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Main-Kinzig Fluglärm plagt Kinzigtal

Der Main-Kinzig-Kreis lehnt die beschlossene Obergrenze zum Lärmschutz im Landesentwicklungsplan als vage und unzureichend ab.

Flughafen Frankfurt
Die Lärmobergrenze gilt für ein so genanntes hoch betroffenes Gebiet. Foto: Peter Juelich

Der Main-Kinzig-Kreis bereitet eine weitere Stellungnahme zum Landesentwicklungsplan (LEP) Hessenplan 2000 vor. Das, was der Entwurf zur Überarbeitung des LEP im Kapitel „Luftverkehr“ als Lärmschutz beschreibt, hält Umweltdezernentin Susanne Simmler (SPD) für nicht ausreichend. Ihre Begründung: Mit der Inbetriebnahme der neuen Landebahn 2011 sei die Lärmbelastung durch Flugzeuge über dem Kinzigtal gestiegen, nicht zuletzt weil die Anflüge nun parallel verliefen, und die Mindesthöhe von 1700 auf 1100 Meter abgesenkt worden sei, so Simmler. Hinzu komme, dass ein seit kurzem auf Rhein-Main stationierter Billigflieger das Nachtflugverbot schon wiederholt missachtet habe.

Die Einführung einer Lärmobergrenze im vergangenen November war ein Ziel des Mediationsverfahrens zum Flughafenausbau vor 17 Jahren. Nun konnten sich nach einjähriger Verhandlung das Land Hessen, Flughafenbetreiberin Fraport sowie die Airlines Condor, Lufthansa und Barig, die Vereinigung der Fluggesellschaften, auf eine freiwillige Vereinbarung einigen, die in den Landesentwicklungsplan aufgenommen wird.

Die Lärmobergrenze gilt für ein so genanntes hoch betroffenes Gebiet, das Gegenstand im Planfeststellungsbeschluss 2007 zum Flughafenbau ist. Das Gebiet ist mit einem Dauerschallpegel bei Tag bei 60 und in der Abendstunden bei 55 Dezibel (A) belastet. Der Main-Kinzig-Kreis liegt nicht in diesem Gebiet, das bei Offenbach endet. In der ersten Stellungnahmen zum LEP im Mai vergangenen Jahres forderte der Kreis etwa erneut die Ausweitung der Zone, die mit dem neuen LEP nun sogar noch etwas schrumpfen soll. Das hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung erläuterte in einer Präsentation die Verkleinerung des Gebiets mit der tatsächlichen hoch belasteten Fläche.

Die Einhaltung der Lärmobergrenze werde überwacht, heißt es aus Wiesbaden. Werde das Niveau in zwei aufeinanderfolgenden Jahren überschritten, würden Maßnahmen ergriffen. Wegen der Freiwilligkeit werden - entgegen dem Entwurf zur Lärmobergrenze - aber keine Sanktionen folgen. Damit würde sich das Land vermutlich auf schwieriges Terrain begeben, da die Planfeststellung 2007 weiterhin gilt.

Für Simmler gibt es im LEP unter dem Stichwort „Luftverkehr“ eine „starke Betonung des weiteren Wachstum des Flughafens“ und eine „eher vagen Erwähnung“ von Lärmschutzinteressen. Der Fluglärm über dem Kreis – besonders im Westen wie Maintal, Hanau und Rodenbach – schädige die Gesundheit der Bürger, notiert Simmler. Der Krach schränke die Lebensqualität ein und störe die Entwicklung im schulischen Kindesalter. Simmler bezieht sich hierbei auf die 2014 erschiene NORAH (Noise-Related Annoyance, Cognition, and Health) Studie. Sie verweist zudem auf die im Februar 2017 von der Universität Mainz vorgestellten Untersuchung zur jüngsten Lärmforschung. „Hier wurden medizinische Mechanismen entschlüsselt, die für Gefäßschäden in Folge von Fluglärm ursächlich verantwortlich zeichnen.“ Somit müsse der Schallpegel aus Überflügen „deutlich abgesenkt“ werden, so ihre Forderung..

„Es fehlen echte Immissionsschutzgrenzwerte, die den Flughafenbetreiber dazu zwingen würden, einen aktiven Lärmschutz zu betrieben“, erläutert Simmler. Die Umweltdezernentin sieht auch den Bund in der Pflicht, das Luftverkehrsgesetz zu ändern und die „rechtliche Privilegierung“ des Fluglärms gegenüber dem Straßen- und Schienenlärms zu beenden.

Kritik kommt auch von der IG Fluglärm Hanau-Kinzigtal - nicht allein wegen der Freiwilligkeit der Lärmobergrenze. Die IG Fluglärm wirft dem Ministerium von Tarek Al-Wazir (Grüne) vor, mit der Verkleinerung beziehungsweise Nichtausweitung der hoch belasteten Lärmschutzzone die Bautätigkeit anzuregen, auch für Kindergärten und Schulen in Gebieten, die bisher aus Lärmschutzgründen tabu waren.

Das hessische Verkehrsministerium bemerkt zur Lärmobergrenze, sie deckele den Schallpegel, aber nicht die Flugbewegungen. Einst wurde für den Ausbau ein Maximum von 701 000 Flugbewegungen bis zum Jahr 2020 prognostiziert. Der Lärmpegel bei Höchstzahl der Flugbewegungen liegt nach Angaben des Ministeriums nun um 1,8 Dezibel (A) unter Planfeststellungsbeschluss. Derzeit starteten und landeten rund 470 000 Maschinen pro Jahr auf Rhein-Main.

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