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Kommentar Klares Wort der Braut

Wohl selten durfte sich eine Partei, die bei der Kommunalwahl nicht erwähnenswert zugelegt hat, so umschmeichelt fühlen und sich derart in Positur bringen, wie die SPD.

13.05.2011 11:25
Von Jörg Andersson

Sowohl der langjährige Koalitionspartner CDU wie auch die Grünen, die ihr Ergebnis mehr als verdoppelten, haben die Braut heftigst hofiert.

Die Union erklärte sich einmütig mit der Degradierung ihres Spitzenkandidaten Günter Frenz sowie der Streichung von Zuständigkeiten im Bereich Gesundheit und Bildung einverstanden. Die Grünen schluckten die Pille, nur mit den Freien Wählern als koalitionsfähig erachtet zu werden und auf ihr ureigenes Ressort Naturschutz zu verzichten.

Obgleich oder vielleicht gerade weil in der Kreispolitik seit der Entscheidung über die Müllentsorgung strittige Themen rar geworden sind und die Wahlbeteiligung stetig sinkt, mag niemand in der Opposition verharren. Das Profil der Parteien lässt sich vor allem über hauptamtliche Personen und Präsenz schärfen.

So betrachtet darf der künftige Erster Kreisbeigeordnete André Kavai (SPD) als aussichtsreicher Anwärter auf den Landratsposten gelten, wenn sich Erich Pipa (SPD) nach seiner zweiten und letzten Amtszeit zur Ruhe setzt.

Nach wochenlangen Koalitionsverhandlungen ist am Ende ausgerechnet der umworbenen Braut die Wahl schwer gefallen. Steht der konservative SPD-Flügel doch für Kontinuität bis hin zum Kohlekraftwerk. Als sich Andrea Ypsilanti anschickte, mit Grünen und Linken zu regieren, meldete sich der Unterbezirk Main-Kinzig mahnend zu Wort.

„Herz und Bauch signalisieren Rot-Grün, Kopf und Verstand seien für den Fortbestand der große Koalition“, meinte ein führender Sozialdemokrat vor der geheimen Abstimmung, deren Ausgang die Parteispitze vorweg nicht zu prognostizieren vermochte.

Jetzt haben sich die Sozialdemokraten relativ deutlich für einen politischen Wechsel entschieden. Etwaige Animositäten und Bedenken ob der Verlässlichkeit und Seriosität speziell der Grünen sind in den Hintergrund getreten, strategische Erwägungen aber wohl auch. Die klare kreispolitische Kante der SPD hat über inhaltliche Schnittmengen hinaus den Ausschlag gegeben. Zu oft hat die SPD-Führung den kritischen Geist der Main-Kinzig CDU gegenüber unpopulären Entscheidungen aus Wiesbaden vermisst.

Streitthemen wie die einstige Müllpolitik muss die SPD mit den Grünen künftig weniger fürchten. Und über Staudinger kann im Kreis zwar gestritten werden, entschieden wird über den Ausbau aber an anderer Stelle.

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