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Hutierkaserne Als man sparsam baute

Seit 2007 steht die historische Hutierkaserne mit ihren märchenhaft runden Treppenhaustürmen und spitz zulaufende Dächern leer. Insgesamt besteht die Kaserne aus neun Gebäuden, die sich wie ein Hufeisen um einen großen früheren Exerziergruppieren. Derzeit steht der Gebäudekomplex zum Verkauf.

Die benachbarte Hessen-Homburg-Kaserne um 1915. Foto: Geschichtsverein

Aus einiger Entfernung erscheinen die Gebäude der Hutier-Kaserne im Lamboy durchaus imposant: ein 100 Jahre altes Ensemble im historisierenden Stil, mit nicht so aufwendigen Fassaden wie die benachbarte Hessen-Homburg-Kaserne zwar, aber doch schmuck und fast ein bisschen märchenhaft mit den runden Treppenhaustürmen, die spitz zulaufende Dächer krönen.

Aus der Nähe jedoch bröckelt der Putz an allen Häusern, vor den Eingängen wuchert das Unkraut. Ein Eindruck, der sich im Inneren fortsetzt. Die leeren langen Flure, die nackten Ausbuchtungen in den Wänden, in denen früher Gewehre hingen, tote Stromkabel und vergammelte Waschbecken strahlen die Aura des längst Verlassenen aus – ein Prozess, der seit Ende 2007 im Gange ist, als die US-Army die Hutier-Kaserne verließ.

Führung mit Geschichtsverein

Innen wird nicht viel bleiben, wie es war, nur das schöne Treppengeländer, denn das stammt noch original aus der Bauzeit von 1911 bis 1913, sagt Jens Arndt vom Geschichtsverein 1844. Er führte am Samstag beim „Tag der offenen Tür“ Besucher durch die Hutierkaserne – eine der wenigen und letzten Gelegenheiten, eines der Häuser zu besichtigen. Denn die Gebäude stehen zum Verkauf, ein modernes Büro- und Dienstleistungszentrum soll entstehen, wo sich nahezu ein Jahrhundert lang nur Uniformierte aufhielten.

An zwei Gebäuden sind bereits Gerüste angebracht: Sie werden derzeit von der Firma R+S aus Fulda saniert, einer Firma für Gebäudetechnik. Der international agierende Konzern hat die beiden großen Häuser erworben, die an der Lamboystraße liegen, und soll nach FR-Informationen noch weitere kaufen wollen.

Wieder zu haben ist dagegen das historische Gebäude, das direkt an die neue Hauptfeuerwache grenzt: Eigentlich sollte es Teil des Gefahrenabwehrzentrums werden und Rettungsdienste wie das Deutsche Rote Kreuz beherbergen. Diese Pläne hätten sich allerdings als „wirtschaftlich nicht sinnvoll“ erwiesen, sagt Martin Bieberle, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung, der Frankfurter Rundschau. Gegenüber soll nun deshalb für diesen Zweck neu gebaut werden.

Von Bomben verschont

Insgesamt besteht die Hutierkaserne aus neun Gebäuden, die sich wie ein Hufeisen um einen großen früheren Exerzier- und heutigen Parkplatz gruppieren. Die langen Gebäude links und rechts waren die Mannschaftshäuser, jeweils dazwischen lagen die Kantinen, am Kopfende steht das ehemalige Kammergebäude. Ein weiteres, etwas abseits stehendes Haus wurde früher als Garnisonsgefängnis genutzt. Die heutige U-Form war ursprünglich übrigens ein Rechteck: Das einstige Stabsgebäude am Standort der Feuerwache wurde im Krieg zerstört. Das widerlege die Legende, die Alliierten hätten jene Flächen verschont, die sie selbst nutzen wollten, sagt Jens Arndt.

Dass gleichwohl etliche Kasernen im Lamboy stehen blieben, habe damit zu tun, dass die Engländer sich für ihren vernichtenden Angriff 1945 gezielt die Innenstadt vornahmen.

Ein weit weniger trauriges Kapitel ist die Entstehungsgeschichte der Hutier- und der Hessen-Homburg-Kaserne – und die Erklärung, warum die Architektur der einen sparsamer ausfiel als die der anderen. Beide Komplexe entstanden auf Gesuch des Kriegsministeriums für die Eisenbahnregimenter. Den Bau der zuerst nachgefragten Hessen-Homburg-Kaserne von 1908 bis 19010 schrieb die Stadt damals öffentlich aus, erzählt Arndt. Als das Kriegsministerium das zweite Mal vorstellig wurde, dachte sich Oberbürgermeister Eugen Gebeschus: „Das können wir auch allein“ – und vergab sämtliche Aufträge für den Bau der Hutier-Kaserne an Hanauer Betriebe: „So blieb auch die gesamte Gewerbesteuer in der Stadt“, erklärt Arndt. Das Ergebnis: weniger Sandstein, mehr kostengünstiger Beton.

Insgesamt waren 4800 Eisenbahner vor dem Ersten Weltkrieg im Lamboy stationiert. An die Geschichte des Quartiers soll künftig auf dem früheren Kasernenplatz erinnert werden, den die Stadt umgestalten und nach Sophie Scholl benennen will. Arndt findet die Wahl unpassend, „weil dieses Ensemble mit Militärhistorie zu tun hat.“ Der Geschichtsverein hatte den Architekten der Kaserne, Hans von Priesdorff, als Namensgeber vorgeschlagen.

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