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Jüdischer Friedhof in Steinheim Ein Tor mit Davidstern

Der Findling mit der Gedenktafel in der Grünanlage Ecke Darmstädter Straße / Dalbergstraße in Hanau-Steinheim ist nur der Anfang: Der Alte Jüdische Friedhof in Steinheim soll neu gestaltet werden.

30.07.2013 13:20
Anne Lorenc
So hoch soll das Tor werden: Burkhard Huwe vom Runden Tisch erklärt die Neugestaltung des Alten Jüdischen Friedhofs. Foto: Monika Müller

Der Findling mit der Gedenktafel in der Grünanlage Ecke Darmstädter Straße / Dalbergstraße in Hanau-Steinheim ist nur der Anfang: Der Alte Jüdische Friedhof in Steinheim soll neu gestaltet werden.

Die Grünanlage an der Ecke Darmstädter Straße / Dalbergstraße in Hanau-Steinheim ist überschattet von alten Bäumen. Blickfang ist ein Denkmal, das an die „tapferen Krieger“ des deutsch-französischen Krieges (1870/71) erinnert. Doch dieses Mahnmal verdeckt die wahre Bedeutung des Ortes. Es handelt sich um den Alten Friedhof der ehemaligen jüdischen Gemeinde in Groß-Steinheim. Die Initiative Runder Tisch, die das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus aufrecht erhält, will nun dafür sorgen, dass diese Historie auch optisch angemessen dargestellt wird.

„Das ist kein normaler Park, und das soll wieder gewürdigt werden,“ begründet der Mit-Initiator Burkhard Huwe den Plan. Der Findling mit einer erklärenden Tafel, der auf Betreiben des Runden Tischs seit vier Jahren hier steht, sei nur ein Anfang.
Entlang der beiden Straßenfronten zieht sich über Eck ein kaum hüfthohes Mäuerchen aus uralten Steinen. Der offene Zugang von der Darmstädter Straße soll nun ein niedriges, zweiflügeliges Tor erhalten, dessen Bögen die Fensterformen der ehemaligen Synagoge wiederholen und das einen Davidstern trägt. Der bisherige Zugang von der Dalbergstraße aus wird zugemauert. Insgesamt, so meinen die Initiatoren, solle der Eindruck einer geschlossenen Anlage entstehen.
Die Mitglieder des Runden Tisches haben sich viel Mühe gemacht und sich vielerlei Unterstützung geholt. Die Gestaltung des Tores ist mit dem Verband der Jüdischen Gemeinden in Hessen abgesprochen. Das Tor werden angehende Schlosser von der Ludwig-Geissler-Berufsschule produzieren. Die Maurerklasse der Eugen-Kaiser-Schule ist damit beauftragt, die Mauerarbeiten zu übernehmen.


Deren Schulleiterin Claudia Borowski, ebenfalls Mitglied des Runden Tischs, schlug vor, die Gärtnerklasse einzubinden. Entlang des neuen Mauerstücks zur Dalbergstraße soll innen ein Beet entstehen mit einer Hinweistafel zur Geschichte des ehemaligen Friedhofs. Damit ist demnächst eine Klasse der Steinheimer Eppsteinschule beschäftigt. Die passenden Basaltsteine liefert der städtische Bauhof. Und nicht zuletzt hat der Ortsbeirat einstimmig sein Plazet gegeben.
Die heutige Grünanlage ist auch nach jüdischer Definition kein geweihter Boden mehr, haben sich Huwe und seine Mitstreiter versichert. Doch bedeute die Umwidmung zur Nazizeit als Gedenkstätte für „siegreiche deutsche Krieger“ von 1870 /71 eine Demütigung, die es aufzuheben gelte. Das Denkmal des Soldaten mit Pickelhaube und Standarte aber soll bleiben. Auf dem Steinheimer Friedhof habe sich kein passender Platz gefunden, erklärt Huwe. Und ein Standort auf einem innerörtlichen zentralen Platz, wo immer wieder auch Feiern zur deutsch-französischen Freundschaft stattfinden, sei auch eher unpassend.
Die Arbeiten am Alten Friedhof sollen nach den Sommerferien beginnen und im Frühjahr 2014 beendet sein. Die Kosten werden auf rund 1800 Euro geschätzt. Spenden werden gerne entgegengenommen. Der Runde Tisch ist bei der Evangelischen Kirchengemeinde Steinheim ansässig, Ludwigstraße 29.

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