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Landgericht Hanau Anwältin betrügt Mandanten

Das Landgericht Hanau verurteilt eine frühere Anwältin zu vier Jahren und neun Monaten Haft. Sie hat Mandanten um hohe Geldsummen betrogen. Der Grund für ihre kriminellen Machenschaften: Die alleinerziehende Mutter hatte hohe Schulden.

Sie wacht über Recht und Ordnung: die Justizia. Foto: FR/Arnold

Der Zeuge zuckt zusammen und senkt kurz den Kopf, als Staatsanwalt Werner Schmidt-De Wasch sagt: „Für ein paar Schreiben, die die Angeklagte angefertigt hat, haben Sie insgesamt um die 60.000 Euro bezahlt.“ Der 64-jährige L. antwortet: „Und ich hätte wohl noch mehr bezahlt, um meine Kinder zu sehen.“ Er sei verzweifelt gewesen und habe seiner damaligen Anwältin vertraut.

Er bezahlte für Gutachten, die nie erstellt wurden, und für Verfahrenskosten, die nicht existieren. Die Rechtsanwältin S. aus Hanau kassierte, und zwar in bar. Sie vertrat L. in einer Familienangelegenheit. Die hohen Summen habe sie erst verlangt, nachdem sie erfahren habe, dass L. fast eine Viertelmillion Euro geerbt hat.

Einst sei er wohlhabend gewesen, heute müsse er Kredite aufnehmen. Der gebürtige Hanauer ist der letzte Zeuge, der im Prozess gegen S. aussagt.

Insgesamt 200.000 Euro veruntreut

Das Landgericht hat die 52-jährige Ex-Anwältin S. am Donnerstag wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Untreue zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Sie hatte beim Prozessauftakt Ende Februar gestanden, Mandanten in 58 Fällen um insgesamt etwa 200.000 Euro betrogen zu haben. Sie hatte unter anderem behauptet, das Geld für angebliche Verfahrens- und Gerichtskosten sowie Sicherheitsleistungen und Gutachten zu brauchen. Der in einer Absprache ausgehandelte Strafrahmen lag zwischen vier Jahren und neun Monaten und fünf Jahren und drei Monaten Gefängnis.

„Sie haben das Vertrauen und die juristische Unerfahrenheit ihrer Mandanten missbraucht“, sagte Richter Dietmar Jorda in seiner Begründung. Die Geschädigten hätten nicht nur einen finanziellen, sondern auch einen persönlichen Schaden erlitten. Einer der Mandanten sei nach einem Nervenzusammenbruch in psychologischer Behandlung, bei einem anderen habe der Betrug beinahe die Ehe zerstört. Die Angeklagte habe ihre Pflichten als Anwältin grob verletzt und „das Ansehen der Justiz beschädigt“, so Jorda. Neben dem Geständnis habe sich unter anderem strafmildernd ausgewirkt, dass S. hohe Schulden hatte, alleinerziehend war und nie wieder in ihrem Beruf arbeiten darf.

Auf "schamlose Weise" betrogen

Verteidiger Frank M. Peter griff in seinem Plädoyer ebenfalls zu diesen Argumenten und sagte: „Frau S. handelte aus Verzweiflung, sie wollte sich keine goldene Badewanne kaufen.“ Außerdem sei sie dilettantisch vorgegangen, was die Strafe laut BGH mildern könne. Peter verwies darauf, dass S. Quittungen ausstellte und ihren Betrug dadurch nachvollziehbar machte. Er plädierte für das verabredete Mindeststrafmaß.

Die Staatsanwaltschaft hatte das Höchstmaß gefordert. Schmidt-De Wasch sagte, die Angeklagte verfüge über hohe kriminelle Energie und enormes schauspielerisches Talent. Sie habe Mandanten über einen langen Zeitraum „auf die schamloseste Art“ um hohe Summen gebracht. Nicht Not, sondern Gier habe sie getrieben. Die Lügengeschichten hätten kaum Grenzen gehabt. Als eine Mandantin von S. eine Rückzahlung gefordert habe, habe S. erzählt, ihr eigener Vater sei gerade gestorben: Sie könne im Moment nichts tun und bitte um Verständnis.

S. kann Revision einlegen. „Wir werden die Möglichkeit prüfen“, sagt Anwalt Peter.

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