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Umfrage in Hanau und Main-Kinzig Ärzte zeigen Scheu vor Aids

Für Menschen mit HIV ist es sehr schwierig, einen Zahnarzt zu finden. Manche Mediziner lehnen die Behandlung von HIV-Positiven strikt ab, wie die Aids-Hilfe jetzt aufgedeckt hat. Von Ute Vetter

20.03.2010 00:03
Ute Vetter
Burkhard Ruwe von der Aidshilfe Hanau klärt über HIV und Aids auf. Foto: Chris Hartung

Wer meint, das Thema HIV und Aids sei langsam aus der Tabuzone heraus, der irrt. Und wer glaubt, insbesondere Mediziner seien diesbezüglich aufgeklärt, irrt erst recht. Mit "Ekel, Abscheu und Abwehr", so Burkhard Ruwe, hätten einige niedergelassene Mediziner aus Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis auf eine Ärzteumfrage der Aids-Hilfe reagiert.

Ruwe, der Vorsitzende des Vereins, hatte sie vor rund einem halben Jahr initiiert, "weil wir immer wieder Anfragen von Menschen mit HIV und/oder Hepatitis bekamen, die auf der Suche nach Ärzten, insbesondere Zahnärzten waren".

Sobald sie in Praxen von ihrer Infektion berichteten, seien sie entweder nicht behandelt worden oder hätten keine weiteren Termine mehr bekommen.

Erstaunliche Unkenntnis

Die Aids-Hilfe befragte rund 150 allgemeinmedizinische Praxen sowie 200 Zahnarztpraxen (jeweils Hanau und Kreis). Nach einer ersten telefonischen Kontaktaufnahme waren ein Drittel der Allgemein- und rund 100 Zahnmediziner einverstanden, Fragebögen auszufüllen.

Doch nur elf Allgemein- und 22 Zahnärzte antworteten tatsächlich. "Einschließlich der mündlichen, telefonischen Zusagen von Arztpraxen haben wir nun immerhin eine Liste von zwölf Allgemein- und sieben Zahnmedizinern in Hanau und im Kreis, die uns erlauben, unsere Klientinnen und Klienten an sie weiterzuleiten", so Huwe.

Hauptgrund für eine Ablehnung war der angeblich höhere Hygieneaufwand bei der Behandlung von Menschen mit HIV. Huwe: "Das ist unbegründet - in einer Praxis muss generell so hygienisch gearbeitet werden, dass dort kein Übertragungsrisiko besteht." Erstaunlich fand er, dass viele der Gesprächspartner in den Praxen "nichts mit den Begriffen HIV und Aids anzufangen wussten".

Insgesamt sei es für Menschen mit HIV aus Hanau und dem Kreis deutlich leichter, eine allgemeinmedizinische Praxis zu finden, die sich ihrer Erkrankung gegenüber aufgeschlossen verhält, als eine zahnmedizinische.

Als Konsequenz aus der Umfrage will die Aids-Hilfe mit ihrem Landesverband, den Gesundheitsämtern sowie Kassenärztlichen Vereinigungen über Möglichkeiten zur Abhilfe nachdenken. "Denn rund 30 Prozent aller in der EU lebenden Menschen mit HIV wissen gar nichts von ihrer Infektion und das sind doch keine Verbrecher", erklärt Huwe. Dabei könnten HIV-Infizierte bei guter ärztlicher Begleitung und Therapie die Infektiosität so senken, dass eine Übertragung der HIV-Infektion selbst bei sexuellen Kontakten unwahrscheinlich sei.

Laut Huwe sind Homo-und Bisexuelle (etwa 15 Prozent der deutschen Bevölkerung) nicht mehr das Hauptklientel der Aids-Hilfe. "Die sind am besten aufgeklärt und getestet." Viel schwieriger zu erreichen seien die 30- bis 45-jährigen Heterosexuellen, die aus ihren Beziehungen ausbrächen und sich nicht testen ließen.

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