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Bürgermeister Hammer hat nun ein Gesicht

Fast 400 Jahre altes Ölgemälde als Darstellung des hochangesehenen Hanauers identifiziert / Detektivarbeit

26.09.2008 00:09
ANDREAS ZITZMANN

Das Ölgemälde, 69 mal 58,5 Zentimeter groß, zeigt einen Herrn, der seiner gediegenen, edel bestickten Kleidung und einer Goldkette mit Brosche (eine "Camée") wegen offensichtlich der Oberschicht angehört. Barttracht und Halskrause deuten auf einen Holländer hin.

Wen das Bild darstellt, wusste bislang niemand. Vermutlich bereits seit seiner Entstehung um 1635 - der Maler ist unbekannt - hängt es in der Wallonisch-Niederländischen Gemeinde. Man hielt den Dargestellten für ein hochwohllöbliches Gemeindemitglied, so Ursula Wegner, Präsesälteste und seit Ende der 70er Jahre Archivarin der Kirche, zur FR.

Seit vergangener Woche ist die Identität bekannt: Das Gemälde stellt Abraham Hammer dar, der von 1568 bis 1641 lebte und ab 1608 Bürgermeister der damaligen Hanauer Neustadt war.

Seine Identifizierung war eine detektivische Leistung: Vor einigen Jahren, erinnert sich Ursula Wegner, besuchten Nachfahren von Abraham Hammer die Grimm-Stadt und zeigten dabei dem Vorsitzenden des Hanauer Geschichtsvereins, Martin Hoppe, eben jene wertvolle Goldkette, die 1610 Graf Philipp Ludwig II. von Hanau-Münzenberg dem Ratsherrn verliehen hatte. Ein Bildnis des Grafen ziert die Camée. Aber erst jetzt, so Wegner, erinnerte sich Hoppe an diese Brosche und das Gemälde, pünktlich zum 440. Todestag von Abraham Hammer.

Damit erhielt auch der Namensgeber der Hammerstraße zwischen Freiheitsplatz und Marktplatz nun endlich ein Gesicht. An der Stelle der heutigen Hausnummer fünf hatte sich Hammer im April 1597 gemeinsam mit Arnold de Lannoy ein Grundstück gekauft. Zuvor lebte er in Frankfurt.

Er war ein reicher Mann

Geboren wurde Hammer, der ursprünglich Hamer hieß, am 23. September 1568 im holländischen Sittard als Sohn eine Spitzenhändlers und Handelsmanns. In Frankfurter Bürgerbüchern findet sich 1591 der Name Abraham Hammers als Seiden- und Spitzenhändler wieder. Mit einem Einkommen von 8000 Gulden war er ein reicher Mann. 1602 wurde er in den Rat der Hanauer Neustadt berufen, als eines der jüngsten Mitglieder des Magistrats.

Er gehörte auch - damit schließt sich der Kreis - zu den Gründungsmitgliedern der Wallonisch-Niederländischen Kirche, weiß Archivarin Wegner. Aus seiner offenbar wohl gefüllten Schatulle flossen reichlich Gulden zum Bau der Kirche. In alten Folianten wird er als einer der am höchsten besteuerten Bürger geführt. Vor den Toren der Stadt besaß er einen Weiher mit "Lusthaus", in dem er Wein und Bier ausschenkte.

Bis zu seinem Tode gehörte Hammer, der auch lange Jahre Colonel der Bürgerwehr war, dem Rat der Neustadt an. Außerdem war er zusammen mit anderen Hanauer Kaufleuten Mitglied der "Grobgrün-Gesellschaft". Sie stellte Wollstoffe her, die weit über die Stadtgrenzen hinaus als "Hanauer Zeug" bekannt wurden. Auf dem Ölbild trägt Hammer auch einen Schal aus eben jenem "Hanauer Zeug".

Was mit dem Gemälde nun geschieht, darüber hat man sich laut Ursula Wegner noch keine Gedanken gemacht. Möglich wäre eine Dauerleihgabe an die Stadt, vielleicht für die Sammlung im Museum Schloss Philippsruhe.

Ungeklärt ist im Übrigen, ob das Bildnis einer Dame, das neben dem von Abraham Hammer hängt, eine seiner beiden Ehefrauen Margarethe van der Hagen oder der Anna Balbian darstellt. Weiterer detektivischer Spürsinn ist gefragt.

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