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Bad Orb Ein sagenhafter Basalt

Rund um den Beilstein bei Bad Orb liegt eines der ältesten Naturschutzgebiete Hessens. Es ist eine Landschaft mit kriegerischer Vergangenheit, aber auch voller Legenden und Märchen.

28.04.2010 00:04
Jörg Andersson
Eine Sage rankt sich um den Beilstein. Sie dreht sich um einen jungen Mann, der mit einer frisch gepflückten Blume in das Innere des Felsens läuft und dort Gold, Silber und Edelsteine entdeckt. Um sich die Taschen zu füllen, wirft er die Blume achtlos weg, worauf die Wände nach einem Grollen einstürzen. Der Mann kann sich gerade noch ohne die seither auf immer verborgenen Schätze ins Freie retten. Foto: Monika Müller

Die schroffe Basaltkuppe mit ihren Felsspalten gilt als einzigartige Naturschöpfung. 1905 war der Beilstein südöstlich von Bad Orb zu einem der ersten Naturdenkmale in Deutschland ernannt worden. Vor 80 Jahren entstand um die geologische Rarität im Spessart eines der ältesten Naturschutzgebiete Hessens.

Als Ausläufer des Vulkanismus im Vogelsberg drang einst Lava in den Spessart ein, wo der Felsen aus dem weicheren Sandstein erodierte und nun 30 Meter aufragt. Die Höhle im Beilstein ist die größte im Landkreis und eine der bedeutendsten in Hessens Basalten. Der 500 Meter hoch gelegene Felsen ist reich an Geschichte und daher zugleich Kulturdenkmal. So finden sich auf ihm Reste einer frühmittelalterlichen Höhenburg aus dem 13. Jahrhundert, die Glashütten und den Spessarthöhenweg sicherte.

Kriegerisch ist die jüngere Vergangenheit. Zweimal ließen Militärs die zu Füßen des Berges liegenden Dörfer Villbach und Lettgenbrunn räumen. Die Häuser dienten im Ersten Weltkrieg den auf der nahen Wegscheide untergebrachten kaiserlichen Soldaten für Nahkampfübungen. Die Wiederbesiedlung 1923 war nur von kurzer Dauer. 1938 wurde die Gemarkung zum Bombenabwurfplatz für den Fliegerhorst Rothenbergen. Auf dem Beilstein stand ein Bunkerturm zur Trefferbeobachtung. Das Gebiet wurde derart umgepflügt, dass sich noch heute Blindgänger finden.

Die kostbare Blume, achtlos weggeworfen

Im Volksmund gibt es noch die Beilstein-Sage. Die dreht sich um einen jungen Mann, der mit einer frisch gepflückten Blume in das Innere des Felsens läuft und dort Gold, Silber und Edelsteine entdeckt. Um sich die Taschen zu füllen, wirft er die Blume achtlos weg, worauf die Wände nach einem Grollen einstürzen. Der Mann kann sich gerade noch ohne die seither auf immer verborgenen Schätze ins Freie retten.

Als "blaue" Zauberblume, die sich in vielen Sagen findet, gilt die Pechnelke, die wie Graslilie, Mauerraute, Tüpfelfarn und mehrere Arten des Streifenfarns zu den seltenen und vielfach auf der gefährdeten Liste geführten Pflanzen, Moosen und Flechten dieser typischen Felsspaltenvegetation zählt. Im Juli leuchtet auf den Felsbänken des knapp sechs Hektar umfassenden Naturschutzgebietes die blaue Pfirsichblättrige Glockenblume, gelbes Johanniskraut und weißer Hügel-Baldrian.

Der Beilstein mit seinen naturnahen Mischwäldern gilt auch als Überwinterungsquartier für europaweit geschützte Fledermausarten und ist vom Land Hessen inzwischen als Flora-Fauna-Habitat (FFH-Gebiet) ausgewiesen.

Nachdem viele Wanderer und Kletterer die seltenen Arten gefährdeten, haben Regierungspräsidium, Forstamt und die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz um Klaus Weismantel und Gerd Kleespies ein Schutzkonzept ausgearbeitet.

Der knapp einen Kilometer lange Weg zum Beilstein ist von einem Naturparkplatz an der Landesstraße 2905 ausgeschildert.

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