kindern, Behinderten oder alten Menschen, sie für die mit den Flüchtlingen. Denn seit seinem Bestehen ist die 22-Jährige bereits ehrenamtlich im Arbeitskreis Asyl in Maintal aktiv, organisiert Freizeitaktivitäten für die in der Stadt aufgenommenen Schutzsuchenden.

In den elf Monaten in Italien gab sie vor allem Italienisch-Unterricht. Denn obwohl sie in Frankfurt geboren ist, hat sie mütterlicherseits italienische Wurzeln. „Der Sprachunterricht in Italienisch ist für die Flüchtlinge in Italien Pflicht“, berichtet sie. Sie bekam ein kleines Taschengeld, Kost und eine kleine Wohnung waren frei. Ihre Schützlinge kamen vornehmlich aus Somalia, Ghana, Mali, aber auch aus Pakistan und Afghanistan. Sie befanden sich meist im Status des Wartens auf ihre Anerkennung als Asylsuchende.

Viel voneinander gelernt

Neben dem Sprachunterricht begleitete sie sie bei Arztbesuchen als Dolmetscherin. „Wir haben auch gemeinsam gekocht und gebacken. Die Männer wussten überhaupt nicht, wie man einen Kuchen backt“, lacht sie.

„Es war einfach spannend. Auch wie dabei gegenseitige Beziehungen und Vertrauen aufgebaut werden. Wir haben viel gelacht, aber auch enorm viel voneinander gelernt.“ Die Schutzsuchenden hätten ihr immer wieder von Krieg, Gewalt und Elend in ihrer Heimat berichtet und wie sie auf ein Leben in Frieden und ohne Angst in Europa hoffen. Sie sprachen aber auch von den Familien, den Eltern, die sie haben zurücklassen müssen.

Die vielfach muslimischen Männer hätten ein Vertrauensverhältnis zu ihr gefunden, „obwohl ich eine jüngere Frau bin“, erzählt sie. Immer wieder sei sie aufs Neue beeindruckt gewesen, wie eifrig die Menschen die Sprache ihres Gastlandes lernen, ob in Maintal oder in Italien. Und sie mochten sie. „Die waren ganz traurig als meine Zeit vorbei war und wollten, dass ich um ein Jahr verlängere. Jetzt schreiben, sie mir ständig, wann ich wiederkomme.“ Einmal wöchentlich gab es von der eigenen kleinen Radiostation des Dörfchens eine Live-Sendung, die sie gemeinsam mit den Flüchtlingen machte, indem sie sie interviewte. Die stellten ihrerseits sich und die Musik ihrer jeweiligen Heimatländer im Radio vor.

In Italien gebe es nicht so viele ehrenamtlich Engagierte wie in Maintal, hat Yilmaz beobachtet, die Unterstützung und Betreuung von Flüchtlingen sei dort eher hauptamtlich durch die einschlägigen Vereine, Verbände und Institutionen organisiert.

Anfangs nicht einfach

Es sei auch das erste Mal gewesen, dass sie für so lange Zeit von daheim weg war und auf sich alleine gestellt war, berichtet die junge Maintalerin. „Am Anfang war es auch nicht einfach.“ Dafür habe sie inzwischen eine ganz neue Sichtweise auf Flüchtlinge, aber auch auf sich selbst gewonnen. „Ich habe ein neues Stück von mir entdeckt.“ Immer wieder sei sie in Italien im Urlaub gewesen, doch die freiwilligen elf Monate seien damit einfach nicht vergleichbar. „Man gewinnt eine völlig neue Sicht der Dinge.“

Inzwischen engagiert sie sich wieder ehrenamtlich für die Flüchtlinge in Maintal, begleitet Freizeitangebote und betreut ein Kurzfilmprojekt, in dem es um „Heimat neu entdecken“ geht. Einzelne Flüchtlinge beschreiben vor ihrer Kamera, was sie unter „Heimat“ verstehen, welche Hoffnungen, welche Erwartungen sie haben, aber auch was sie verlassen mussten, was sie vermissen. „Jeder versteht etwas anderes unter Heimat. Und wenn man eine neue gefunden zu haben glaubt, braucht es viel Zeit und Geduld“, berichtet sie. „Ich muss das ganze Material noch zusammenschneiden, im November wollen wir es dann zeigen.“

Im Oktober beginnt Laura Yilmaz ihr Studium der Sozial- und Kulturwissenschaften an der Hochschule Fulda, schlüssigerweise mit dem Schwerpunkt Interkulturelle Beziehungen. „Das hat sehr viel mit Politik, Soziologie, Sprache und Kommunikation zu tun“, sagt die junge Frau. Und Menschen aus anderen Kulturen sind ihre Leidenschaft, ihr Hauptinteresse. Ja, in der Arbeit mit Migranten sieht sie nach all dem Ehrenamt auch ihre spätere Berufung.

Sie betrachte ihre Entwicklung als Dreieck: „Eine Ecke ist die ehrenamtliche Arbeit mit den Flüchtlingen in Maintal, die zweite die Erfahrung in Italien, die dritte das Studium.“

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