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Hanau/Aschaffenburg Die Määkuh wird Museum

Jahrzehntelang tuckerte ein ungewöhnliches Gefährt den Main an einer schweren Kette hinauf und hinab. Der letzten "Määkuh" drohte die Schrottmühle - doch nun ist das Industriedenkmal gerettet.

Für die "Määkuh" hat sich überraschend das Blatt zum Guten gewendet. Das Aschaffenburger Rathaus berichtet, dass der vermutlich letzte Main-Kettenschlepper, der einst zwischen Hanau und Bamberg Lastkähne zog, saniert und künftig sein Dasein am Mainufer fristen werde. Die Stadt Hanau hatte im Sommer wie andere Anrainerkommunen einen Obolus zur Instandsetzung des 110 Jahre alte Schiffes angekündigt, das den Status eines Industriedenkmals besitzt. Foto: Stadtarchiv Aschaffenburg

Für die "Määkuh" hat sich überraschend das Blatt zum Guten gewendet. Das Aschaffenburger Rathaus berichtet, dass der vermutlich letzte Main-Kettenschlepper, der einst zwischen Hanau und Bamberg Lastkähne zog, saniert und künftig sein Dasein am Mainufer fristen werde.

Die Stadt Hanau hatte im Sommer wie andere Anrainerkommunen einen Obolus zur Instandsetzung des 110 Jahre alte Schiffes angekündigt, das den Status eines Industriedenkmals besitzt.

Der Schlepper wurde mehr als 50 Jahre als Schwimmkörper für ein Flussrestaurant bei Aschaffenburg genutzt. Ein hölzerner Aufbau für den Lokalbetrieb prägte den Charakter Schiffes der Königlich Bayerische Kettenschleppschiffahrt-Gesellschaft.

Wegen des des undicht gewordenen Rumpfes musste die Gastronomie aufgegeben werden. Dem Besitzer wurden die Reparaturen zu viel. Der Verkauf der Määkuh stand an. Große Hoffnungen machte sich ein eilens gegründeter Förderverein. Bertold Gall (CDU), Landrat des Main-Taunus-Kreises, der als Initiator der Rettungsaktion gilt, wollte den Schlepper nach Flörsheim holen, um ihn dort einen dauerhaften Liegeplatz zugeben.

Der Besitzer einer Schrottfirma erhielt den Zuschlag

Den Zuschlag für das 150 Tonnen schwere Schiff erhielt jedoch der Aschaffenburger Alois Westarp. Unter den Määkuh-Rettern herrschte Entsetzen. Westarp äußert sich nicht nur ungern in der Öffentlichkeit, sondern betreibt auch eine Verschrottungs- und Entsorgungsfirma.

Jetzt wurde bekannt, dass das Industriedenkmal nicht in Shredderer und Schmelzofen gelandet ist, sondern von Westarp restauriert wird. Über Details hierzu gab es von Alois Westarp keine Auskünfte. Bernd Keßler, Stadtentwicklungsreferent bei der Stadt Aschaffenburg, sagte auf Anfrage, dass der Urzustand nicht wieder hergestellt werde. Aufbauten wie das Ruderhaus oder der Schornstein seien nicht mehr vorhanden. Es gehe nunmehr um eine Sanierung des Schwimmkörpers, der eine Ausstellung zur Kettenschiffahrt auf dem Main und eine Terrasse für eine Außengastronomie aufnehmen soll.

Neben der Määkuh soll ein Gebäude für ein Lokal entstehen. Der Main wird den Rumpf des Schleppers nicht mehr umspülen. Der Aschaffenburger Magistrat hat sich für den Schlepper samt Gastromiegebäude schon zwei Plätze unterhalb des Schlosses ausgeguckt. Derzeit werden Gutachten erstellt. Das Stadtparlament werde vielleicht vor den Sommerferien eine Standortentscheidung treffen, so Keßler.

Die Gesamtkosten für das Projekt wurden auf bis zu 500.000 Euro geschätzt. Alois Westarp will die Sanierung der Määkuh mit voraussichtlich mehr als 150.000 Euro übernehmen. Das Gastronomiegebäude soll ein privater Investor finanzieren. Die Stadt Aschaffenburg stellt das Grundstück, die Konditionen sind noch offen. Der Förderverein wird sich um die Ausstellung kümmern.

Der Main-Tauber-Kreis und Main-Taunus-Kreis sowie die Städte Frankfurt, Flörsheim, Rüsselsheim und Hanau sollen laut Keßler 2009 ihre Unterstützung bekundet haben. Die Kommunen seien angeschrieben worden, ob dies noch Bestand habe. Aus Hanau habe es noch keine Antwort gegeben. Aus der Pressestelle der Stadt Hanau heißt es, dass die Stadt weithin an dem Projekt Interesse zeige. Der zuständige Stadtrat Ralf-Rainer Piesold (FDP) ist derzeit in Urlaub.

Bis in die 30er Jahren hangelten die Schlepper in dem damals seichten Main an einer armdicken Kette entlang. Ihre volkstümliche Bezeichnung "Määkuh" erhielten die Dampfschiffe wegen ihrem nach einer Kuh klingendne Horn. Bis 1944 soll ein ausrangierter Kettenschlepper in Hanau am Kleinen Main am Kinzdorf gelegen haben.

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