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Hessen "Ficken" mit der Feuerwehr

Das war wohl nichts mit dem "Drecksau-Package": Die seltsame Werbung für eine Party bringt der Roßdorfer Feuerwehr viel Ärger ein. "Ich bin absolut erschüttert. Da finde ich keine Worte“, sagt zum Beispiel Bruchköbels Stadtbrandinspektor Klaus Lauterbach.

02.08.2010 10:10
Andreas Zitzmann
Die allerwenigsten werden es wissen: „Ficken“ ist ein Likör von der Schwäbischen Alb - die Roßdorfer Feuerwehr macht damit Werbung für eine Party. Foto: privat

Wenn bei der Roßdorfer Freiwilligen Feuerwehr am 4. September – im Anschluss an einen bundesweiten Wettkampf für Wehrleute – eine große „Flash-Over-Party“ steigt, werden möglicherweise etwas weniger Besucher kommen als ursprünglich erhofft. Der Grund: Seit Freitagmittag wird ein Eintrittspaket für Gruppen nicht mehr angeboten. Noch am Morgen wurde es auf der Internet-Homepage der Roßdorfer Feuerwehr zum Preis von 75 Euro angepriesen. Kurz darauf waren auf der Seite nur noch viele „x“ und der fette Schriftzug „Zensiert“ zu finden. Aber auch das, wohl im Zorn entstanden, verschwand kurz darauf.

Die Feuerwehr hat sich mit dieser Einladung viel Ärger eingehandelt, bis hin zur eindeutigen Drohung des Deutschen Feuerwehrverbandes in Berlin, Roßdorf als Wettkampfort zu kippen, wenn der Text nicht bis zum Abend von der Homepage verschwindet. Was stand nun dort so Schlimmes?

Das: „Der perfekte Start in die Party! Das Halli-Galli-Drecksau-Package enthält: 10 Eintrittskarten zur Flash-Over-Party, 2 Liter Säftchen (Cola-Asbach oder Wodka-Orange), 10 x Ficken, eine Flasche Sekt, eine Gruppenführer-Krone“. Nun muss an dieser Stelle etwas erklärt werden – die allerwenigsten werden es wissen: „Ficken“ ist ein Likör; er kommt von der Schwäbischen Alb, ein „geheimnisvoller Partyschnaps fürs Volk“. Welcher Teufel den Hersteller bei der Namenswahl geritten hat, ist unklar.

Eine Bruchköbelerin, Mutter eines Feuerwehrmanns, war auf den Eintrag im Internet gestoßen und hatte sich an den örtlichen CDU-Politiker Reiner Keim gewandt, der wiederum die Frankfurter Rundschau informierte – ziemlich empört. Die Empörung breitete sich aus: „Das ist ja eine ganz tolle Nummer! Ich bin absolut erschüttert. Da finde ich keine Worte!“ – so Bruchköbels Stadtbrandinspektor Klaus Lauterbach, der von der Party wusste, aber nicht von ihrer Internet-Präsentation.

In Roßdorf liefen die Drähte heiß: Der Kreisbrandinspektor rief ebenso an wie Ralf Ackermann, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes und Präsident des Feuerwehrverbandes Hessen. Die Organisation ist Mitveranstalter des Wettkampfs am 4. September, bei dem es um den Deutschlandpokal geht: Der frühere Bundeswettbewerbsleiter des internationalen Verbandes zur Förderung der Feuerwehr (CTIF), Hans Ullmann, rechnet damit, das an jenem Samstag 70 bis 80 Mannschaften aus ganz Deutschland ins Bruchköbeler Stadion kommen: „Mit Freunden sicher über 1000 Leute.“ Und einige Gastmannschaften aus dem Ausland.

„Was macht das denn für einen Eindruck“, stöhnte Stadtbrandinspektor Lauterbach: „Da ist doch wieder das Vorurteil ,Die Feuerwehr säuft‘. Gerade in der Jugendarbeit müssen wir doch Vorbild sein.“

Regelrecht unglücklich ist der Roßdorfer Wehrführer Hans-Peter Bach: „Das war dumm. Aber die jungen Leute wollten doch dafür sorgen, dass ein bisschen mehr Publikum kommt.“ Noch am Freitag wollte er ihnen klarmachen, was sie da angerichtet haben. Der Aufreger-Text stand, so Bach, bereits seit Januar im Internet, 22 Halli-Galli-Pakete seien seitdem an Mannschaftsteilnehmer verkauft worden. Mehr werden es wohl nicht.

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