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Internationaler Steinhandel „Auf Steine aus Europa zurückgreifen“

Walter Schmidt von Xertifix spricht im FR-Interview über Kontrollen, wenig Interesse bei Händlern und Möglichkeiten für Verbraucher.

11.01.2013 22:23
Walter Schmidt, Theologe mit Schwerpunkt Wirtschaftsethik, ist Xertifix-Geschäftsführer. Foto: privat

Steinmetze aus Hanau und Umgebung sagen, dass sie nicht wissen, wie sie an Grabsteine ohne Kinderarbeit, zum Beispiel aus Indien, herankommen sollen.

Im Prinzip kann jeder Steinmetz seinen Lieferanten, Großhändler oder Importeur, bitten, nur noch zertifizierte Grabsteine zu liefern. Der Importeur könnte dann Organisationen wie Xertifix oder Fairstone damit beauftragen, dass sie die Betriebe und vor allem auch die Steinbrüche in Indien kontrollieren und sicherstellen, dass dort keine Kinder arbeiten. Dafür haben wir vor Ort eigene Kontrolleure. Eine Zertifizierung könnte innerhalb weniger Wochen in die Wege geleitet werden.

Das heißt, die Steinmetze können Grabsteine ohne Kinderarbeit bestellen?

In der Praxis ist das leider nicht so einfach: Es muss jeder in der Lieferkette, also Produzent, Exporteur und Importeur, bereit sein, sich unabhängig kontrollieren zu lassen. Faktisch hat uns aber in den vergangenen drei Jahren niemand mit Kontrollen für Grabsteine beauftragt. Das ist bei Pflastersteinen ganz anders, dort wenden sich Importeure an uns, um die Steine gegen eine Lizenzgebühr zertifizieren zu lassen. Manche Kommunen zum Beispiel bestehen darauf, wenn sie Steine für Wege und Straßen kaufen.

Und wieso klappt das bei Grabsteinen nicht?

Das können nur Vertreter des Handels beantworten. Häufig hört man das Argument, dass es bei den Grabsteinen eh keine Kinderarbeit geben würde und man daher auch keine Kontrollen bräuchte. Deutsche Steinmetze hatten vor einigen Jahren sogar gegen den damaligen Xertifix-Vorsitzenden Norbert Blüm und Xertifix-Gründer Benjamin Pütter geklagt, dass diese nicht behaupten dürften, dass es Kinderarbeit bei Grabsteinen geben könne. Die Klage, die von indischen Natursteinexporteuren mitfinanziert wurde, wurde abgewiesen. Denn in Steinbrüchen wurden – auch bildlich dokumentiert – Kinderarbeiter gefunden, die an Presslufthämmern für Rohmaterial von Grabsteinen gearbeitet haben. Die Weiterverarbeitung passiert in anderen Betrieben. Aber entscheidend sind die Arbeitsbedingungen in den Steinbrüchen.

Die Wirtschaft hat mit IGEP, Indo-German Export Promotion Projects, ein eigenes Siegel.

Ja, dieses Siegel gibt es auch. Überhaupt gibt es immer mehr Siegel für Natursteine, zuletzt sind von zwei Natursteinhändlern eigene Siegel aufgetaucht. Es ist daher umso dringender, dass Klarheit geschaffen wird, am besten durch ein europäisches Siegel. Wir arbeiten daran seit über zwei Jahren unter Moderation der Bundesregierung. Leider wird dies auch durch andere Siegelanbieter nicht unbedingt unterstützt, so dass heute die Aussichten auf Erfolg schlechter stehen als zu Beginn des Prozesses. Das ist sehr bedauerlich.

Was kann der Verbraucher also tun, wenn er sicherstellen will, dass er einen Stein ohne Kinderarbeit bekommt?

Im Grunde muss er auf Steine aus Deutschland oder Europa oder auf andere Materialien wie zum Beispiel Holz zurückgreifen. Solange der Handel nicht bereit ist, die Steine zuverlässig unabhängig zertifizieren zu lassen, wird sich da kurzfristig nichts ändern.

Ist denn dann eine Regelung wie die für die Hanauer Friedhöfe überhaupt sinnvoll?

Ja, weil das Problem ja besteht. Deshalb sollten Politiker und Verbraucher auch reagieren. Denn wenn sie bei Steinmetzen und Großhändlern nachfragen, wird sich langfristig etwas ändern.

Das Interview führte Wiebke Rannenberg

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