Lade Inhalte...

Eine tanzende Skulptur

Die Installation „Mittlere Sphäre“ von Merja Herzog-Hellstén in der Johanneskirche

Zerfall und Entstehen bilden das Thema der eigens für die evangelische Johanneskirche gefertigten Skulptur „Mittlere Sphäre“. Die in Hanau lebende Künstlerin Merja Herzog-Hellstén hat die Installation geschaffen, die sich in der Mitte des Kirchenraumes befindet.

Knorrige Weinreben verband Herzog-Hellstén zu einem Stamm, darunter hängte sie einen aus Rebenwurzeln montierten Kranz. Beides ist mit dünnen Drahtseilen verbunden, wobei ein luftiger Zwischenraum bleibt. Das mit Kalk bestrichene Rebenholz schwebt, von einem Stahlfaden an der Decke gehalten, über kreisrund am Boden ausgestreutem Mehl. Dieser Kreis bildet die Projektionsfläche für die Schatten des Geästes, wenn Tageslicht den Raum durchflutet.

„Mittlere Sphäre“ symbolisiert den Herbst, erklärt Pfarrerin Margit Zahn. Der Herbst als Mitte zwischen Sommer und Winter – zwischen Werden und Vergehen. Zur schwermütigen Reflexion soll die Skulptur dennoch nicht anregen. „Sie vermittelt extrem viel Lebendigkeit“, erläutert Künstlerin Herzog-Hellstén.

Erst durch das Vergehen von Bestehendem könne Neues geschaffen werden. Die ständige Veränderung drückt sie mit der Beweglichkeit der „Mittleren Sphäre“ aus, die in träge Dreh- und Pendelbewegungen geraten kann – allein vom Luftzug eines Vorbeigehenden. Herzog-Hellstén spricht auch von einer „tanzenden Skulptur“, was sich besonders im Schattenspiel auf dem Mehlkreis abzeichnet.

Das Werk soll provozieren

Merja Herzog-Hellstén ist 1969 in Finnland geboren worden. Sie studierte an der Northern Arizona University in Flagstaff, USA, Bildende Kunst. Seit 1993 arbeitet Herzog-Hellstén als freischaffende Künstlerin und hatte verschiedentlich Lehraufträge. Herzog-Hellstén gestaltete Ausstellungen in den USA, Österreich und in Deutschland. In Hanau war die Finnin mit Arbeiten in der Remisengalerie und im Museum Schloss Philippsruhe vertreten.

In „Mittlere Sphäre“ sieht die Künstlerin neben dem sakralen Aspekt vor allem auch die Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Kunst, die sich jeder absoluten Deutung zu entziehen versucht und damit zu einem ständigen Fragen auffordert. Pfarrerin Margit Zahn sieht darin eine Parallele zu ihrer Arbeit. „Nicht wenige Menschen hinterfragen immer wieder den Sinn des Glaubens“, meint sie.

„Mittlere Sphäre“, ist ab Sonntag, 25. September, 10 Uhr, bis 30. Oktober in der Johanneskirche, Frankfurter Straße, zu sehen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum