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Kommerzieller Erfolg war nie sein Ziel

Reverend Schulzz hat seine dritte CD herausgebracht – und denkt manchmal noch an die alte Schweinehalle

Reverend Schulzz komponiert seine Songs selbst. Foto: Rheker

Das „scheinbar Belanglose“ ist es, das Reverend Schulzz interessiert: Das Daumenkino, das Mädchen aus der Apotheke, das Pferd auf dem Wilhelmsbader Karussell, das dort unzählige Runden gedreht und Fahrgäste transportiert hat – und selbst niemals von der Stelle gekommen ist.

Das Gefühlsdrama, die großen gesellschaftlichen Fragen – das würde auch gar nicht zur Musik der 45-jährigen Hanauers passen, die lakonisch ist und sanft, manchmal ein bisschen schwermütig und immer ohne wilde Ausbrüche; ein schöner, ruhiger Folk. Reverend Schulzz trägt ihn mit einer interessanten, leisen, leicht rauchigen Stimme vor, begleitet von akustischer Gitarre, der Harmonika oder der Ukulele.

Zu hören ist das auf seiner neuen – seiner dritten – CD mit dem Titel „Hobo Submarine“, die Reverend Schulzz zusammen mit der Band The Holy Service bei der Hanauer Produktionsfirma United Powerfields aufgenommen und beim Label Cellarphon herausgebracht hat. Mit seinen durchweg selbst komponierten, melodiösen Folksongs erreicht Schulzz nicht die breite Masse, ist aber in einer kleineren Szene in ganz Deutschland gefragt. In Hanau kennen Reverend Schulzz viele auch unter seinem bürgerlichen Namen Dirk Schulz und durch seine frühere Funktion als Vorsitzender des Trägervereins der Schweinehalle. Dass der einstige Kulturtempel mit der unvergleichlich düsteren Atmosphäre, Mitte der 90er einer der außergewöhnlichsten Veranstaltungsorte im Rhein-Main-Gebiet, inzwischen einem Einkaufszentrum Platz gemacht hat, findet der Musiker schade.

„Ich finde, das Postcarré mit seiner pragmatischen Architektur ist ein Schandfleck. Früher hat man das ja über die Schweinehalle gesagt.“ Schlimmer noch als der Neubau sei aber die Zeit des Leerstands gewesen. Dass sich nie ein echter Ersatz für die Schweinehalle fand, bedauert Schulzz sehr.

Kontakt mit vielen seiner Mitstreiter von damals hat Reverend Schulzz immer noch, so begleitet ihn Gitarrist Andi Kerl auch bei der neuen CD: „Die Widrigkeiten haben uns zusammengeschweißt“, sagt Schulzz und spielt damit auf die Probleme an, die der Verein hatte, ehrenamtlich einen großen Kulturbetrieb organisieren und sich auch gegen Anfeindungen behaupten zu müssen.

Schon damals, in den 90ern, war Schulzz als Solomusiker unterwegs. Auf den „Reverend“ kam er übrigens nicht durch sein Studium der Theologie und Philosophie, sondern weil er den eigenen Namen „so langweilig“ fand und „Titel wie der Reverend in der Blues-Szene Tradition hatten“.

Schulzz hat sich kaum verändert seither, nur die früher kunstvoll-nachlässig in alle Richtungen abstehende Frisur ist weg. Er jobbt immer noch im selben alternativen Frankfurter Café, er verweigert sich weiter dem Geschmack des Mainstreams und jeglichen Ambitionen, mit der Musik Geld zu verdienen. „Ich wollte nie kommerziell erfolgreich sein. Dann müsste ich ja etwas machen, das ich selbst nicht gut finde. Und das geht gar nicht.“

Das nächste Konzert in Hanau geben Reverend Schulzz & The Holy Service am Samstag, 3. September, um 18.45 Uhr beim Bürgerfest im Zelt 10 auf den Mainwiesen.

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