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Kraftwerk Staudinger Abgas-Frage

Die Staatsanwaltschaft Hanau prüft den Vorwurf, bei Staudinger ströme das Abgas zu kühl aus - im Interesse eines besseren Wirkungsgrades. Das führe zu erhöhten Schadstoffemissionen in der Umgebung, behauptet die „Interessengemeinschaft gegen Block 6“.

30.07.2010 17:48
Alexander Polaschek
Die Tour de Natur demonstriert am 29. Juli vor dem Kraftwerk Staudinger Foto: Sascha Rheker/attenzione

Auch die Staatsanwaltschaft dürfte sich verschärft für das neueste Gutachten zum Kraftwerk Staudinger interessieren. Es kommt kommende Woche auf den Tisch und beleuchtet die Luftbelastung im näheren Umfeld der Schlote. Genau dieser Frage gehen auch die Hanauer Ermittler in einem soeben eingeleiteten Verfahren nach, wie Pressesprecher Wolfgang Popp mitteilte. Indessen beklagt die „Interessengemeinschaft gegen Block 6“, die sich gegen den Neubau eines weiteren Steinkohleblocks wendet, dass sie an der Präsentation der Studie nicht beteiligt wird.

Sowohl das Gutachten als auch die Ermittlungen fußen auf den Aktivitäten der IG. Sie behauptet seit mehr als einem Jahr immer wieder, dass aus den bestehenden Blöcken 1 bis 5 des Eon-Kraftwerks am Main Schadstoffbelastungen resultieren, „die über der gesetzlichen Alarmschwelle liegen“. Dabei beruft sich die Initiative auf ihre eigenen Messungen. Die Ergebnisse liefern nun auch die Handhabe für eine Strafanzeige gegen die Verantwortlichen des Eon-Konzerns.

Die Staatsanwaltschaft prüft jetzt den konkreten Vorwurf, dass bei Staudinger im Interesse eines besseren Wirkungsgrades das Abgas mit zu niedriger Temperatur ausströme. Dies führe zu erhöhten Schadstoffemissionen, die vor allem die nähere Umgebung des Kraftwerks belasteten. Die IG beruft sich dabei auf eine eigene Messreihe seit April 2010. Laut Popp ist dies bereits das zweite Ermittlungsverfahren in Sachen Staudinger, das von der IG ausgelöst wird. Das erste Verfahren sei mangels Nachweisbarkeit einer Straftat eingestellt worden.

Die IG hatte die Frage der aktuellen Belastungen im Nahbereich auch während des Erörterungstermins zum geplanten Neubau von Block 6 angeschnitten. Daraufhin veranlasste das Regierungspräsidium (RP) Stickstoffdioxidmessungen. Auf Kosten von Eon, so sagte RP-Sprecher Gerhard Müller der Frankfurter Rundschau, habe ein renommiertes und amtlich zugelassenes Gutachterbüro im Großauheimer Industriegebiet über vier Monate einen Messcontainer stationiert.

Zur Präsentation der Ergebnisse in der kommenden Woche sind auch Vertreter der Stadt Hanau und der Gemeinde Großkrotzenburg eingeladen.

Die IG hat laut Sprecherin Sigrid Kargl ebenfalls darum gebeten, um ihre eigenen Vergleichsmessungen aus dem selben Zeitraum „zur besseren Transparenz“ gegenüberzustellen. Doch der Brief sei nicht einmal beantwortet worden. Für eine Antwort gebe es keinen Grund, bestätigte RP-Sprecher Müller, da die Offenlegung der Daten für die Öffentlichkeit ohnehin geplant sei. Laut Müller ist die Studie, unabhängig vom Ergebnis, für das Genehmigungsverfahren für Block 6 ohne Bedeutung. Denn dort gehe es um die Emissionen, also was die Schlote ausstoßen, und nicht um die nun gemessenen Immissionen, also die vor Ort ankommenden Schadstoffe. Trotzdem wurde die Entscheidung über den Neubau jetzt vom Sommer in den Oktober vertagt. Grund: Ein Gutachten zur Wirkung auf Naturschutzgebiete in der Umgebung steht noch aus.

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