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Main-Kinzig Skepsis nach Bahnkonferenz

Der Kreis bezweifelt die Ernsthaftigkeit, Verbände fürchten eine Festlegung auf die Spange.

05.02.2013 22:35
Christoph Süß
Die Bahn will ihre Züge von Hanau nach Fulda beschleunigen. Foto: DB

Zur eigens anberaumten Pressekonferenz von Deutscher Bahn und Landesregierung in Wiesbaden war Verkehrsdezernent André Kavai (SPD) vergangene Woche nicht gefahren. Zu groß war bei ihm bereits im Vorfeld die Skepsis, dass dem kurz vor Jahresende angekündigten Fortschritt beim Ausbau der Kinzigtalbahn schnelle Taten folgen würden. Die Stellungnahme des Kreises folgte dennoch auf dem Fuße und ließ kaum ein gutes Haar an den Verlautbarungen.

Während Kavai das Fehlen eines verbindlichen Zeitplans und einer Finanzierungszusage kritisiert und die Industrie- und Handelskammer von einem Trostpflaster spricht, begrüßt die Arbeitsgemeinschaft Bahndreieck Spessart die Wiederaufnahme der Planungen für das Infrastruktur-Großprojekt. Gleichzeitig erneuern die an der AG beteiligten Fahrgast- und Umweltverbände ihre Forderung, die Variante über das Sinntal fallen zu lassen.

Vor zehn Jahren waren die Planungen auf Eis gelegt worden – im Wahljahr sollen sie wieder aufgenommen werden. „Der Kreis begrüßt es, dass der Staatsminister Rentsch den Abschluss einer Vereinbarung zur Finanzierung von Vorplanungen begrüßt“, hatte Kavai noch im alten Jahr über seinen Sprecher ausrichten lassen, als Wiesbaden die Pressekonferenz ankündigte. Schließlich sei lediglich zugesagt worden, die Sondierungen vor Beginn der eigentlichen Planungen zu finanzieren.

„Ich kann leider nicht erkennen, dass dem wichtigen Bauprojekt nun endlich die entsprechende Priorität eingeräumt wird“, sagte Kavai vergangene Woche. Das Land habe auch nicht erklärt, welche Rolle es bei der Realisierung übernehmen werde. Stattdessen war eine frühzeitige, umfassende Beteiligung der Bürger zugesichert worden. Die ist laut Kavai bei solch einem großen Vorhaben ohnehin vorgeschrieben.

2002 waren die Planungen nach Kritik, vor allem aber aus finanziellen Gründen gestoppt worden. Zuvor hatte es zwölf Varianten für die Trasse gegeben. 2010 war der Bund bei einer Überprüfung seines Bedarfsplans zu dem Ergebnis gekommen, dass der Bau einer neuen, zweigleisigen Querverbindung durch den Spessart zur Strecke Fulda-Würzburg dringend und wirtschaftlich ist; außerdem sollte die Strecke von Hanau bis Gelnhausen viergleisig ausgebaut werden.

Die Bahn betonte vergangene Woche, dass sie sich noch nicht auf eine Variante festgelegt hat. Prinzipiell seien neben der umstrittenen Mottgers-Spange auch eine Erweiterung der Kinzigtalbahn bis Fulda und ein zusätzlicher Ausbau der Bahnstrecke über Aschaffenburg nach Würzburg möglich. Bei der AG Bahndreieck glaubt man indes nicht, dass Varianten-Neutralität gegeben ist.

Anlass zu Skepsis gaben 2012 Äußerungen des aus Steinau stammenden Staatssekretärs Rainer Bomba (CDU), die Strecke durch den Spessart sei aufgrund der dünnen Besiedelung „besonders interessant“. Im gleichen Interview hatte er gesagt, zwei alternative Trassenführungen durch das Kinzigtal seien vom Tisch.

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