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Meister der Täuschung

Der Maler Claus Delvaux erhält am Sonntag im Schloss den Cläre-Roeder-Münch-Preis

Das ist doch mit der Kamera aufgenommen", sagt der Frankfurter Fotograf beim ersten Blick auf das zur Karte verkleinerte Bild des Sachsenhäuser "Colosseo". Erst beim näheren Betrachten des Originals sieht er den feinen Pinselstrich und erkennt, dass der blaue Himmel doch allzu monochrom ist, um wahr zu sein. Claus Delvaux ist ein Meister darin, Architektur täuschend wirklichkeitsnah abzubilden. Und doch sind seine Werke mehr als nur technisch brillante fotorealistische Arbeiten: Eine Perspektive, eine Fläche oder ein Detail sind immer anders, als sie es auf einem Foto wären.

Auch die Farben bewahren die Gemälde vor Postkarten-Optik: Der Künstler verwendet wasserlösliche Gouache, was seinen Bildern eine matte Oberfläche und besonderen Reiz verleiht.

Claus Delvaux lebt in Frankfurt, ist aber künstlerisch auch in Hanau verwurzelt: Er ist Mitglied des Kulturvereins, schon mehrfach waren seine Werke in Schloss Philippsruhe und dessen Remise zu sehen. Das dort Präsentierte scheint auch die Kunstjuroren der Stadt um Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) beeindruckt zu haben, denn am Sonntag erhält Claus Delvaux den Cläre-Roeder-Münch-Preis. Die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung wird alljährlich an einen gegenständlich schaffenden Künstler im Raum Hanau verliehen.

Der Verleihung schließt sich eine Ausstellung in Schloss Philippsruhe an: Dort wird vier Wochen lang ein Querschnitt des künstlerischen Schaffens von Claus Delvaux zu sehen sein. Wer seine Werke kennt, glaubt kaum, dass der Maler einst eine langjährige Schaffenspause einlegte, weil ihm "nichts mehr einfiel".

Kreative Durststrecke

Die kreative Durststrecke erwischte den heute 59-Jährigen nach dem Studium: Claus Delvaux hatte sich zunächst an der Frankfurter Städelschule ausbilden lassen und dann an die Universität gewechselt, um Kunst und Englisch auf Lehramt zu studieren - den Beruf des Lehrers übt er bis heute aus. Nach der Uni packte der gebürtige Marburger den Pinsel weg und erfüllte sich einen Jugendtraum: Zehn Jahre lang spielte er als Schlagzeuger in einer Band. Als 2000 die Nachfrage für eine Ausstellung kam, entdeckte Delvaux die Lust am eigenen Schaffen wieder - und als Motiv seine Liebe zur Architektur.

Die modernen Bauten in Frankfurt lieferten ihm in diesen Jahren viele Vorlagen. Im Kontrast dazu stehen - atmosphärisch, nicht stilistisch - Bilder von seinen Reisen: stimmungsvolle Ansichten aus Bangkok, Venedig und zuletzt von den Malediven, denen Delvaux eine umfangreiche Serie widmete. Ihm gelingt darin das Kunststück, berauschend schöne Bilder zu schaffen, die doch niemals ins nur Dekorative oder gar Kitschige abgleiten. Und Wasser kann er ohnehin malen wie nur wenige: "Da sitze ich aber auch manchmal sehr lange daran", sagt Claus Delvaux.

Die Preisverleihung ist am Sonntag, 3. Mai, 16 Uhr, in Schloss Philippsruhe. Die Ausstellung dauert bis zum 31. Mai, dienstags bis sonntags 11 bis 18 Uhr.

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