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Singen wie die Profis

Nidderau Aufwendige Operettenproduktion „Die Csárdásfürstin“ überwiegend mit Laien besetzt

Unscheinbar liegt das Vereinshaus im Heldenberger Wohnquartier, ohne die abendliche Stille zu durchbrechen. Drinnen herrscht der Trubel der Wiener Operettenwelt. „Ja, so ein Teufelsweib“ jubiliert der Chor im heftigen Tanzschritten, dass der Boden des Saals im Haus der Sängervereinigung bebt. In der Etage darüber wird auch getanzt. Dort wird Ballettchoreografie einstudiert. Nach einem Jahr Vorbereitung geht das Projekt in die Endphase. Mitte März ist Premiere von „Die Csárdásfürstin“ nach Emmerich Kálmán. Für die Inszenierung bringt Leonore Kleff, Organisatorin und Musikalische Leiterin, 60 Akteure auf die Bühne, die meisten davon sind Laien.

„Es handelt sich um keinen festen Chor. Das gestaltet das Vorhaben schwierig“, sagt Kleff. Dass der Chor unter den Name „Musical-Familie“ firmiert und Mitglied bei der Sängervereinigung ist, ergibt sich eher aus der Notwendigkeit heraus für die unzähligen Stunden Probenräume und eine Halle zu bekommen. Der Zusammenhalt muss nicht nur über ein Jahr bis zur Aufführung bestehen. Alle zwei Jahre gibt es eine Inszenierung. Vor der Operette präsentierte die Musical-Familie „My Fair Lady“ und „Im Weißen Rößl“. Dabei scheint Kleff den Schlüssel zu Motivation gefunden zu haben. „Die Leute haben viel Freude am Projekt und sie schätzen den netten Umgang.“ Gleichwohl nehme sich manch einer auch die Freiheit zu sagen, dass ihm die „Csárdásfürstin“ nicht liege und er es diesmal lasse.

Nicht so Conny Meister, sie trat schon als Eliza Doolittle auf und spielt nun die Nebenrolle der „Anastasia“. Zudem übernimmt sie Produktion das Einsingen des Chors, bevor der mit Kleff die Lieder einübt. „Ich haben mal angefangen Musik zu studieren, aber gemerkt, dass es nicht gut ist, das Hobby zum Beruf zu machen“, sagt Meister. Über ihre Leidenschaft Singen ist die Hebamme zum Projektchor gestoßen.

Der für die „Csárdásfürstin“ 30-köpfige Chor ist weitgehend aus Nidderau besetzt worden. Das aus 15 Personen bestehende Streichorchester hingegen nicht und Leiter Benedikt Bach lebt in Bad Vilbel. Die Hauptrollen hat Kleff mit Rebecca Wokittel (Sopran), eine Juristin aus Neu-Anspach, und Mykolas Nechajus, Tenor im Chor der Frankfurter Oper, besetzt. Kleff zur Auswahl: „Ich bin kein Freund des Castings, bei dem fünf kommen und vier nach Hause geschickt werden. Ich habe im Kopf, wer zu einer Rolle passt.“ Neid komme im Chor nicht deshalb auf. Man weiß: „Für mich ist der Chor das wichtigste, das Tragende in der Produktion.“

Bei der Stückauswahl orientiert Kleff vor allem am Publikum. „Auf dem Land kann man keine Experimente machen.“ Die acht Aufführungen müssen fast ausverkauft sein, um das laufende und das nächste Projekt zu finanzieren. Musicals kommen immer gut an, aber die Verlage geben sich bei der Rechtevergabe oft schwierig, wenn ein Laienensemble nachfragt. Das sei anderes im Fach Klassik. „Und die Operette ist wieder im kommen.“

Leonore Kleff ist in die Szene nicht unbekannt. Knapp 40 Jahre unterrichtete sie an der Nidderauer Berta-von-Suttner-Schule Englisch und Musik. In dieser Zeit stellte sie einen großen Schulchor sowie mit Schülern und Erwachsene sieben große Musical- und Operninszenierungen mit bis zu 100 Akteuren auf. Für dieser besondere Form der Kulturförderung erhielt sie unter anderen das Bundesverdienstkreuz.

Mit ihrer Pensionierung war für Kleff, die aktuell mit Csárdásfürstin-Regisseurin Michaele Scherenberg auch in Sachen Kleinkunst unterwegs ist, nicht Schluss. „My Fair Lady“, „Im Weißen Rößl“ und „Die Csárdásfürstin“ sind wie ein Vollzeitjob, bemerkt Kleff ohne klagenden Ton. Denn sie sagt: „Ich lebe das einfach.“

Premiere zu „Die Csárdásfürstin“ ist am 18. März in Nidderau. Info unter www.leonorekleff.de

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