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Hanau Gedenkstätte Ghettomauer

Mit einem neuen Mahnmal will Hanau die Erinnerung an seine ermordeten jüdischen Bürger wachhalten. 230 Bronzetäfelchen an der Wand des alten jüdischen Ghettos tragen die Namen der Ermordeten.

31.05.2010 00:05
Ute Vetter
"Sie geben Menschen mit dieser Gedenkstätte ihr Gesicht und ihre Würde zurück - Hanau ist eine Stadt, die zu ihrer Geschichte steht". Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland (rechts im Bild neben Hanaus OB Claus Kaminsky), war am Sonntagnachmittag Ehrengast der Einweihungsfeier der "Gedenkstätte Ehemalige Ghettomauer" am Freiheitsplatz. Foto: Sascha Rheker

"Sie geben Menschen mit dieser Gedenkstätte ihr Gesicht und ihre Würde zurück - Hanau ist eine Stadt, die zu ihrer Geschichte steht". Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, war am gestrigen Sonntagnachmittag Ehrengast der Einweihungsfeier der "Gedenkstätte Ehemalige Ghettomauer" am Freiheitsplatz.

Etwa 300 Menschen besuchten die Zeremonie, darunter Nachfahren der Opfer. So reiste aus London etwa Gerhard Levi an, Sohn von Isaak Levi, der seit 1905 in Hanau lebte und im Frühjahr 1942 in der Region Lublin ermordet wurde. Oder Andrée Fischer-Marum, Enkelin des letzten Hanauer Gemeinderabbiners Hirsch Gradenwitz. Und Daniel Schwab, Urenkel der Familie Max Schwab.

Knobloch erinnerte an das Motto des Festaktes: "Menschlichkeit erwächst aus der Verantwortung für die Vergangenheit". Und an die 400 Jahre alte Tradition des Zusammenlebens von Juden und Deutschen in Hanau dank der 1603 von Graf Philipp Ludwig II. von Hanau-Münzenberg verfügten Judenstättigkeit. Es sei wichtig, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen.

Die Nachkommen der Deutschen hätten "keine Schuld, das ist etwas Individuelles und nicht übertragbar". Aber "braune Aufmärsche sind von vornherein zu unterbinden". Sie sei schockiert, dass wieder Synagogen brennen, das zeige jetzt der Brandanschlag auf die Synagoge Worms. Die Politik müsse hier Einhalt gebieten.

Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) betonte, mit der Gedenkstätte dem "immerwährenden Auftrag nachzukommen, die verabscheuungswürdigen Taten von 1933 bis 1945, die Erinnerung an die Hanauer Ermordeten und Verfolgten des NS-Regimes nicht zu vergessen und zu gemahnen: Nie wieder!".

Das gelte aktuell angesichts von Anschlägen wie jetzt in Worms, von Wandschmierereien oder von Gerichten zugesprochenem freien Geleit bei Neo-Nazi-Aufmärschen. Er betonte, in Hanau widmeten sich etliche Menschen der Aufarbeitung des NS-Regimes, und man unterstütze die 2005 neu gegründete Jüdische Gemeinde nach Kräften.

Moritz Neumann, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinden in Hessen, lobte die Gedenkstätte als Zeichen für eine bessere gemeinsame Zukunft.

Nachdem Hanauer Schüler die Namen von 230 ermordeten Hanauer Juden vorgelesen hatten, sprach der Offenbacher Rabbiner Menachem Mendel Gurewitz ein Totengebet an der ehemaligen Ghettomauer. Im 17. Jahrhundert als Begrenzung des Judenghettos erbaut, ist sie heute eine der letzten ihrer Art und ein Kulturdenkmal. Nun sind in ihr 230 Bronzetäfelchen eingelassen. Jedes trägt den Namen und die biografischen Daten eines Hanauer Juden, der von Nazis ermordet wurde.

Finden sich zukünftig weitere Daten ehemaliger Hanauer Juden, so werden auch diese auf Bronzetäfelchen verewigt.

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