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Die Kinzig wird barrierefrei Fische können wieder wandern

Zwischen dem Stausee Ahl und dem Main sollen die Kinzig und ihre Nebenflüsse wieder artenreicher werden - mit Fischtreppen können Barbe, Äsche und Nase die Wehre überwinden. Von Alexander Polaschek

07.08.2009 00:08
Alexander Polaschek
An der Kinzigmühle in Gründau-Lieblos hilft jetzt eine Fischtreppe den Fischen beim Umschwimmen eines Wehrs. "Dort entsteht aus gewässerökologischer Sicht die modernste Wasserkraftanlage im gesamten Kreis", resümiert der Darmstädter Regierungspräsident Johannes Baron. Foto: privat

Schwere Granitquader markieren an der Kinzigmühle bei Gründau-Lieblos ein eigenartiges Wasserbauwerk. Auf einer Strecke von 50 Metern sind 20 Wasserbecken aneinandergereiht und miteinander verbunden, jedes ungefähr zwei mal zwei Meter groß.

Die augenfälligen Bassins sind das Herzstück beim ökologisch orientierten Umbau des Wasserkraftwerks. In Gründau und auch weiter östlich im Main-Kinzig-Kreis werden gegenwärtig Wehre im Flusslauf so verändert, dass sie kein unüberwindliches Hindernis mehr für Fische und Kleinlebewesen darstellen.

Über viele Jahre ist die Biologie der Kinzig und ihrer Nebenflüsse auch deshalb verarmt, weil eine Vielzahl von technischen Barrieren die Wanderung behinderte oder ganz unterband. Anders als zum Beispiel der standorttreu gründelnde Karpfen haben Äsche, Nase und Barbe ähnlich dem Lachs das Vagabundieren in den Genen.

Die idealen Laichplätze sind im Oberlauf des Flusses

Wenn die Fortpflanzungszeit kommt, zieht es sie an den Oberlauf, wo klares Wasser flach über Kiesbänken steht. Das sind die idealen Laichplätze, erklärt Andreas Herz. Der Ingenieur für Gewässerbewirtschaftung im Regierungspräsidium Darmstadt betreut den naturnahen Gewässer-umbau im Main-Kinzig-Kreis. Mit dem Langzeitprojekt will das Land Hessen die EU-Wasser-Rahmenrichtlinie erfüllen.

Zur EU-weit mit Frist bis 2015 geforderten Gewässergüte zählt nicht nur die Sauberkeit des Wassers, sondern auch die Barrierefreiheit mit und gegen die Fließrichtung für Fisch und Kleingetier. In diesem Punkt wird an der Kinzig nach Einschätzung des Regierungspräsidenten Johannes Baron "beispielhaft und richtungweisend" gearbeitet. Besonders an der Gründauer Kinzigmühle am Meerholzer Landweg: "Dort entsteht aus gewässerökologischer Sicht die modernste Wasserkraftanlage im gesamten Kreis", resümiert Baron.

Die ökologisch wünschenswerte Wasserkraftnutzung hat auch Schattenseiten, wie Herz erklärt. Fische überleben es nicht, wenn sie in die Turbine geraten. Verhindern sollen das die Rechen, Gitter aus senkrechten Stahlstäben vor dem Turbineneinlauf. Um auch kleine Fische zu schützen wurde in Lieblos der Abstand der Stäbe halbiert. Zusätzlich erhält die Wasserkraftanlage einen Fischabstieg. Mit einer Welle von 70 Litern in der Sekunde geht es dort für die Flossentiere gefahrlos flussabwärts.

Die spektakulärste Errungenschaft ist die Fischaufstiegshilfe mit den Steinquadern und Becken. Herz: "Pro Sekunde rauschen hier 180 Liter Kinzigwasser über einen Höhenunterschied von über drei Meter hinab." Dadurch werde im Unterwasser ein gezielter Wasserstrahl, eine "Lockströmung" erzeugt. "Die Fische spüren diese Strömung und wandern dann instinktiv über die Fischaufstiegshilfe flussaufwärts in ihre Laichgebiete."

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