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Main-Kinzig GEW schlägt Alarm

An den Bedingungen zum Schulstart wird Kritik laut. Das Amt widerspricht.

Schülerin
Eine Schülerin. (Symbolfoto) Foto: dpa

Erich Schleßmann spricht von einem „insgesamt geregelten Start“ ins Schuljahr. Auch für den Rest des Jahres erwarte er keine großen Probleme bei der Unterrichtsversorgung. Gleichwohl sieht der kommissarischer Leiter des Schulamtes für den Main-Kinzig-Kreis „schwieriger werdende Rahmenbedingungen“ – nicht in Bezug auf die Mittel oder die Zahl der Stellen, aber bei deren Besetzung. Hierbei könne es zu Verzögerungen kommen, sagt er und bittet um Verständnis. Engpässe gibt es laut Schulamt bei Grund- und Förderschullehrern sowie bei Berufsschullehrern in den Bereichen Metall-, Elektrotechnik und Sozialpädagogik.

Die Gesamtzahl der Lehrerstellen im Kreis ist leicht gestiegen, um 19 auf nun 3407. Gleichzeitig ist die Zahl der Schüler etwas gesunken, von 51.564 auf jetzt 51.378.

Schleßmann und seine Kollegen im Amt, etwa Stellendezernent Joachim Pfannmüller, sehen die Tendenz bei der Personalquote als Erfolg. Ebenso wie die Fortbildungsmöglichkeiten sowie den Ausbau der Ganztagsangebote und des inklusiven Unterrichts, der an 98 Schulen stattfindet und gestärkt worden sei. Für Förderlehrer, die die Regellehrer bei der Inklusion unterstützen, stehen kreisweit 138 Stellen zur Verfügung.

Die Schulen seien insgesamt gut mit Personal ausgestattet, sagt Schulamtsleiter Schleßmann. Die Arbeitszeiten für Lehrer im Main-Kinzig-Kreis seien arbeitnehmerfreundlich. Kritische Äußerungen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bewertet er als „Jammern auf sehr hohem Niveau“ und „nicht angemessen“.

Diesen Vorwurf weist der Kreisverband Hanau der GEW zurück und bezeichnet die Situation als katastrophal. Es seien zwar Stellen geschaffen worden, allerdings könnten viele davon nicht besetzt werden, sagt Anja Saling von der Fachgruppe Grundschule. Um Lücken zu schließen, würden noch nicht ausreichend qualifizierte Kräfte eingestellt. Zudem kritisiert Sailing, dass in Hessen in den vier Grundschuljahren insgesamt 96 Pflichtwochenstunden unterrichtet werden, bis zu 15 Prozent weniger als etwa in Bayern.

Darüber hinaus berichtet die GEW von Missständen bei der Inklusion und Förderung von Seiteneinsteigern: An der Georg-Büchner-Schule in Erlensee zum Beispiel sollen bislang etwa 20 Anträge auf Fördermaßnahmen abgelehnt worden sein. Die Gewerkschaft führt dies vor allem auf Personalmangel zurück. An einer anderen Schule werde ein FSJ’ler bei der inklusiven Beschulung eingesetzt. „Inklusion ist ein Menschenrecht. Wir sind dafür“, erklärt Christiane Östreich von der Fachgruppe Gesamtschulen. Aber unter den Bedingungen könne man den Kindern kaum gerecht werden. Die Mittel für Ganztagsbetreuung seien ebenfalls nichts als ein Tropfen auf den heißen Stein, moniert Ingabritt Bossert, Vorsitzende des GEW-Kreisverbandes.

Der für Gymnasien zuständige Jörg Engels kritisiert die Überlastung der Lehrkräfte, die auch immer mehr bürokratische Aufgaben übernehmen und oft 60 Stunden pro Woche arbeiten müssten. Der Beruf sei für viele nicht mehr attraktiv. Kein Wunder, dass zahlreiche Stellen nicht besetzt werden könnten. Zahlreiche Kollegen wanderten nach Bayern ab, wo die Rahmenbedingungen besser seien.

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