Lade Inhalte...

Lamboy Integration beim Mittagessen

Disco, Bühne für Karnevalisten und Seniorentreff: Seit zehn Jahren ist das Nachbarschaftshaus Lamboy-Tümpelgarten ein offener Treff für alle Generationen.

Nachbarschaftshaus Tümpelgarten Foto: Sascha Rheker

Es hat fast etwas Märchenhaftes, wie sich das Nachbarschaftshaus Lamboy-Tümpelgarten mit seinen vielen Dachschrägen in den zur Hügellandschaft geformten Rasen schmiegt. Der verwinkelte Backsteinbau mit seinen zwei Sälen und mehreren kleinen Räumen ist keines der typisch gesichtslosen Bürgerhäuser der frühen 80er Jahre – obwohl er in dieser Zeit, 1983, errichtet wurde.

Das Haus hat Atmosphäre, auch wenn vor allem sein Inneres kaum noch als modern durchgehen würde. Vielleicht fühlen sich gerade deshalb Menschen aller Generationen und Herkünfte so wohl. Es ist Disco für Kinder und Jugendliche, Treffpunkt für Senioren, junge Leute, ausländische Mütter und Kegelfreunde, Probebühne für Karnevalisten, Theaterensembles oder die Stadtkapelle. Auch die Politik tagte schon hier.

In dem kommenden Wochen feiert das Nachbarschaftshaus ein kleines Jubiläum: Nicht an sein 28-jähriges Bestehen wird erinnert, sondern an einen Wandel im Konzept, der sich vor zehn Jahren vollzog. 2001 avancierte die Einrichtung zur Begegnungsstätte heutigen Zuschnitts, in der viele soziale Angebote gebündelt sind. Seither arbeitet auch ein vierköpfiges Team städtischer Sozialpädagogen und Sozialarbeiter im Nachbarschaftshaus, um Ansprechpartner für die Menschen im Quartier zu sein und Veranstaltungen zu organisieren.

Vernetzte Angebote

Das Konzept eines offenen Treffs war allerdings 2001 nicht neu: Eigentlich sollte das Haus bereits seit seiner Eröffnung diesem Zweck dienen – doch was das Jugendamt damals ausarbeitete, wurde nicht umgesetzt: Die Räume boten vor allem Vereinen und Familienfeiern Platz. Im Laufe der Jahre habe sich dann aber gezeigt, „dass eine verbindende Hand fehlte“, erklärt Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel (SPD). Es galt, das Programm besser zu vernetzen, es auszuweiten – und auch, Neues zu etablieren. Dabei arbeitet das Team mit Schulen, Kindertagesstätten, Kirchen, sozialen Einrichtungen und Vereinen zusammen. „Wir wollen für Kinder und Jugendliche auch Anlaufstelle bei Problemen sein“, sagt Christine Schäfer, Leiterin des Nachbarschaftshauses.

Zu den Angeboten gehören heute Hausaufgabenhilfe, Jugendtreffs und Discos, Deutschkurse, Gewaltprävention, ein Flohmarkt, eine Kreativwerkstatt, ein Computerraum und neuerdings ein Yoga-Kurs für Kinder mit Konzentrationsschwäche. Besonders beliebt und beispielhaft für den verbindenden Ansatz des Hauses ist das Stadtteilcafé dienstags ab 13 Uhr. Eine Köchin bereitet dann ein Mittagessen zu – die Gespräche der Gäste über das, was auf den Tisch kommt, empfindet Schäfer als „lebendige Integration“.

„Den Anstoß, das Nachbarschaftshaus aufzuwerten, gab 1999 die Entscheidung, das Lamboy-Viertel in das Förderprogramm „Soziale Stadt“ aufzunehmen“, sagt Weiss-Thiel. Damals entstand auch der „Lamboypark“ – ein kleiner Freizeitpark, der dem Nachbarschaftshaus angegliedert wurde. Ein Angebot, für das viel Nachfrage besteht, denn im Gebiet leben überdurchschnittlich viele Kinder und Jugendliche. Mit Konversion der früher militärisch genutzten Flächen entstand ein neues Wohngebiet – mehr „Mittelschicht“ kam in das früher als „problematisch“ geltende Viertel. Auch für die neuen Bewohner ist das Nachbarschaftshaus zur Anlaufstelle geworden.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen