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Internet-Betrug Ermittlungen gegen Proinkasso

Jüngst sind wieder dubiose "Verbraucher-Umfragen"-Mahnungen aus Hanau massenhaft aufgetaucht. Gegen die Verantwortlichen ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Hannover. Von A. Polaschek

16.12.2009 00:12
Alexander Polaschek
Ausgerechnet aus dem öffentlich mitfinanzierten Hanauer Technologie- und Gründerzentrum (TGZ) an der Rodenbacher Chaussee 6 überschwemmen nach wie vor Mahnbriefe zugunsten verschiedener Internet-Abzocker und Abo-Fallensteller das Land. Während die heimischen Behörden keine Handhabe fanden, geht nunmehr die Staatsanwaltschaft Hannover gegen die Inkassofirma vor, die bereits vor vier Jahren wegen "unseriöser Praktiken" aus dem Bund deutscher Inkassounternehmen flog. Foto: Sascha Rheker

Genau 153,47 Euro soll FR-Leser Helmut S. aus Bad Saarow für eine "Verbraucher-Umfragenwerk Dienstleistung" nebst Mahn-und Inkassokosten überweisen. Doch er kennt weder eine Firma dieses Namens noch hat er wissentlich eine derartige Dienstleistung in Anspruch genommen.

In der Zahlungsaufforderung der Hanauer Geldeintreiber-Firma Proinkasso ist von einer "AnmeldeIP", einer Computeradresse im Internet, die Rede. Aber der 82-jährige angebliche Schuldner besitzt weder Computer noch Internetanschluss.

Der Sohn des Brandenburger Rentners, ein Kripobeamter, hat Anzeige wegen Betrugsverdachts gestellt, eine von vielen, die sich seit Monaten bei der Hanauer Staatsanwaltschaft ohne erkennbare Konsequenz stapeln.

Ausgerechnet aus dem öffentlich mitfinanzierten Hanauer Technologie- und Gründerzentrum (TGZ) an der Rodenbacher Chaussee 6 überschwemmen nach wie vor Mahnbriefe zugunsten verschiedener Internet-Abzocker und Abo-Fallensteller das Land.

Während die heimischen Behörden keine Handhabe fanden, geht nunmehr die Staatsanwaltschaft Hannover gegen die Inkassofirma vor, die bereits vor vier Jahren wegen "unseriöser Praktiken" aus dem Bund deutscher Inkassounternehmen flog.

"Gegen die Verantwortlichen von Proinkasso wird wegen des Verdachts der Geldwäsche und des Betrugs ermittelt", sagte Oberstaatsanwalt Manfred Knothe der Frankfurter Rundschau.

Bei einer Hausdurchsuchung in den Räumen der Firma im TGZ seien Unterlagen und Dokumente in elektronischer Form sichergestellt worden. In dem Verfahren geht es um Zahlungen, die Proinkasso für die Internet-Seite "Mega-Downloads.net" eingetrieben haben soll. Dort wurde das Herunterladen kostenloser Software mit einem kostenpflichtigen Abonnement verknüpft, das zu Zahlungsaufforderungen über 170 Euro führte.

Konten sind beschlagnahmt

Die Hannoveraner Betreiber der Seite stehen laut Staatsanwaltschaft unter Betrugsverdacht. Nachdem ihr örtliches Inkassobüro wegen der Beschlagnahme des Bankkontos mit rund einer Million Euro lahmgelegt gewesen sei, habe sich der Geldstrom auf ein Proinkasso-Konto in Frankfurt verlagert. Auch dieses wurde beschlagnahmt und bei einem Stand von 354000 Euro aufgelöst.

Die mehr als 2000 Einzahler, die sich von massiven Pfändungsdrohungen einschüchtern ließen und die mutmaßlich unberechtigte Forderung erfüllten, könnten jedoch vorerst nicht mit einer Rückzahlung rechnen, sagt Knothe: "Sie müssen zunächst einen zivilrechtlichen Titel erwirken."

Der Geschäftsbetrieb bei der Proinkasso, die für Stellungnahmen nicht erreichbar ist, geht indessen weiter. Die "Verbraucher-Umfragen"-Mahnungen aus Hanau sind jüngst massenhaft in Brandenburg aufgetaucht, wie die Verbraucherzentrale warnt. Das TGZ hat Proinkasso bereits im Juli fristlos gekündigt. Laut Stadtrat Ralf-Rainer Piesold (FDP) setzte sich die Firma jedoch zur Wehr. Das Mietverhältnis ende deshalb erst zum Jahreswechsel.

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