Lade Inhalte...

Wenn Käthe und Otto babbeln

Rainer Bange wird 80 - und hat mit den Kleinschmidts weiter viel Erfolg

Die Anfänge der Familie Kleinschmidt reichen 60 Jahre zurück: Als Rainer Bange vor seinem Architekturstudium eine Maurerlehre absolvierte, stach ihm der Polier stets haarscharf mit gefährlichem Arbeitsgerät am Auge vorbei - um danach eindringlich auf die Unfallverhütungsvorschriften hinzuweisen. Der auf eigene Art fürsorgliche Kollege wurde später zum Vorbild für Karl Kleinschmidt, Stammvater jenes kultigen Familienclans, den Bange in den 80er Jahre entwickelte. Die Kleinschmidts und ihre Alltagsproblemchen haben den Hanauer Kabarettisten berühmt gemacht; vor allem im Rhein-Main-Gebiet zählt er zu den populärsten Künstlern überhaupt. Die Familie Kleinschmidt ist im Laufe der Zeit auf neun Mitglieder gewachsen, die Bange alle selbst mit breitem hessischen Idiom spricht.

In diesem Jahr wird Rainer Bange 80. Und er steht immer noch auf der Bühne - auch wenn er 2002 bereits auf Abschiedstournee war. Bereits 2004 präsentierte er sich dem Publikum wieder live. "Die Leute lieben ihn, seine Auftritte sind nach wie vor ausverkauft", sagt sein Freund Werner Bayer, der Banges Auftritte als Bassist des "Mellow Tone Trios" seit Jahren musikalisch begleitet.

Den Kabarettisten schätzt er als "absolut zuverlässigen, humorvollen Menschen", der auch viel Lust an Albernheiten habe, aus denen sich dann zuweilen neue Kleinschmidt-Episoden entwickeln. Bereits als Kind und Jugendlicher besaß Bange das Talent, die Stimme zu verstellen: "Bei Schulfesten und in der Tanzstunde habe ich oft Theo Lingen und Hans Moser nachgemacht." Auch Hitler und Goebbels hatte er im Repertoire - "aber natürlich nur zuhause".

Schon damals hätte er die Schauspielerei gerne zu seinem Beruf gemacht, doch der Vater drang darauf, der Sohn müsse Architekt werden: "In unserer Familie waren das eigentlich alle von Beruf", sagt Bange dazu lakonisch. Also folgte er dem Wunsch, studierte an der Fachhochschule in Frankfurt und arbeitete in Hanau viele Jahre lang als freiberuflicher Architekt: Etliche Bauten in der Stadt stammen von ihm oder seinem Bruder Werner. Doch in den 80er Jahren gab er seinen Beruf zugunsten des Kabaretts auf.

Rainer Bange gründete das "Hist(o)erische Theater" mit und entdeckte für sich den alten Polier Karl wieder - so entstanden die Kleinschmidts: Auf Karl folgte Robert, der laute Polterer, der etwas dödelige Otto, die Mama Käthe (als einzige Frau) und andere. Wie Karl haben fast alle Familienmitglieder lebende Vorbilder. So ist Norbert, der "Durchblicker", in der Realität Banges Friseur.

Auch viele der Episoden, die den Kleinschmidts widerfahren, hat Bange selbst durchgemacht; wenn auch meist nicht in derart überspitzter Form. So gehen seine beliebten Sketche über Warteschleifen im Rathaus und wenig hilfsbereite städtische Bedienstete auf eigene Erfahrungen zurück, darunter auch die legendäre Nummer über seine Scharmützel mit dem ehemaligen Bauamtsleiter.

Bis heute schreibt Bange wöchentlich drei Stücke à jeweils drei Minuten, denn im Sender hr4 hat er sonntags um 17.45 Uhr und montags um 6.45 Uhr mit den Kleinschmidts einen festen Sendeplatz. Mehr als 1500 Sketche hat er im Laufe der Jahre verfasst: Überdrüssig wird er der typischen Kleinbürgerfamilie dabei nicht: "Sie sind mir ans Herz gewachsen, obwohl das Leute sind, die ich eigentlich nicht leiden kann."

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen