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Von der Wiener Secession über die Mathildenhöhe bis nach Schlierbach

Brachttal-Museum zeigt Keramiken des bekannten Jugendstil-Architekten Joseph Maria Olbrich

29.07.2008 00:07
JÖRG ANDERSSON

Das Brachttal-Museum in Spielberg zieht im 15. Jahr seines Bestehens Fachpublikum aus ganz Deutschland an. "Seit zwei Monaten kommen Sammler, Kunsthistoriker und andere Interessenten aus München oder Berlin", erzählt Ulrich Berting nicht ohne Stolz. Immerhin ist es dem 2. Vorsitzenden des örtlichen Museums- und Geschichtsverein mit Hilfe des Kurators Ludwig Rinn aus Heuchelheim gelungen, eine für ein kleines Heimatmuseum ungewöhnlich bemerkenswerte Ausstellung zusammenzutragen: Dort sind bis zum Jahresende Entwürfe des berühmten Architekten Joseph Maria Olbrich (1867 bis 1908) für die Waechtersbacher Steingutfabrik zu besichtigen. Die Präsentation der rund 170 Exponate hat dem Brachttaler Museum sogar zu Einträgen in den einschlägigen Fachmagazinen verholfen: die "Weltkunst" berichtete in der Juli-Ausgabe, im "Sammeljournal" findet sich im August-Heft ein Hinweis, berichtet Berting, der nun schon zum zweiten Mal die Idee einer Themensammlung rund um die Waechtersbacher Keramik verfolgte. 2007 waren im kleinen Museum unter dem Titel "Tierisch, menschlich, keramisch" mehr als 300 figürliche Darstellungen aus der Schlierbacher Steingutfabrik zu sehen.

Der Gestalter Olbrich ist bekannt für den Hochzeitsturm, das Ausstellungsgebäude und weitere Häuser auf der Mathildenhöhe in Darmstadt. Zudem entwarf er mit dem Secessionsgebäude in Wien und Darmstadts Stadtkrone Aushängeschilder des deutschen Jugendstils. Dass er um 1900 und 1901 auch Formen und Dekore für die Schlierbacher Steingutfabrik kreierte, "weiß kaum jemand", berichtet Berting (53), der hauptberuflich im Ideenmanagement der Bahn in Frankfurt arbeitet.

Viele seiner Entwürfe haben einen erheblichen Teil der Gesamtproduktion des Werkes jahrelang stark beeinflusst und nachhaltig geprägt. Auch Christian Neureuther (1869 bis 1921), dessen keramisches Kunstatelier der Waechtersbacher weithin zu Ruhm verhalfen, habe Olbrichs-Formen übernommen und mit eigenen Motiven dekoriert. Neureuther habe Kontakte zur Darmstädter Künstlerkolonie gepflegt und "war wohl mit Olbrich befreundet, auch wenn sich das im Einzelnen nicht nachweisen lasse", ergänzt Berting.Die Olbrich-Exponate in Spielberg, darunter Vasen und Blumenschalen, sind überwiegend Leihgaben aus Museen in Marburg und Fulda bis hin zu überregionalen Privatsammlungen. Markenzeichen des Universalkünstlers sind seine streng geometrischen Formen. Berting: "Die konischen und zylindrischen Gefäße lassen immer wieder den Architekten durchblicken." Zu den klaren Linien gesellt sich das eher sparsam, auf zumeist hellem Untergrund verwendete Dekor. Olbrichs Entwürfe, Umsetzungen und Ausformungen haben die Museums- und Geschichtsverein auch dazu animiert, einen umfangreichen Ausstellungskatalog zusammenzustellen. Die Broschüre mit vielen historischen Hinweisen auch zur Werk- und Kunstgeschichte soll im Herbst fertiggestellt sein und wird dann für 20 Euro verkauft.

Waechtersbacher-Werke von Olbrich sind darüber hinaus bis zum 14. September im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt zu sehen. Die kleine Sonderausstellung "Wächtersbacher Keramik-Spiel von Haut und Körper" präsentiert weitere renommierte Vertreter des Produktdesigns, darunter kühn geschwungene Schalen, die Zaha Hadid 1992 unter dem Titel "Colour Comedy" entwarf oder der sachlich-funktionale Bauhaus-Stil, in dem die 1975 in Schlierbach gestorbene Ursula Fesca ab 1931 und nach Unterbrechung wieder von 1947 bis 1965 ihre Keramik gestaltete.

Zurück nach Spielberg: Die Ausstellung "Joseph Maria Olbrich und Wächtersbacher Steingut" ist dort an jedem ersten Sonntag im Monat sowie am 14. Dezember jeweils von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Der Eintritt kostet einen Euro. Anlässlich des 100. Todestages von Olbrich am 8. August 2008 ist das Museum an diesem Freitag zusätzlich von 19 bis 21 Uhr geöffnet.

Das Brachttal-Museum, Schulwaldstraße 10 in dem kleinen Dorf Spielberg ist über die A 66, Ausfahrt Bad Orb/Wächtersbach und die B 276 zu erreichen.Für Gruppenführungen im

Museum und den Ausstellungskatalog sollten Interessenten sich per E-Mai an info@brachttal-museum.de wenden. Weitere Infos: www.brachttal-

museum.de

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