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Jugendarrest Mehr Platz für Warnschüsse

Die altehrwürdige Arrestanstalt in Gelnhausen nimmt ab März zusätzliche Jugendliche auf. Für 74 Jugendliche gibt es Plätze.

19.01.2013 22:11
Von Christoph Süß
Die "Jugend-Arrestanstalt" in Gelnhausen. Foto: dpa

Wir können nicht alle Defizite ausgleichen“, sagt Sigrid Haas. Die Direktorin des Amtsgerichts muss es wissen, schließlich arbeitet sie seit Mitte der 80er Jahre im Jugendarrest. Dennoch ist die Richterin vom Nutzen der altehrwürdigen Einrichtung überzeugt, die nach einem neuen Anbau aufgewertet wird: In einigen Wochen werden hier die ersten hessischen Jugendlichen eintreffen, die einen sogenannten Warnschuss bekommen haben.

Einzige Einrichtung in Hessen

Künftig wird die Einrichtung in Gelnhausen der zentrale Jugendarrest für das gesamte Bundesland sein – das Pendant in Friedberg wird dieser Tage geschlossen. Vor knapp vier Jahren war dieses in einem ehemaligen Gefängnis eingerichtet worden, um Kapazitätsengpässe zu beheben. Damals war nach dem tödlichen Übergriff zweier Jugendlicher in München auf einen Mann am S-Bahnsteig eine neue Debatte über ein härteres Vorgehen gegenüber jugendlichen Straftätern entbrannt.

Für Hessens Justizminister Jörg Uwe-Hahn (FDP), der den neuen Anbau gestern eröffnete, ist damit die Neuordnung des Jugendarrests in Hessen abgeschlossen. „Manchmal geht es nur mit repressiven Mitteln“, ist er überzeugt. Nach eigenen Angaben beschäftigt er sich ebenfalls bereits seit den 80er Jahren mit dem Jugendstrafvollzug. Seiner Meinung nach sollte der Arrest den Richtern als Mittel zur Verfügung stehen – dafür habe es jedoch bisher an Platz gemangelt.

Mit dem 2,5 Millionen Euro teuren Anbau stehen in Gelnhausen nun 74 Plätze für Jugendliche zur Verfügung – 24 mehr als bisher. In Friedberg gab es 60 Plätze, doch ist die Warteliste laut Hahn mittlerweile abgearbeitet worden. Nach Auskunft von Anstaltsleiter Fred Sonne sind derzeit im Schnitt 40 bis 50 Plätze belegt.

Zuchmittel, keine Strafe

Im März kommen zu den Jugendlichen, die einen Arrest wegen Vergehen wie einem Verstoß gegen die Schulpflicht absitzen, jene hinzu, die vom Gericht einen Warnschuss bekommen haben. Dieser kann wie bei den sonstigen Arresten von einem Wochenende bis zu vier Wochen dauern – im Schnitt sitzen die Jugendlichen derzeit zwei Wochen ein.

„Ein Arrest ist ein Zuchtmittel und keine Strafe“, stellte Richterin Sigrid Haas klar – im Schnitt seien die Insassen 20 Jahre alt. Durch die Zeit des Nationalsozialismus sei der Arrest in Verruf geraten, nach dem Krieg aber aus guten Gründen in das Jugendgerichtsgesetz aufgenommen worden. Dieses harrt laut Haas seiner Änderung, wurde jedoch im vergangenen Jahr auf Bundesebene um den Warnschussarrest ergänzt, um Richtern mehr Handlungsmöglichkeiten zu geben.

Ob die Richter das zusätzliche Mittel anwenden, hängt laut Minister Hahn nun von ihnen ab. „Der Arrest ist in der Praxis erprobt“, sagte er. Über die Wirkung des Warnschusses gebe es bis jetzt jedoch kein Wissen.

Er steht jedoch hinter dem Konzept, weil der Staat seiner Meinung nach Jugendlichen mit Problemen verpflichtende Angebote machen müsse.

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