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Main-Kinzig Empörung über Bahnplanspiel

Der seit 25 Jahren diskutierte Ausbau der Kinzigtalstrecke gehört zu den Großprojekten, die Bahnchef Rüdiger Grube bei der Finanzplanung im Verkehrsetat für nicht realisierbar hält. Doch die Politiker halten am Ausbau fest. Von Jörg Andersson

22.01.2010 00:01
Jörg Andersson
ICE-Durchfahrt in Gelnhausen: Den schnellen Zügen auf der Ost-West-Achse muss der Nahverkehr ausweichen. Foto: Rheker/FR

Der SPD-Unterbezirksvorsitzende hatte sich für den Neujahrsempfang am heutigen Freitag in Langenselbold frühzeitig Notizen gemacht. Im Ausblick auf 2010 spielt für André Kavai die Kinzigtalbahn eine zentrale Rolle. "Die Strecke muss in den Investitionsplänen des Bundesverkehrsministeriums neu priorisiert werden", heißt es in einer vorab verbreiteten Erklärung.

Seitdem eine "geheime Streichliste" der Bahn publik ist, sind die Befürchtungen des Kreisverkehrsdezernenten Kavai Gewissheit, dass es ohne einen Durchbruch vor 2022 keinen Ausbau der Strecke und kaum Modernisierungen von Bahnhöfen, dafür aber weiter regelmäßig unpünktliche Züge gebe. Der seit 25 Jahren diskutierte Ausbau der Strecke gehört zu den Großprojekten, die Bahnchef Rüdiger Grube bei der Finanzplanung im Verkehrsetat für nicht realisierbar hält.

Kavai, seine Parteifreunde aber auch andere Politiker wissen seit langem um den Planungsstillstand und die Finanznot. Zuletzt wurde 2002 eine Raumempfindlichkeitsstudie mit drei Trassenvarianten, darunter eine als "Mottgers-Spange" bekannte Strecke durch den Nordspessart, vorgestellt. Danach führten noch einmal zumeist örtliche Kritiker das Wort und es wurde still um das mit 1,4 bis 2,5 Milliarden Euro veranschlagte Projekt. Erst vor drei Jahren schwante Politikern von Wiesbaden über Frankfurt bis Fulda, dass sich ohne konkrete Streckenplanung nichts tun werde. Doch eine Vereinbarung, bis zu 25 Millionen Euro vorzufinanzieren, unterschrieb die Bahn nie.

Nun folgen Schuldzuweisungen in viele Richtungen. Der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, Rainer Krätschmer, spricht von einem gravierenden Fehler, die völlig überlastet Strecke nicht auszubauen. Der Bürgermeister ist auch vor der eigenen Haustür betroffen: Umbaupläne für den Bahnhof Wächtersbach werden seit zwanzig Jahren verschoben.

Grube stelle es so dar, als ob der Bund als Geldgeber die Schuld an den Streichungen trage, entscheide aber selbst, welche Projekte gestrichen werden, sagt SPD-Verkehrssprecher Heinrich Schüssler. Das sei "dreist", denn die Bahn als öffentliches Unternehmen müsse auch die Bürgerinteressen im Auge haben. "Die Bahn belügt uns seit Jahren und stellt Profitdenken über die eigene Verantwortung für die Pendler in der Region", ergänzt der Kreistagskollege und Landtagsabgeordnete Heinz Lotz.

Derweil sieht der SPD-Bundestagsabgeordnete Sascha Raabe nun Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in der Pflicht. Der dürfe sich nicht von Planern der Bahn auf der Nase herumtanzen lassen. Die Kinzigtal-Bahn dürfe nicht aufs Abstellgleis. "Ramsauer muss alles daran setzen, damit das Projekt mittelfristig realisiert werden kann."

Derweil verweist die CDU auf die Verantwortung des Vorgängers. Ex-Minister Tiefensee (SPD) habe "ungesicherte Versprechungen und schöne Worte" gemacht, ohne dafür Schecks auszustellen, schreibt der frisch ins Berliner Parlament gewählte Peter Tauber. Überhaupt hält er das Gerede für unverantwortlich. Eine offizielle Streichliste für wichtige Schienen-Projekte existiere nicht. Aktuell werde der Eindruck erweckt, der Ausbau sei gescheitert. "Die Kinzigtal-Bahn bleibt auf der Tagesordnung", widerspricht Tauber. Zeitnah gebe es sogar einen Termin vor Ort mit dem Staatssekretär Rainer Bomba , der lange Jahre die CDU in Steinau führte.

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