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Kinos "Die Vielfalt ist gefährdet"

Erwin Heberling erklärt die Probleme, die kleine Lichtspieltheater mit der Digitalisierung bekommen.

06.01.2012 02:47
Erwin Heberling ist Geschäftsführer des Film- und Kinobüros Hessen. Foto: Privat

Herr Heberling, selbst kleine Kinos stellen auf digitale Filmtechnik um. Führt an der Digitalisierung kein Weg vorbei?

Das kann man so sagen. Die Filmverleiher liefern demnächst nur noch digitale Kopien, diese Umstellung ist derzeit in vollem Gange. Da bleibt für die Kinos nichts anders übrig als mitzuziehen.

Was kostet die Umstellung auf digitale Vorführgeräte?Der von den großen Verleihern verlangte technische Standard sieht Projektoren und Surfer mit mindestens 2K-Auflösung vor, die nach der von ihnen erstellten DCI-Norm zertifiziert sind. Für Kinos mit kleineren Leinwänden wären auch deutlich günstigere Anlagen unterhalb dieses Standards ausreichend. Allerdings spielen die großen Verleiher hier nicht mit. So kostet eine Umrüstung derzeit pro Saal etwa 70000 Euro. Die digitalen Anlagen verursachen außerdem höhere Betriebskosten.

Große Kinocenter können diese Investitionen vielleicht aus eigener Kraft stemmen, aber wie sollen kleine Kinos da mithalten?Seit 2010 gibt es zum Glück Förderprogramme für die Umrüstung auf digitale Technik, die kleinere Kinos in die Lage versetzen sollen, bei der Digitalisierung mitzuhalten. Der Bund übernimmt 25 Prozent der Kosten für den Kauf der neuen Vorführgeräte, die Filmförderanstalt zahlt bis zu 10000 Euro, und das Land Hessen beteiligt sich seit diesem Jahr ebenfalls mit einem Anteil von 25 Prozent an den Kosten. Für Kinos, die besondere kulturelle Kriterien erfüllen und für solche in Städten und Gemeinden mit weniger als 20000 Einwohnern gibt es erhöhte Zuschüsse, ebenso für Häuser, die den Kinoprogrammpreis gewonnen haben. Was noch immer fehlt, ist die finanzielle Beteiligung der Verleiher, die durch enorme Kosteneinsparungen zu den Gewinnern der Digitalisierung gehören.

Welche Rollen spielen die kleinen Landkinos aus Ihrer Sicht?Eine sehr wichtige. Kinos in kleinen Städten und Gemeinden sind kulturelle Orte, Orte der Auseinandersetzung und Begegnungsstätten. Ein vielfältiges, hessenweites Angebot ist wichtig, um die Menschen vor Ort zu erreichen. Außerdem sorgen vor allem die kleineren Kinos für ein breites, filmkulturelles Angebot für alle Altersschichten – zum Beispiel mittels der Schulkinowochen, der von uns organisierten Filmkunst- und Kinderkinoreihen oder auch der Tourneen von Dokumentarfilmen.

Das heißt, es wäre ein herber Verlust, wenn diese Kinos auf der Strecke blieben?Absolut. Kinos gehören in die Kulturlandschaft und erfüllen speziell in kleinen Orten eine zentrale Funktion in puncto Lebensqualität. Glücklicherweise haben wir in Hessen noch eine breit gefächerte Kinolandschaft. 61 von 70 Kinostandorten sind Städte und Gemeinden mit weniger als 50000 Einwohnern. Diese regionale Vielfalt ist allerdings gefährdet, die Zahl der Schließungen nimmt zu, und durch die Digitalisierung wird hier nichts besser. Wir appellieren daher an das Land und die Städte, sich für den Erhalt dieser Vielfalt zu engagieren.

Das Interview führte Andrea Rost

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