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Main-Kinzig/Wetterau Aufbruchsignal fürs „Lieschen“

Erste Niddertalbahnkonferenz formuliert Ausbauforderungen.

Die Niddertalbahn verzeichnet immer mehr Fahrgäste und soll unbedingt ausgebaut werden. Foto: Renate Hoyer

Die Niddertalbahn muss noch attraktiver, schneller, pünktlicher werden und vor allem noch mehr Menschen transportieren können. Das geht durch Elektrifizierung, zweigleisigen Ausbau, engere Taktzeiten und bessere Infrastruktur. Denn im „Stockheimer Lieschen“ stecken Potenziale, die die Straßen der Region nordöstlich Frankfurts entlasten könnten. Denn da geht bekanntlich nichts mehr. Wer zu Stoßzeiten etwa im Raum Niederdorfelden und Bad Vilbel unterwegs ist, kennt den alltäglichen Verkehrskollaps.

Darin ist man sich bei der ersten „Niddertalbahnkonferenz“ in Gelnhausen einig gewesen. Kreisbeigeordneter und Verkehrsdezernent Matthias Zach (Grüne) hatte gerufen und zirka 25 Anrainer, Freunde und Förderer der Bahnstrecke sind gekommen. Etwa die Bürgermeister oder ersten Stadträte der Anrainerkommunen von Glauburg, Altenstadt, über Nidderau, Schöneck, Niederdorfelden bis Bad Vilbel.

Planungen dauern Jahrzehnte

Je früher, desto besser lautet Zachs Devise mit Blick auf den Verkehrsvertrag, der erst im Jahr 2027 neu ausgeschrieben werden müsse. „Die Planungszeiträume der Bahn lassen keine Spielräume zu“, sagt Zach. Und Bad Vilbels Erster Stadtrat Jörg Frank (CDU) stimmt ihm zu: „Planfeststellungsverfahren dauern heute länger als der Dreißigjährige Krieg“. Am Beispiel von Nordmainischer S-Bahn oder Kinzigtalbahn-Ausbau sehe man ja, dass die Bahn schon gar keine Termine für Inbetriebnahmen mehr nenne. Hier sei mit Jahrzehnten zu rechnen.

Umso wichtiger sei jetzt die Überlegung, wohin man genau wolle, um dann Machbarkeitsstudien sowie Kosten-Nutzen-Analysen anzugehen. Zweigleisigkeit? Begradigung? Mehr Kreuzungsbahnhöfe? Ludger Stüwe, Direktor des Regionalverbands Frankfurt-Rhein-Main, ermutigt die Kommunen zu dem „starken Signal“ für die Strecke. „Es ist richtig, dass sich die Kommunen jetzt schon aufmachen, um im Konzert von Nordmainischer S-Bahn, Kinzigtalbahn oder Taunusbahn um Zuschüsse mitzuspielen. Wer in unserer Region nicht weiß, wo er hin will, wird abgehängt.“

7000 Fahrgäste täglich

Die Niddertalbahn, die 1985 sogar von der Stilllegung bedroht war, verzeichne heute 7000 Fahrgäste täglich, Tendenz steigend, so RMV-Planer Thomas Busch. Das gelte für Pendler und Schüler ebenso wie für Touristen aus dem Ballungsraum. „Unser Ziel ist, 3000 Pendlerautos weniger täglich auf den Straßen zu haben“, sagt Monika Sperzel (SPD), Erste Stadträtin Nidderaus und Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Niddertalbahn.

Doch die finanzielle Situation sei ernüchternd. Während die kommunalen Beiträge zum Nahverkehr dynamisch stiegen, seien die des Bundes festgelegt. Auch das Gezanke zwischen Bund und Ländern, ob die sogenannten Regionalmittel aus Berlin zweckgebunden eingesetzt werden oder nicht, sei eher hinderlich, so Sperzel. Bei solch einem langfristigen Projekt könne man sich nicht alljährlich von aktuellen Haushalten oder jeweiligen Konjunkturdaten abhängig machen.

Immerhin: Es ist ein Signal für einen langen Kampf um den Ausbau der Bahnstrecke, das da aus Gelnhausen nach Berlin und Wiesbaden gesendet wird. Zach ist mit der Initialzündung und dem Einvernehmen unter den Niddertalbahn-Anrainern zufrieden und sinniert schließlich darüber, ob der beschauliche Name „Stockheimer Lieschen“ bei solch großen Plänen auf Dauer noch angemessen ist. „Vielleicht sollten wir künftig lieber vom Nidderexpress sprechen.“

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